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Kommentar zum Plastik-RecyclingMigros macht einen überfälligen Schritt in die richtige Richtung

Trotz berechtigter Kritik: Das Recycling-Projekt der Migros zeigt, dass der Detailhandel Verantwortung übernehmen kann und will.

Aus rezykliertem Plastik sollen neue Verpackungen entstehen.
Aus rezykliertem Plastik sollen neue Verpackungen entstehen.
Foto: PD

Die Migros kündigt ein «Pionierprojekt» im Detailhandel an. Sie will den Plastikkreislauf schliessen. Was rezykliert wird, soll als neue Verpackung wiedergeboren werden, der alte Joghurtbecher wird zum neuen Joghurtbecher. Wenn das dazu führt, dass schlussendlich weniger neue Joghurtbecher hergestellt werden, ist das sinnvoll. Und nicht nur bei der Migros, sondern im gesamten Lebensmitteldetailhandel lange überfällig. Denn geht es um den Plastikverbrauch, ist die Schweiz Europameisterin. Pro Kopf und Jahr fallen fast 100 Kilogramm Plastikabfall an. Dreimal so viel wie im europäischen Durchschnitt. Rezykliert wird nur ein kleiner Teil.

Dass die Detailhändlerin nun Massnahmen ergreift, um die Wiederverwertung von Plastik voranzutreiben und die Neuproduktion von Plastikverpackungen zu reduzieren, ist ein wichtiger Schritt und bringt die anderen Lebensmittelhändler unter Zugzwang. Auf lange Sicht werden auch sie nachziehen müssen.

Was einigen Kundinnen und Kunden sauer aufstossen dürfte, ist der Preis, den sie zahlen sollen.

Was einigen Kundinnen und Kunden sauer aufstossen dürfte, ist der Preis, den sie für den freiwilligen Wandel zahlen sollen. Sammelsäcke in Zehnerpacks und in Grössen bis zu 60 Liter sollen zwischen 9 und 25 Franken kosten. Zieht man in Betracht, dass Abfallsäcke wie beispielsweise eine Rolle 35-Liter-Zürisäcke schon 20 Franken kosten, ist das ein weiterer spürbarer Kostenpunkt.

Auch wenn die Migros beteuert, mit dem Verkauf keinen Gewinn erzielen zu wollen, wird es Kundinnen und Kunden wohl Überwindung kosten, hierfür Geld auszugeben. Wer sich darauf einlässt, könnte aber bald erleben, dass sie oder er das Geld bei der Entsorgung der verminderten Restabfälle wieder einspart.

Natürlich gäbe es auch noch andere, womöglich bessere Wege: Kritiker wie Greenpeace haben nicht unrecht, wenn sie anmahnen, Detailhändler sollten lieber auf Systeme umstellen, die nach Mehrwegprinzip funktionieren. Aber das neue Migros-Projekt zeigt wenigstens, dass die Detailhändler ein Stück Verantwortung übernehmen wollen. Und einen Schritt in die richtige Richtung tun.