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Beratungshotline zum ErbrechtMein Sohn ist drogensüchtig. Kann ich ihn enterben?

Zahlreiche Leserinnen und Leser nutzten die Beratungshotline, um Fragen zum Erbrecht zu klären. Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten.

Drogensucht ist kein Enterbungsgrund (Symbolbild).
Drogensucht ist kein Enterbungsgrund (Symbolbild).
Getty Images/iStockphoto

1. Das uneheliche Kind

Ich bin seit 12 Jahren verheiratet, und wir haben zwei kleine Kinder. Mein Mann hat mich mit einer anderen Frau betrogen, und diese hat nun ein Kind mit ihm. Erbt das uneheliche Kind von meinem Mann gleich viel wie meine zwei Kinder?

Ja. Kuckuckskinder sind erbberechtigt wie andere Kinder auch. Nachkommen sind pflichtteilgeschützte Erben, die Kinder erben die Hälfte des Nachlasses des Ehemannes. Im Testament könnte das Kind aber auf den Pflichtteil gesetzt werden.

2. Sohn enterben

Ich will meinen drogenabhängigen Sohn enterben und das Erbe meiner Schwester zukommen lassen. Was muss ich tun?

Ihren Sohn können Sie nicht enterben. Dass er drogensüchtig ist, ist kein Enterbungsgrund. Darum hat er einen Anspruch auf ihren Pflichtteil von drei Vierteln. Somit können Sie der Schwester mit einem Testament maximal ein Viertel zukommen lassen. Anders wäre es, wenn Ihr Sohn Sie zum Beispiel mit dem Tod bedrohen würde. Das könnte ein Enterbungsgrund sein. Dieser muss aber im Testament erwähnt werden, andernfalls ist die Enterbung gar nicht gültig.

3. Legate verletzen den Pflichtteil

Ich habe ein Testament errichtet und einigen Freunden wertvolle Bilder, sogenannte Legate ausgerichtet. Was kann mein Sohn unternehmen, wenn sein Pflichtteil durch Ausrichtung der Legate verletzt wird?

Grundsätzlich sind Legate vorab auszurichten. Sind aber Pflichtteile durch Legate verletzt, so kann der Sohn sie herabsetzen. Er muss also seinen Pflichtteil geltend machen und sich mit einer Herabsetzungsklage wehren. Das Recht auf Herabsetzung verjährt innert einem Jahr seit Kenntnisnahme der Pflichtteilsverletzung. In der Regel beginnt diese Frist mit der Testamentseröffnung.

4. Nach der Trennung

Meine Ehefrau lebt seit einem Jahr getrennt von mir. Wer erbt, wenn sie verstirbt?

Sie als Ehemann sind nach wie vor erbberechtigt, wie wenn sie in ungetrennter Ehe leben würden. Erst durch den Vollzug der Scheidung verliert der Ehemann sein Erbrecht.

5. Erbe für die Tiere

Ich habe keine Kinder, meine Eltern leben nicht mehr, und ich habe noch meinen Bruder. Ihm geht es finanziell gut, und er braucht mein Geld nicht. Ich möchte es lieber einer Institution für Tiere vermachen. Geht das?

Ja, der Bruder hat keinen Pflichtteil. Allerdings muss das testamentarisch verfügt werden, ansonsten geht das ganze Erbe an den Bruder.

6. Ohne Testament

Wir sind ein Ehepaar und haben keine Kinder und auch keine Eltern mehr, nur noch je einen Bruder. Wer erbt, wenn nichts schriftlich festgehalten wurde?

Drei Viertel gehen an den überlebenden Ehegatten, ein Viertel an die gesetzlichen Erben wie zum Beispiel Geschwister. Will man dies vermeiden, muss der überlebende Ehegatte als Alleinerbe eingesetzt werden. Somit werden Geschwister ausgeschlossen, da diese keinen Pflichtteilsschutz geniessen.

7. Steuern

Ich möchte mein Vermögen der Grossnichte vermachen. Muss sie im Kanton Bern dafür Steuern zahlen?

Ja, für Grossnichten und -neffen gilt der 16-fache Tarif, gleich wie für miteinander gar nicht verwandte Personen.

8. Für den Partner statt für die Kinder

Meine Frau und ich haben zwei gemeinsame Kinder und mehrere Liegenschaften. Die Kinder sind noch klein, und wir möchten nicht, dass sie vor dem anderen Partner erben. Geht das?

Sie können den überlebenden Ehegatten maximal begünstigen und ihm durch Verfügung von Todes wegen auch die Nutzniessung am gemeinsamen Kindern zufallenden Teil der Erbschaft zuweisen.

9. Ein alter Erbvertrag

Meine Frau und ich haben vor 25 Jahren einen Erbvertrag abgeschlossen. Ist der heute noch gültig?

Solange der Erbvertrag nicht gemeinsam mit der Ehefrau aufgehoben wurde, ist er nach wie vor gültig. Nach 25 Jahren empfiehlt es sich aber, zu überprüfen, ob der Erbvertrag inhaltlich immer noch aktuell ist und nach wie vor dem Willen der Parteien entspricht.

10. Enkel als Erben

Meine Ehefrau ist vor fünf Jahren verstorben, und ich habe zwei Töchter. Beide Töchter haben je zwei Kinder, also habe ich vier Enkel. Ich möchte nun gerne ein Testament schreiben und die Enkel als Erben einsetzen. Kann ich das?

Ja. Die beiden Töchter müssen auf den Pflichtteil gesetzt und die vier Enkel an der frei verfügbar gewordenen Quote als Erben eingesetzt werden. Dafür muss das Testament von Anfang bis zum Schluss von Hand geschrieben, mit Ortsangabe versehen, datiert und unterzeichnet werden.

11. Testament zu Hause aufbewahren

Wo soll ich mein Testament am besten aufbewahren?

Das handschriftliche Testament kann zu Hause aufbewahrt werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass das Testament nicht gefunden wird oder nicht zur Eröffnung an die zuständige Stelle eingereicht wird. Anstelle dessen kann das Testament in einem Bankschliessfach aufbewahrt werden oder bei der Wohnsitzgemeinde. Möglich ist auch die Aufbewahrung bei einer Notarin oder einem Notar im entsprechenden Testamentenregister. Wenn das Testament öffentlich beurkundet wurde, verbleibt das Original bei der Notarin, und Sie bekommen eine sogenannte Ausfertigung davon, eine Kopie mit erhöhtem Beweiswert.

12. Mutter verschenkt das Vermögen

Meine Mutter ist 80 Jahre alt und verschenkt ihrem neuen Freund ihr gesamtes Vermögen. Darf sie das?

Mit dem Vermögen darf jeder zu Lebzeiten machen, was er will. Aber Schenkungen, die in den letzten fünf Jahren vor dem Tod oder mit der Absicht der Umgehung der Pflichtteile gemacht werden, können von den Erben angefochten werden, wenn deren Pflichtteile verletzt wurden. Die Ausnahme sind kleinere Gelegenheitsgeschenke.