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Parallelen von Pest und Corona«Man will die eigene Ratlosigkeit nicht zugeben»

In Krisenzeiten neigten Politikerinnen und Politiker zu Aktionismus, sagt der Freiburger Historiker Volker Reinhardt.

Volker Reinhardt in seinem Büro an der Uni Freiburg. Er sagt: «Nach der Pest wurden die Menschen eher konservativer, suchten wieder Halt und Geborgenheit.»
Volker Reinhardt in seinem Büro an der Uni Freiburg. Er sagt: «Nach der Pest wurden die Menschen eher konservativer, suchten wieder Halt und Geborgenheit.»
Bild: Stefan Anderegg

Herr Reinhardt, was können wir aus der Pest-Epidemie für die aktuelle Zeit lernen?

Volker Reinhardt: Wir können Optimismus daraus ziehen. Corona ist zwar gefährlich, doch bei der ersten grossen Pestwelle ab dem Jahr 1347 starben viel mehr Menschen – um die 25 bis 30 Prozent der damaligen Europäerinnen und Europäer. Das ist ein Schicksalsschlag, den wir uns gar nicht mehr vorstellen können.

Wie geht eine Gesellschaft mit einer solchen Bedrohung idealerweise um?

Auch in solchen Situationen sollte man sich um nüchterne Abwägung bemühen und soweit möglich solidarisch sein. Es gibt Pestberichte von Eltern, die ihre erkrankten Kinder verliessen – und umgekehrt. Das ist erschreckend. Andere Menschen zeigten sich mutig und selbstlos. Eine Lehre aus der Pest ist auch, dass man die Meinungen der Experten zwar ernst nehmen, aber gleichzeitig kritisch bewerten sollte. Damals war ja die vorherrschende Expertenmeinung, dass die Pest eine Gottesstrafe sei aufgrund einer ungünstigen Konjunktur der Planeten, die giftige Luft auf die Erde schicke.

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