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Wo Kunst mehr Luxus ist als Sterne

Das Oberengadin hat viel Prestige – doch das schreckt eine weniger glamouröse Klientel auch eher ab. Es muss aber gar nicht das mon­däne St. Moritz sein – talabwärts finden sich Kleinode von persönlichen Gastbetrieben.

Mann für alles: Carlos Gross, Hausherr in der Pensiun Aldier.
Mann für alles: Carlos Gross, Hausherr in der Pensiun Aldier.
Peter Hummel
Pensiun Aldier in Sent: Die Honesty-Bar mit ihren gemütlichen Ledersesseln und der goldenen Eisenstangeals Reminiszenz an den früheren Ballsaal.
Pensiun Aldier in Sent: Die Honesty-Bar mit ihren gemütlichen Ledersesseln und der goldenen Eisenstangeals Reminiszenz an den früheren Ballsaal.
zvg
Gasthaus Krone in La Punt: Die neu gemachte Steiner-Stuba.
Gasthaus Krone in La Punt: Die neu gemachte Steiner-Stuba.
Peter Hummel
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Sie liegen in genügender Distanz zum Jetset-Magnet St. Moritz, sind jedoch nah genug, um – falls gewünscht – von dessen Sport- und Veranstaltungsangebot profitieren zu können. Gemein ist ­ihnen, dass sie zum einen keine konventionellen Hotels sind, sich deswegen aber weder als Boutique-, Design- noch Life­style­hotel bezeichnen, sondern schlicht als Gasthof, Pensiun und Villa. Zum anderen haben sie alle eine aussergewöhnliche Kunst­affinität – auch ohne sich Kunsthotel zu nennen. Ihre Gäste wissen die Kunstambiance mehr zu schätzen als den puren Luxus in den Nobelherbergen.

Gasthaus Krone, La Punt:Altehrwürdig zeitgemäss

Unscheinbar, aber würdevoll steht es am Ufer des Inn. Seit 450 Jahren ist die Krone ein Gasthaus, und drum nennt sie sich auch heute noch so, wo sie doch längst ein 3-Stern-Superior-Hotel mit den Annehmlichkeiten eines 4-Stern-Hauses ist. Nach bewegten Zeiten wurde sie 2002 von einem Unternehmer erworben und renoviert. Seit diesem Zeitpunkt trägt das Haus die Handschrift der Gastgeber An­dreas und Sonja Martin. Zu den zehn Doppelzimmern entstand im Dachgeschoss eine zusätzliche Beletage mit sechs Suiten. Unerwartet findet sich hier auch eine kleine Wellbeing-Oase.

Die jüngsten Erneuerungen wurden im Wintergarten vorgenommen und in der ehemaligen Kronenstube, die als Steiner-Stuba zu einer bequemen Lounge mutierte. Die Referenz an den Engadiner Fotografen Albert Steiner war naheliegend, da seine Bilder die vier Arven-Gaststuben zieren. Sie bilden die Seele des altehrwürdigen Hauses. Eine heu­tige Entsprechung bietet die ­moderne Gourmetküche unter Leitung des Patrons (15 Punkte «Gault Millau»). Die hochstehende Kochkunst findet ihre Fort­setzung in der zeitgenössischen Kunst auf Fluren und in Zimmern.

Wer in La Punt zu Gast ist, kommt auch ausserhalb der Krone zu gastronomischen Höhenflügen – im Müsella, dem authentischen Ristorante Pugliese oder noch bis Ende März in Daniel ­Bumanns Chesa Pirani. Aber auch die Wintersportler kommen auf die Rechnung: Wenige Meter hinter der Krone ist der Einstieg ins Engadiner Loipennetz. Dazu kann auf der drei Kilometer bergwärts präparierten Albulastrasse herrlich geschlittelt werden.

Pensiun Aldier, Sent:Berghotel mit Sammlung

An eine Pension erinnert hier höchstens die geringe Anzahl von sechzehn Zimmern. Sonst ist alles erlesen: von der feinen Küche über die gepflegte Gaststube, die gediegene Lounge bis zu den ­behutsam renovierten Zimmern. Das ist die Handschrift von Hausherr Carlos Gross und seiner Frau Suzanne; keine Klassierung, dafür erst recht Stil. Pures Understatement, fast britisch. Dazu passend die Art-déco-Ledersessel in der Stüva und der Honesty-Bar.

Auch der zweite Teil des Namens verdient eine Erklärung: Aldier mag ja fast romanisch ­klingen – mitnichten; vielmehr ist dies eine Hommage an drei Künstler, mit denen sich Gross seit Jahrzehnten verbunden fühlte: Al-berto und Di-ego Giacometti und Er-nst Scheidegger. Der Kunstsammler hat hier endlich die richtige Kulisse gefunden, um seine Schätze auszustellen: Diegos Skulpturen im Flur, Albertos Grafiken im Restaurant und Ernst Scheideggers Porträtfotos in der Stüva. Und in den Zimmern zieren ebenso hoch­karätige Einzelstücke die Wände, etwa Originalgrafiken von Corbusier, Miró oder Chillida. Das Highlight des Hauses liegt aber im Kellergewölbe verborgen: Statt der früheren Pizzeria und der Disco hat Gross sein privates Alberto-Giacometti-Museum eingerichtet – eine fast komplette Werkschau mit rund 100 Lithografien und Radierungen.

Wie Aldier, so Sent: authentisch und unaufgeregt. Besonders eindrücklich ist hier der Brauch Chalandamarz (1. März) mit der glockenläutenden und peitschenknallenden Schuljugend zu erleben. Höhepunkt im Skigebiet Motta Naluns ist die zehn Kilometer lange «Traumpiste» direkt nach Sent. Für das in Sent fehlende Wellnessangebot wird man im nahen Scuol mit dem Bogn ­Engiadina umso umfassender ­bedient.

Villa Flor, S-chanf: Bohème-Flair statt Alpin-Chic

Der Kunstambiance in der Pen­siun Aldier kann die Villa Flor in S-chanf noch eins draufsetzen: Nach dem puristisch-akkuraten Gentleman’s Club das verspielt-versponnene Refugium der Ladina Florineth. Sie hat auserlesenen Geschmack. Und Mut zur Farbe: Jedes Zimmer ist anders gestrichen; da gibt es grünes, blaues oder rotes Täfer – klar, aber gediegen, in Corbusier-Farben. Vorhandene Preziosen wie Kachelöfen wurden mit Vintagemöbeln und Retrolampen aus den Sechzigern ergänzt. Überall wird gekonnt mit einem Mix & Match gespielt: Feine Stoffe von Kenzo hier, markante Schottenkaros da; skandinavischer Fiftiesstil am Empfang kokettiert mit Louis Philippe im Esszimmer. Ihre Trouvaillen hat sie persönlich auf Flohmärkten und Secondhand-Shops in Zürich und Paris auf­gestöbert. Ein souveräner, entspannter Bohème-Chic, der sich wohltuend vom angestrengten Alpin-Chic so mancher «neumödiger» Lifestyle-Hotels abhebt.

S-chanf kennt man im Sommer als Ausgangspunkt für den Nationalpark und im Winter als Ziel des Engadin-Skimarathons. Langlauf und Schneeschuhlaufen sind denn auch die prädestinierten Aktivitäten in der näheren Umgebung des stillen Dorfes. Die Villa Flor ist ein grosser Lichtblick in der Infrastruktur von ­S-Chanf, nachdem das letzte Hotel geschlossen hat.

Preise Gasthaus Krone:185 bis 430 Fr. (www.krone-la-punt.ch). Pensiun Aldier: 256 bis 394 Fr. (www.aldier.ch). Villa Flor: 220 bis 440 Fr. (www.villaflor.ch). Jeweils pro Zimmer und Nacht für zwei Personen inklusive Frühstück.

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