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Vom Elfenbeinturm in den Kinosaal

Susan Thieme ist Professorin für Kritische Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Bern. Sie hat das Global Science Film Festival in die Bundesstadt geholt.

Ein Film über die erste «Giraffologin» Anne Innis Dagg: «The Woman Who Loves Giraffes» wird am Samstagabend gezeigt. Fotos: PD
Ein Film über die erste «Giraffologin» Anne Innis Dagg: «The Woman Who Loves Giraffes» wird am Samstagabend gezeigt. Fotos: PD

Frau Susan Thieme, die Stadt Bern ist nicht arm an Filmfestivals. Weshalb braucht es da das Global Science Film Festival?

Für mich gibt es nie ein zu viel an Angeboten. Die Frage ist nur, welche Themen bespielt werden. Und da brauchte es meiner Meinung nach noch eines, in dem Forschung, Wissenschaft und politisch engagierte Filme im Vordergrund stehen. Das gab es so noch nicht.

Wen wollen Sie mit diesem Konzept ins Kino locken?

Ich möchte, dass die Universität Bern sich für ein breites Publikum in Bern öffnet und zeigt, was wir machen, was für Leute bei uns zu welchen Themen arbeiten. Von aussen haben viele immer noch den Eindruck, wir, an der Universität Bern, sässen in einem Elfenbeinturm.

Susan Thieme, Direktorin des Global Science Film Festival in Bern und Professorin für Kritische Nachhaltigkeitsforschung
Susan Thieme, Direktorin des Global Science Film Festival in Bern und Professorin für Kritische Nachhaltigkeitsforschung

Ein Filmfestival kann das ändern?

Ich finde, Film ist ein optimales Medium dafür, unterschiedliche Leute zusammenzubringen. Ich habe nächtelang mit Freunden und Bekannten über einen Film diskutiert, den wir gemeinsam geschaut hatten. Jeder Zuschauer hat seinen eigenen beruflichen und fachlichen Hintergrund, aus dem sich dann eine spannende Diskussion entfalten kann.

Wie soll das gelingen?

Wir zeigen Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit Themen beschäftigen, die wir auch in der Forschung bearbeiten. Die Idee ist, dass wir nicht nur den Film schauen, sondern danach auch eine moderierte Diskussion mit den Filmschaffenden, jemandem aus der Forschung und dem Publikum führen.

Die meisten Filme und die anschliessenden Diskussionen sind nur in Englisch.

Drei Filme sind deutsch unter­titelt. Die Kurzfilme sind zum Teil auf Deutsch. Uns ist bewusst, dass wir einen Teil des Publikums nicht ansprechen. Aber die meisten Filmschaffenden reden halt nicht Deutsch. Wir haben diskutiert, ob wir die anderen Filme untertiteln und die Gespräche simultan übersetzen lassen wollen. Aber wir konnten uns das schlicht nicht leisten. Vielleicht machen wir das im nächsten Jahr. Dafür wünschen wir uns engagierte Sponsoren. Aber das Publikum ist ja nur das eine.

Was ist das andere?

Mir geht es auch darum, andere Formate an die Universität zu bringen. Ich möchte den Studierenden und uns Forschenden die Möglichkeit bieten, neue Dinge auszuprobieren. Etwa zu lernen, was es heisst, Wissenschaft zu kommunizieren. Filme können da helfen.

Und wie?

Forschende und Studierende können lernen, wie man ein komplexes Thema auf das Wichtigste reduziert und sich auf die Hauptaussage konzentriert. Im Vorfeld des Festivals hatten wir mit Filmschaffenden einen Filmmaking-Marathon, in dem wir probiert haben, Forschungsergebnisse in Kurzfilmen dar­zustellen, oder wir haben ver­glichen, wie Inhalte in wissenschaftlichen Publikationen und in politisch engagierten Filmen vermittelt werden.

Ist es nicht auch gefährlich,ein komplexes Thema auf Filmlänge herunterzubrechen?

Für uns ist der Film eher eine Erweiterung. Im Studium und in der Forschung erzeugen wir Komplexität, die wir dann wieder reduzieren müssen. Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen lernen, wie sie ihre Inhalte vermitteln, wie sie ihre Ergebnisse in eine Geschichte verpacken. Filme öffnen das Spektrum, sie sind visuell viel stärker, regen Gefühle und Gedanken an.

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