Zum Hauptinhalt springen

Trugbild in der weissen Wüste

Der amerikanische Fotograf und Multimediakünstler Doug Aitken präsentiert in Saanen eine Installation mit entgrenzender Wirkung: Ein verspiegeltes Haus steht wie eine Fata Morgana in der Landschaft und spiegelt diese.

Der amerikanische Fotograf und Multimediakünstler Doug Aitken präsentiert in Saanen seine Installation.
Der amerikanische Fotograf und Multimediakünstler Doug Aitken präsentiert in Saanen seine Installation.
Christian Pfander
«Mirage Gstaad» heisst das Werk.
«Mirage Gstaad» heisst das Werk.
Christian Pfander
Wer betrachtet hier wen?
Wer betrachtet hier wen?
Christian Pfander
1 / 5

Eine Delegation von Medienleuten und exklusiven Gästen marschiert durch eine Schneewüste in der Nähe von Schönried. «I am so excited», sagt ein Amerikaner zum wiederholten Mal. Das Ziel ist nicht mit dem Auto zu erreichen. Damen in schicken Moonboots und Herren in fellbesetzten Parkas trotzen dem Schneegestöber. Es lohnt sich.

Plötzlich steht man vor einem verspiegelten Haus, in dem sich die typische Landschaft des Saanenlands spiegelt. Das einsame, verschneite Chalet erzeugt einen «Haus im Haus»-Effekt. Ein surrealer Moment, der einem Wanderer, der zufällig vorbeikommt, wohl noch stärker einfahren dürfte. Das muss eine Fata Morgana sein!

Kunst mit Sogwirkung

«Mirage Gstaad» heisst das Werk des US-Künstlers Doug Aitken. Dieser Shootingstar der Gegenwartskunst ist bekannt für seine oftmals ortsspezifischen Installationen, die Zeit und Raum, innen und aussen miteinander verschmelzen und so die Sehgewohnheiten des Betrachters herausfordern.

Aitken wurde 1968 in Redondo Beach geboren. Er hat am Art Center College of Design in Pasadena studiert. Seit den 1990er-Jahren entstehen seine Installationen aus Bildschirmen, Video-Feeds und Sounds, die das Publikum miteinbeziehen. Landschaften, Architektur und Hollywoodstars wie Tilda Swinton oder Chloë Sevigny sind Elemente, die Aitken in seinem Œuvre einsetzt.

Von der Wüste

Im Werk «Diamond Sea» von 1997 setzte der Künstler zerfallene Diamantenminen in der Namib-Wüste in Afrika anhand einer Mehrkanal-Videoinstallation mit der Natur in Beziehung. Im Saanenland hat er nun eine Landschaft mit ähnlich hohem Exotikfaktor gefunden. Das sei doch auch eine Wüste hier. «Eine weisse Wüste», sagt der Künstler. Im Schneegestöber beantwortet er geduldig die Fragen von aus Paris und Deutschland angereisten Journalisten und posiert für Fotografen. Währenddessen erkunden die Besucher das Innere des Werkes aus Holz, Stahl und Aluminium, in dem man sich mehrfach spiegelt und durch Fenster Ein- und Ausblicke auf die Landschaft erhält.

Der Titel «Mirage» bedeutet so viel wie «Luftspiegelung» oder «Erscheinung». «Es geht mir um Transformation», sagt Aitken. Der Betrachter solle seine traditionelle Rolle als Voyeur verlassen und stattdessen selbst Teil des Kunstwerkes werden. Das stark reflektierende Haus selbst wiederum verschwinde beinahe im Schnee. Das Werk wird zwei Jahre bestehen bleiben und dabei je nach Jahreszeit und Witterung eine sehr unterschiedliche Wirkung entfalten.

Performances und Konzerte

Eingeladen wurde Aitken von der Luma Foundation im Rahmen der bereits zum dritten Mal stattfindenden Ausstellung «Elevation 1049». Das Kuratorenteam besteht aus Olympia Scarry und Neville Wakefield. Die in New York lebende Scarry wurde 1983 in Genf geboren und ist die Enkelin des Kinderbuchautors Richard Scarry, der in den Siebzigerjahren in Gstaad sein Studio gegründet hatte. Für die Kuratorin bedeutet «Elevation 1049» also eine Art Rückkehr.

Die Luma Foundation lässt den Kuratoren freie Hand. Dieses Jahr steht unter dem Motto «Frequencies» die Performancekunst im Mittelpunkt. Während des ganzen Wochenendes wird Gstaad zur Spielwiese für Experimente. Unter anderem wird die französische Künstlerin Dominique Gonzales-Foerster im legendären Gringo Club im Palace Hotel ein LiveKonzert geben. Alte Chalets, der Flughafen und die Lobby des Hotels Alpina Gstaad werden zu Schauplätzen der Kunst. Den Schlusspunkt bildet am Sonntagabend ein Gespräch mit Doug Aitken.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch