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Der Allergrösste

Robbie Williams (42) ist wieder da: Das Album «The Heavy Entertainment Show» knüpft da an, wo die Karriere des einst gescheiterten Boygroup-Sängers begann.

Liebt sein Leben: Robbie Williams, Entertainer.
Liebt sein Leben: Robbie Williams, Entertainer.
zvg

Er wurde belächelt, totgeschrieben und wieder hochgejubelt. Er war mal der Bad Boy von Take That, hat laut eigenen Angaben mit vier von fünf Spice Girls geschlafen. Später hat er den Swing entdeckt, geheiratet und ist Vater geworden.

Seine Verjüngungsversuche, seine Gemüts- und Gewichtsschwankungen bekommen so viele Schlagzeilen wie sonst nur jene von weiblichen Prominenten. Mit dem Unterschied, dass Robbie Williams sie selbst befeuert: Er spricht offen über seine Botoxversuche («Ich kann meine Stirn nicht mehr bewegen!»), seine früheren Exzesse, seine Eitelkeit («Ich liebe es, nach mir selbst zu googeln!») und darüber, dass er mittlerweile ein ganz Braver ist. Nur sein Ziel ist bei all den Hochs und Tiefs immer das Gleiche geblieben: Der grösste, ach was, der allergrösste Entertainer in der Geschichte der Menschheit zu sein.

Genervte Russen

Es ist diese Gier nach Hits, verbunden mit Schnoddrigkeit und Selbstironie, die Robbie Williams schon immer ausmachte. Sein elftes Album, das morgen erscheint, heisst «The Heavy Entertainment Show» – und das ist es auch. Nach den elf Songs weiss man vor lauter Entertainment nicht mehr, wo oben und wo unten ist.

Nach stilvollen Swingnummern, wie sie Robbie Williams noch auf den Alben «Swing When You’re Winning» (2001) und «Swing Both Sides» (2013) darbot, gehts nun wieder ans Klotzen. Es werden grosse Töne gespuckt und Russen veräppelt: «Party Like a Russian», der zweite Song auf dem Album, besingt der Russen Fähigkeit, exzessiv zu feiern, und nimmt deren Tanzstil auf die Schippe. Solche Partys ­habe er miterlebt, lässt Williams verlauten. Das klischeepralle, aber harmlose Video zum Song stiess einigen russischen Medien sauer auf. Manche witterten gar eine versteckte Putin-Kritik.

Seis drum: Es gibt auf dem Album sowieso bessere Songs als «Party Like a Russian». Zum Beispiel das Titelstück «The Heavy Entertainment Show»: Wuchtige und zarte Passagen wechseln sich ab, Ironie im Überfluss und dann dieser überzogene, fast musicalartige Refrain, den man nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Oder «Motherfucker». Den hat Robbie Williams seinem Sohn Charlie (2) gewidmet, oder genauer: dessen zukünftigem 13-jährigem Ich. Es geht um einen Drogen dealenden Onkel, um verrückte Mütter und darum, jede Menge Unsinn zu veranstalten.

Die Songs entstanden gemeinsam mit dem «zurückgekehrten» Guy Chambers. Letzterer war bereits für Williams-Hits wie «Angels», «Let Me Entertain You» und «Feel» mitverantwortlich und soll den Kahn Robbie wieder ganz nach vorne navigieren. Es könnte ihm sogar gelingen.

Abgestandene Hymnen

So gibt es wieder mehr Tanzbares, mehr Überdrehtes auf diesem ­Album. Aber auch Ironiefreies: «I am powerful, I am beautiful, I am free», singt der 42-Jährige in «I love My Life». Das Lied, das ein bisschen klingt wie Abgestandenes von Take That, ist Williams’ Familie gewidmet. Da ist er wieder, der Brave. Wirklich überzeugen kann er damit musikalisch aber nicht. Der Allergrösste ist er immer dann, wenn er so tut, als würde er sich tatsächlich für den Allergrössten halten.

Robbie Williams:«The Heavy Entertainment Show», Sony.

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