«Meine Mutter ist cooler als ich»

Sarah Jane Adams zieht sich gern bunt an. Ein knallgelbes Kleid, Haarschmuck, eine rote Adidas-Jacke. Als ihre Tochter ein Foto der «coolen» Mama auf Instagram stellt, wird die 62-Jährige rasch zur Stilikone.

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Eigentlich handelt Sarah Jane Adams mit antikem Schmuck. Auch in ihrem Kleiderschrank finden sich ältere Modelle, denn Adams schmeisst nicht gern Sachen weg. «Ich trage auch noch Klamotten, die ich mit 18 oder 19 anhatte», sagt sie. Adams war schon immer ein Freigeist. In Grossbritannien geboren, ist die heute 62-Jährige viel in Asien gereist, bis sie sich schliesslich in Australien niederliess.

Ihr Kleidungsstil reflektiert ihr Leben: Da gibt es bunte Saris, Camouflage-Hosen, pink Mützen, asiatisch anmutende Kleider und Blusen und Röcke, die an frühere Epochen erinnern. Und dazwischen sticht immer wieder die inzwischen berühmte rote Adidas-Jacke hervor, mit der alles anfing. «Das war alles ein grosser Zufall damals», erinnert sie sich. «Jemand kam zu Besuch, als ich meine rote Vintage-Adidas-Jacke trug, und machte eine sarkastische Bemerkung.»

Mode gewürzt mit Humor

Ihr Mann, der Fotograf ist, knipste daraufhin ein Bild von ihr, das ihre Tochter später unter dem Hashtag «Meine Mutter ist cooler als ich» verlinkte. Ari Seth Cohen, ein US-Blogger, der über ältere Frauen und ihre Mode schreibt und sie fotografiert, wurde auf Adams aufmerksam und ver­öffentlichte 2014 erste Bilder. Das brachte den Stein ins Rollen: Interviews und erste Foto­shootings folgten.

«Ich bin aber insofern anders als viele der amerikanischen Frauen, die er fotografiert, als ich ja einfach nur die Klamotten trage, die ich immer schon getragen habe», meint Adams. Nach ihren ersten Erfolgen auf Cohens Seite stellte sie immer mehr Fotos auf ihre eigene Instagram-Seite. Heute zeigt sie im Prinzip ihr tägliches Leben und führt dabei ihre kunterbunte Mode vor, gewürzt mit einer Portion Humor. Und das kommt an: Heute hat sie über 155 000 Follower und arbeitet als Model – ein Beruf, den sie mit 60 Jahren neu gestartet hat.

Mit der Putzfrau verwechselt

Vor wenigen Wochen trat Adams bei der Modenschau eines der führenden australischen Kaufhäuser auf und bewies dort erneut ihren Humor. Denn kaum dort angekommen, hielt man sie zunächst für die Putzfrau und nicht für eines der Models, ein Erlebnis, das sie gleich mit ihren Instagram-Fans teilte und danach verschmitzt fragte: «Vielleicht bin ich das ja auch? Auf alle Fälle liebe ich Putzen.» Und schickte einen Gruss an sämtliche Putzfrauen und -männer im Land hinterher. Diese Leichtigkeit und – wie sie selbst sagt – ihr Glaube daran, dass «immer ein neues Abenteuer um die Ecke ist», sind es, was viele ihrer Fans begeistert. «Ich habe mir nie Sorgen über mein Alter gemacht, habe nie in eine Pensionskasse eingezahlt», erzählt sie. Trotzdem sei sie heute finanziell unabhängig.

Auf ihrer Website schreibt Sarah Jane Adams: «Ich finde Altern kein bisschen schwierig.» Im Gegenteil begrüsse sie es sogar. «Für mich bedeutet es eher, den Fakt zu akzeptieren, dass mein Körper ein Vehikel ist, um Dinge zu tun.»

Ruhestand nicht in Sicht

«Im Inneren bin ich nicht anders, als ich mit 14 Jahren war», sagt die 62-Jährige. Klar, habe sie heute mal ein wundes Knie und fühle sich deswegen beim Aufstehen wie 150. «Oder ich sehe mein Bild in einem Spiegel und denke, wer ist denn die alte Frau – und dann bin ich das selbst.» Aber letztlich sei Alter nur eine Zahl. Falten schminkt sie deswegen nicht weg. «Ich trage aber immer Lippenstift», lacht sie und witzelt: «Sonst sehe ich wie der Tod aus, nur aufgewärmt.»

Ein Lieblingsalter hatte Sarah Jane Adams nie. Auch der Jugend trauert sie nicht hinterher. «Ich lebe in der Gegenwart. Das finde ich wichtig», sagt sie. Die Ver­gangenheit könne man ohnehin nicht mehr verändern. Und für die Zukunft Pläne machen liege ihr auch nicht. «Ich sage ganz sicher nicht, ich werde in drei Jahren in Ruhestand gehen», sagt sie lachend. «Niemals.»


Info: saramaijewels.com. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 16:39 Uhr

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