Zu verkaufen: Fitness-Jahresabo

Januarloch-Kalender

Sie haben Ihren guten Vorsatz fürs neue Jahr bereits gebrochen? Kein Problem. Fassen Sie sich einen neuen – oder ein Herz: Wozu eigentlich diese Selbstkasteiung?

Den guten Vorsätzen zum Trotz: Nicht jeder innere Sauhund braucht überwunden zu werden. Foto: iStock

Den guten Vorsätzen zum Trotz: Nicht jeder innere Sauhund braucht überwunden zu werden. Foto: iStock

Michael Feller@mikefelloni

Der Januar ist der härtesteMonat von allen. Klar, es hat gewisse Lichtblicke. Die Tage werden, zaghaft, länger. Die Schneemengen grösser, zumindest in höheren Lagen. Und er ist ja schon halb um. Aber zuallererst ist der Januar der Monat der Selbstkasteiung und der Strenge. Neues Jahr! Jetzt will ich ein besseres Leben führen. Bewusster in den Tag gehen. Gesünder essen. Endlich Sport. Haben Sie auch ein Jahresabo für die Folterkammer gelöst?

Die Fitnessstudios strampeln sich dieser Tage ab wie ihre Kundschaft auf dem Ergometer. Wer lockt die vorsätzlich motivierten Neukunden? Die Rabatte sind beachtlich. Bis zu einem Monat kann jetzt gratis trainieren, wer danach ein Jahresabo kauft. Eine Umfrage bei Fitnessstudios in der Region zeigt: Der Januar ist der Einsteigermonat schlechthin – noch vor dem Dezember, da beginnen ein paar Voreilige schon mal mit dem besseren Leben.

Alle anderen widmen sich über die Festtage ja erst einmal der Völlerei. Um danach das Bedürfnis zu verspüren, sich ihres protestantischen Ethos gewahr zu werden: Wer mehr leidet, hat mehr vom Leben, wer verzichtet, gewinnt.

Weil aber schonin der Heiligen Schrift steht, dass der Geist zwar willig, das Fleisch aber schwach ist, holen selbst bibelfeste Zwinglianer alsbald die inneren Widersprüche ein. Oder die Widerstände. Und schon ist er gebrochen, der gute Vorsatz.

Und nun, was tun? Der Fall ist eigentlich klar: Eine Ersatzhandlung muss her. Sonst fühlt man sich schon in den ersten Tagen des Jahres schlecht. Sie hassen Sport? Dann geht esIhnen sicher besser, wenn Sie stattdessen einfach tun, wasIhnen Spass macht. Eine Kollegin tanzt jetzt Flamenco. Für unsereins wäre das Folter auf Spanisch. Für sie ist es ein wohltuender Ausweg aus dem schlechten Gewissen.

Und falls es auch mit dem Ersatzvorsatz nicht hinhaut, hilft nur ausharren – und Einsicht: Das schwache Fleisch wird wohl Gründe haben, sich nicht vom ach so willigen Geist in die Pfanne hauen zu lassen. Nicht jeder innere Sauhund braucht überwunden zu werden. Vielleicht vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie richtig liegen,indem Sie Ihre Nase an einFitnessstudio-Schaufenster kleben und die geschundenen Leiber bemitleiden.

Alles Gute kommt von oben. Mit den ersten Frühlingsgefühlen wird sich auch die Strenge mit einem selbst verflüchtigen. Bis dahin lohnt es sich, sich auch mal was zu gönnen. Oder einfach nichts zu tun. Oder das Fitnessabo loszuwerden. Das allerdings gestaltet sich schwierig. Sie haben einen Vertrag ohne Aussichten auf Ausstieg unterschrieben.Immerhin: Wenn Ihr Fitnessstudio sehr kulant ist, besteht die Chance, dass Sie Ihr Aboauf jemanden überschreiben, der gewillt ist, an Ihrer Stelle ein besserer Mensch zu werden. Halleluja!

O Januar: Nach dem hellen und konsumintensiven Dezember ist man übersättigt und pleite. Im Januarloch-Kalender finden Sie täglich eine Idee, wie man aus weniger mehr machen kann.

Berner Zeitung

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