Energiebedarf um die Hälfte senken

Energie wird knapper und teurer. Mit einfachen und wirksamen Massnahmen kann der Energiebedarf eines neuen Heims um die Hälfte gesenkt werden. Noch grösser ist das Sparpotenzial bei Altbauten.

Eine populäre, leicht verständliche Kennzahl zur Messung des Energieverbrauchs von Häusern sind Heizöläquivalente. Christoph Gubser von der Energieberatungsstelle Emmental sagt: «Alte Häuser verbrauchen oft 20 Liter Heizöläquivalente pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche.» Bei 120 Quadratmetern Wohnfläche und wenn tatsächlich Öl zum Beispiel zum Preis von 80 Rappen pro Liter verbrannt wird, kann dies ganz schön teuer werden. Verschärfte GrenzwerteDie Kantone wollen aber der Energieverschwendung Einhalt gebieten; die neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) gestatten noch einen Verbrauch von 4,8 Heizöläquivalenten. Kantone wie Bern und Solothurn haben diese Vorgaben bereits übernommen, der Kanton Freiburg wird die Grenzwerte 2010 verschärfen. Die Zahlen gelten für Neubauten und sind zwingend einzuhalten, wenn sie einmal Eingang in die kantonalen Gesetze und Verordnungen gefunden haben. Doch angesichts der grossen Fortschritte der Technik ist es heute keine grosse Kunst, den Energieverbrauch sogar noch tiefer zu senken. Das Minergie-Label, das seine Grenzwerte auch nach unten revidierte, schreibt für Neubauten einen Wert von 3,8 vor, das noch schärfere Label Minergie-P gar von nur 3 Litern Heizöläquivalente. Wichtigste Massnahmen sind gute Wärmedämmungen und sehr gute Fenster. Minergie-Häuser sind zudem in der Regel mit einer automatischen Lüftung auszustatten. Franz Beyeler, Geschäftsführer von Minergie, sagt, warum: «Ein gut isoliertes Gebäude muss kontinuierlich entlüftet werden, damit zum einen der Luftaustausch gewährleistet ist, zum anderen um Feuchtigkeit abzutransportieren.» Baufirmen schätzen die Mehrkosten für Minergie bei einem Einfamilienhaus auf rund 40000 Franken. Eine gute Wärmedämmung sowie die Lüftung machen sich aber innerhalb kürzester Zeit durch tiefere Energiekosten bezahlt. Wichtig ist aber: Bei einem Neubau müssen die entsprechenden Zielsetzungen von Anfang an in die Planung einfliessen. Aus Konsumentensicht muss man sich im Klaren sein, dass auch viele Trittbrettfahrer auf den Zug Energiesparen aufspringen. Begriffe wie «Klima-», «Öko-» oder «Energiesparhaus» sind weder klar definiert noch geschützt. Der Energieberater Christoph Gubser betont: «Klar definiert und geschützt ist nur das Minergie-Label.» Der Anteil der mit Minergie zertifizierten Neubauwohnungen wird auf etwa 20 Prozent geschätzt. Architekten, die umfassend von Nachhaltigkeit und Bauökologie sprechen, halten dem Label aber vor, Aspekte wie Mobilität, Baubiologie und Nachhaltigkeit zu wenig zu berücksichtigen. In der Tat sind noch etliche andere Arbeits- und Planungsinstrumente zu nennen, die durch und durch auf der Linie einer nachhaltigen Entwicklung sind. Etabliert ist etwa die SIA-Norm (Schweiz. Ingenieur- und Architektenverein) zur Nachhaltigkeit im Hochbau; sie kommt aber nur zur Anwendung, wenn sie für ein Bauprojekt ausdrücklich vereinbart wird. Vor allem bei Grossprojekten taucht auch das Schlagwort der 2000-Watt-Gesellschaft auf; hier geht es um die weit gefasste Vision, den gesamten (Primär-) Energieverbrauch pro Kopf zu reduzieren. Franz Beyeler von Minergie hält dem entgegen: «Unser Label Minergie-P ist genau der richtige Ansatz, um das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft im Bau konkret umzusetzen.» Im Übrigen habe man mit dem Label Minergie-Eco noch ein weiteres Modell geschaffen, das ausdrücklich auch Vorgaben in Sachen Gesundheit und Bauökologie umfasse. Potenzial bei SanierungDer Umbruch in der Neubauszene ist also mit Händen zu greifen, während bei der energetischen Sanierung noch vieles im Argen liegt. Energieberater Gubser hält fest: «Die Mehrheit der bestehenden Häuser weist Werte von 12 Litern und mehr auf.» Ausserdem müssen die Fachleute in der Praxis immer wieder feststellen, dass Liegenschaftsbesitzer nicht in allen Punkten wissen, was Sache ist. «Vielen ist auch nicht geläufig», so Gubser, «dass bei grösseren Sanierungen heute ebenfalls ein Energienachweis verlangt ist.» Wer also den Fensterbauer bestellt und auch gleich die Fassade saniert, muss mit einer Berechnung nachweisen, die gesetzlichen Vorgaben für Sanierungen einzuhalten. Davon ausgenommen sind nur sogenannte «Pinselrenovationen» – wenn man es also damit bewenden lässt, die Küche zu erneuern, und die Wände neu streicht. Günstige BeratungDie regionalen Energieberatungsstellen sind ideale Anlaufstellen für Hausbesitzer und Bauherrschaften, um sich beraten zu lassen. Die Beratungen am Telefon, per E-Mail oder in der Sprechstunde sind in der Regel kostenlos. Selbst ein Besuch vor Ort ist möglich – im Kanton Bern zu bescheidenen Kosten von zum Beispiel 100 Franken bei einem Einfamilienhaus. Diese Beratungen haben den Vorteil, dass sie fachlich fundiert und doch firmen- und produktneutral sind. Es gilt die Devise: Wenn schon umbauen, dann richtig. Vor allem leisten die Beratungen einen Beitrag, um die ärgsten Planungssünden von vornherein zu vermeiden: Geld verschleudert, wer erst einmal die Heizung ersetzt, die Fassade aber am Nimmerleinstag an die Hand nimmt. Denn vielleicht hätte es von Anfang an eine kleiner dimensionierte Heizung getan, wenn man auch gleich die Fassade nach dem Stand der Technik verbessert hätte. Ausweis schafft KlarheitWie sehr das Thema Bau und Energie im Umbruch ist, zeigt auch die bevorstehende Einführung eines Energieausweises für Häuser. Derzeit laufen die Vorbereitungen der Kantone auf Hochtouren; auch wenn dieser Ausweis vorerst freiwillig bleibt, zweifelt niemand an seiner Wirksamkeit; dieser Ausweis ähnelt der Energieetikette von Haushaltgeräten. Käufer von Liegenschaften, aber auch Mieter werden auf Grund dieses Papiers Auskunft über den Energieverbrauch einfordern. Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes: «Ich bin sicher, dass dies Wirkung entfalten wird. Wenn ich zum Beispiel Mieter wäre, würde ich auch nach dem Gebäudeausweis verlangen.»

Berner Zeitung

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