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«Die Suche nach Innovationen ist teuer»

Alfredo Häberli (45) ist der bekannteste Designer der Schweiz. Im Interview erklärt der gebürtige Argentinier, warum Design zwar Luxus ist, es aber nicht sein sollte.

Designer Alfredo Häberli: «Ich spüre keine Krise. Denn ich bin kein Star-Designer und auch kein Trendsurfer.»
Designer Alfredo Häberli: «Ich spüre keine Krise. Denn ich bin kein Star-Designer und auch kein Trendsurfer.»
Stefan Jermann
Stefan Jermann
Mesa für Schiffini«Das Thema von Mesa war, die Küche als die Seele des Hauses zu begreifen. Sie orientiert sich an der Idee, dass die Küche von einem repräsentativen Ort zu einer eigentlichen Werkstatt wird.»
Mesa für Schiffini«Das Thema von Mesa war, die Küche als die Seele des Hauses zu begreifen. Sie orientiert sich an der Idee, dass die Küche von einem repräsentativen Ort zu einer eigentlichen Werkstatt wird.»
Stefan Jermann
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Herr Häberli, seit Millennium haben Sie jedes Jahr einen internationalen Design-Preis gewonnen. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für Sie?

Soll ich ganz ehrlich sein? Solche Auszeichnungen sind zwar schön und gut fürs Image, aber für mich persönlich sind sie nicht wichtig. Ich habe mich nur als Student selber mit einer Arbeit bei einem Wettbewerb beworben. Heute entspricht das nicht mehr meiner Persönlichkeit, meinem Stil.

Apropos Stil: Kürzlich gewannen Sie auch den erstmaligen Style Award von Herrenausstatter PKZ. Sind Sie besonders eitel? Nein, besonders eitel bin ich nicht. Aber ich habe mich schon seit meiner Kindheit für Mode interessiert. Da ist es ja nur logisch, dass man sich als Designer bei der eigenen Kleidung auch Gedanken macht. Und offenbar gefällt mein Kleidungsstil vielen Leuten. Zudem ist das internationale Modebusiness auch heute noch eine der wichtigsten Inspirationsquellen für mich.

Das klingt fast wehmütig. Wären Sie lieber Modedesigner geworden? Auf gar keinen Fall! Stellen Sie sich vor: Modedesigner müssen 4-mal pro Jahr eine völlig neue Kollektion erarbeiten. Das ist ein ungeheurer Druck. Dem möchte ich nicht ausgesetzt sein. Da produziere ich doch lieber alle zwei Jahre einen neuen Stuhl. . .

Trotzdem, müssen nicht auch Ihre Entwürfe und Objekte modisch sein? Nein, das müssen sie nicht. Design sollte meiner Meinung nach nicht modisch sein. Denn Mode ist vergänglich und kurzlebig – das passt nicht zu mir.

Wie würden Sie denn Ihre Arbeiten persönlich bezeichnen? Am liebsten mit zeitgemäss. Mich interessiert die Verbindung von Tradition und Innovation sowie Witz und Neugierde in meinen Entwürfen.

Im Duden-Synonymwörterbuch wird zeitgemäss mit «aktuell, angesagt, auf dem neusten Stand, auf der Höhe der Zeit» umschrieben. Passt das? Ich denke schon. Der Ausdruck «auf der Höhe der Zeit» hat beim Design vor allem mit der Technik zu tun. Viele Dinge aus dem alltäglichen Leben können wir heute schöner gestalten, weil die Technik kleiner geworden ist. Solche Entwicklungen ermöglichen neuen Freiraum bei der Gestaltung.

Zeitgemäss heisst aber auch, der Zeit entsprechend. Wir stehen, hoffentlich, am Ende einer Wirtschaftskrise. Heisst das, dass das aktuelle Design eher trist und pessimistisch ist? Ich glaube nicht, dass man so eine Krise einem Objekt von aussen ansieht. Denn pessimistisches Design gibt es nicht. Aber das Design ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sicher weniger spektakulär. Vor allem wegen der Produktionskosten und dem Risiko.

Apropos Krise. Spüren Sie die? Nein, überhaupt nicht. Das hat auch damit zu tun, dass ich kein Star-Designer bin und auch kein Trendsurfer . . .

. . . sondern . . . . . . ein Industrie-Designer.

Eher Handwerker oder Künstler? Kunsthandwerker. Mein Ziel ist es, möglichst vielen Leuten mit meinen Arbeiten den Alltag zu verschönern.

Und Sie waren nie neidisch auf Maler oder Bildhauer, deren Werke in New York oder London in einer berühmten Galerie hängen oder stehen? Nein, wirklich nicht. Ich empfinde mehr Befriedigung, wenn jemand herausfindet, dass er seit Jahren bequem und zufrieden auf einem Stuhl von mir sitzt. Das ist doch viel schöner, als zu wissen, dass nur ein paar Privilegierte meine Arbeit anschauen können.

Was bedeuten Ihnen solche Begegnungen mit Endkunden? Sie sind für mich wie ein Oscar für einen Regisseur oder Schauspieler: die höchste Wertschätzung!

Allerdings können sich heute nur noch wenige Leute echte Designobjekte kaufen. Denn Design ist Luxus. Leider. Auch wenn es die ursprüngliche Idee von Design ist, Industrieprodukte allen zugänglich zu machen, hat es sich in die andere Richtung entwickelt. Heute arbeiten wir höchstens für 10 Prozent der Leute. Die anderen können sich Design nicht leisten.

Wieso das? Fortschrittliches Design ist teuer, weil wir immer auf der Suche nach Innovationen sind. Dieser Prozess verlangt nach viel Zeit und Investitionen.

Und welchen Luxus leisten Sie sich ganz persönlich? Mein grösster Luxus ist es, davon zu leben, was ich am liebsten mache. Das ist ein Privileg, und dafür bin ich dankbar. Zudem lebe ich mit meiner Familie in einer der attraktivsten Städte der Welt, fahre einen wunderschönen Audi A5 Coupé und leiste mir wöchentlich einen freien Abend im Restaurant mit meiner Frau. Und ich hoffe, dass diese Freude und Zufriedenheit auch in Zukunft in all meinen Arbeiten zu spüren ist.

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