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Was in der DDR chic war

Eine Ausstellung zeigt, wie sich Frau im sozialistischen Staat kleidete – und sich dem Kleiderzwang der Führung widersetzte. Besonders die Jeans war der Partei ein Dorn im Auge.

Modenschau im Ringmessehaus Leipzig vor der Staatsführung (1967).
Modenschau im Ringmessehaus Leipzig vor der Staatsführung (1967).
Rainer Dorndeck
Den Bedarf nach Jeans versuchte die DDR mit eigenen Marken wie Boxer zu decken.
Den Bedarf nach Jeans versuchte die DDR mit eigenen Marken wie Boxer zu decken.
Keystone
Foto aus einer Frauenzeitschrift.
Foto aus einer Frauenzeitschrift.
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Die Ausstellung zeigt typische Kleidungsstücke, Accessoires, Modeentwürfe, Modezeitschriften und Modefotos. Die Massenware vom Staat, meist aus Kunstfasern hergestellt, kommt in der DDR nicht immer gut an. Sogenannte Präsent-20-Anzüge und -Kleider ziehen Fäden und laden sich sogar statisch auf. Zu einem Klassiker werden hingegen die bunten, geblümten Kittel und Schürzen.

«Wir hatten tolle Institutionen, die ganz tolle Modeentwürfe gemacht haben, die dann leider – und das war dann die Wirklichkeit – nicht umgesetzt wurden», sagt Katrin Sohl, Kuratorin der Ausstellung. Viele Frauen nähen sich deshalb ihre eigenen Kleider. Da werden schon mal Schlauchbinden verwendet, Einwickelhüllen der Farbfernseher mutieren zu T-Shirts, oder aus Arbeiterhosen werden Röcke geschneidert. Die Frauenzeitschrift «Sibylle», das Pendant zur «Brigitte» im Westen, wird dank den Schnittmusterbögen zum Verkaufsschlager.

Kampf der Jeans

Ein besonderes Kapitel in der DDR-Mode nimmt die Jans ein. Die Begeisterung der Jugend für das Produkt des «Klassenfeinds» wird von der Führung argwöhnisch beobachtet. «Aber auch die jungen Leute in der DDR wollten nun einmal wie James Dean aussehen. Die Jeans war auch ein Symbol für die Freiheit», sagt Sohl. Trotz aller Verbote lässt sich nicht verhindern, dass die Oma aus dem Westen das begehrte Produkt mitbringt. Und so wird die Hose langsam akzeptiert. 1974 wird sogar eine eigene DDR-Jeans lanciert, die aber eher wie ein Arbeitsanzug aussieht. Später entstehen Eigenmarken wie Boxer oder Goldfuchs. Die Qualität stimmt, doch für viele sind es halt doch keine echten Jeans. So kommt es, dass 1987 im grossen Stil West-Modelle importiert werden – und sich vor den Geschäften lange Warteschlangen bilden.

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