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Sags ihm durch die Blume

Rote Rosen für die Leidenschaft, Efeu für ewige Treue und Veilchen für Fruchtbarkeit: Welche Pflanze wofür steht, wissen nur wenige Bräute, die vor den Traualtar treten.

Weisse Pfingstrosen waren es bei Roger Federers Braut Mirka, während sich Model Gisele Bündchen für weisse Orchideen entschieden hatte. Und Actrice Salma Hayek hielt einen Strauss weisser Rosen bei ihrer märchenhaften Hochzeit in Venedig in der Hand. Die internationale Prominenz bevorzugt am schönsten Tag auch bei den Blumen die Farbe der Unschuld und rund gebundene Bouquets.

Doch was tragen die Frauen, die hier zu Lande in den kommenden Monaten heiraten werden? Der beliebteste Hochzeitsmonat in der Schweiz ist übrigens der Juli, während der Mai erst an fünfter Stelle kommt. «Rosen», lautet die klare Antwort von Sandra Maarsen vom gleichnamigen Blumenladen im Berner Breitenrainquartier. «In Rot, Rosé und auch in Weiss, wobei oft sehr selbstsichere Frauen gerne Rot bevorzugen», so Maarsen.

Jeanne Struchen, Floristin bei «Alles Blume» an der Berner Thunstrasse, bindet zum Ja-Wort gerne Bouquets in Weiss-Grün, Weiss-Creme, Gelb-Weiss und Rosé. Farbe scheint bei Schweizerinnen Trumpf zu sein.

Wichtiges Accessoire

Wirtschaftskrise hin oder her – zur Grundausstattung einer Hochzeit gehört einfach ein anständiger Brautstrauss. Seine Geschichte geht bis in die Renaissance zurück. Damals erfüllte er vor allem einen praktischen Zweck. Körperhygiene war zu diesen Zeiten kein Thema, und die Blumen sollten durch ihren Duft für Wohlgeruch beim festlichen Anlass sorgen. Heute ist er einfach nur ein schmückendes Accessoire, das auch etwas kosten darf. «100 bis 150 Franken werden gerne dafür ausgegeben» , stellt Anne Weber von Secret Gardens an der Berner Kramgasse fest. Nicht ganz so viel dürfen die Blumen für den Gang auf das Zivilstandsamt kosten. «Der Schnitt liegt bei 60 Franken», sagt Tanja Gavran von Blumen Auraflor in Zürich.

Die Rose hält schon allein auf Grund ihrer Langlebigkeit den Platz an der Spitze. «Allerdings werden statt grossblütiger Edelsorten gerade im Sommer fein duftende Freiland- und Nostalgierosen gewählt», sagt Dorothee Bauland, Chefredaktorin der Zeitschrift «Florist». Auch die Calla erfreut sich grosser Beliebtheit. «Auf Grund ihrer herrschaftlichen Formen. Ausserdem riecht sie weniger stark als die Lilie, die mit ihren Staubgefässen das Kleid verschmutzen kann», weiss Gavran.

Lilien werden ebenso wie Gerbera gerne als Dekoration für Kirche und Auto verwendet. Je nach Saison kommen auch Ranunkeln und Bellis zum Einsatz, und als rankende Ergänzungen seien, so Bauland, auch Triebe von Passionsblume und Clematis gefragt. Auch Orchideen tauchen des öfteren in Brautsträussen auf. Pfingstrosen und Maiglöckchen sind nur teilweise beliebt, da ihre Saison sowie ihre Lebensdauer nur kurz sind. Und Abergläubische fürchten: Welkt bereits eine der Blumen, bevor das Brautpaar die Kirche verlassen hat, bedeutet das eventuell Unglück. Tulpen, obwohl sehr hübsch, kommen nie ins Bouquet. Sie wachsen zu schnell und könnten so die Optik des Strausses zerstören.

Opulenz ist out

Auch bei den Formen gibt es einen klaren Spitzenreiter. Den so genannten aufgelockerten Tropfen, der rund gebunden ist und dem ein paar abfliessende Ranken die Strenge nehmen. Aber auch die Kuppelform ist sehr beliebt und das Zepter hat seine Anhängerinnen. Passé sind dagegen erdrückende wasserfallartige Gestecke, wie sie in den 80er-Jahren verbreitet waren. Lady Di zeigte sich 1981 bei ihrer Hochzeit mit Prinz Charles mit einem derartigen Pflanzenungetüm. Out sind auch die strengen minimalistischen Gestecke der 90er-Jahre. «Die Devise lautet Natürlichkeit. Nur wenige verlangen noch nach Extras wie Tüll», sagt Jeanne Struchen. Doch dass jede Pflanze auch eine gewisse Symbolik hat, wissen nur noch wenige. «Die Frauen kaufen ihre Lieblingsblumen oder so, dass sie zum Kleid passen», beobachtet Maarsen.

Was Blumen bedeuten

Von der Rose dürfte noch bekannt sein, dass sie für die Liebe steht. In Weiss symbolisiert sie Unschuld, in Rot dagegen Begierde und Leidenschaft. Deshalb war sie lange bei Frauen, die vor den Traualtar traten, verpönt. Die Myrte galt früher als Blume der Bräute und durfte nie fehlen. Ihre feinen weissen Blüten zeugten von Unschuld, während ihre grünen Blättchen mit Hoffnung, Jugend und Geborgenheit verbunden wurden. Die junge Ehefrau war daher bemüht, das Myrtensträusslein als Zeichen dauerhaften Glücks lange aufzubewahren. Rosmarin stand für Treue und sollte mit seinem intensiven Duft böse Geister, die das Glück des jungen Paares stören könnten, vertreiben. Während das Veilchen auf Liebe und Fruchtbarkeit hinwies. «Alle drei Pflanzen werden aber kaum mehr verlangt», sagt Struchen.

Vergissmeinnicht, das mahnt, den Partner niemals zu vergessen, und Maiglöckchen, die für Glück und Ende allen Kummers stehen, blieben aber erhalten. Ebenso wie der Efeu, der als Zeichen unauflöslichen Zusammenhalts gilt, oder der Buchsbaum, aus dessen Holz Amors Pfeile geschnitzt sein sollen, die das Paar trafen. Orchideen dagegen gelten als Fruchtbarkeitssymbole. So tritt dann doch die eine oder andere Braut unbewusst mit einem ganzen Strauss positiver Symbole vor den Altar.

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