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Gilt das Recht auf Freitod in jedem Fall?

Die Straffreiheit sollte nicht dazu dienen, institutionelle Suizidhilfe zu ermöglichen.

Bei Ihrer Antwort auf die Frage, ob der Staat hungerstreikende Häftlinge sterben lassen darf – nein, sagen Sie –, kann ich Ihre Argumentation nicht nachvollziehen. Der Todkranke will das Leiden bis zu seinem Tod abkürzen. Der Gefangene, der den Tod wählt, hat eine schwierigere Wahl. Warum sollte er, im Gegensatz zu einem Todkranken, aber dazu kein Recht haben und vom Staat daran gehindert werden dürfen? Steht hinter Ihrer Antwort die moralisch (und nicht aufklärerisch) geprägte Ansicht, es stehe einem urteilsfähigen Menschen nicht zu, auch aus sehr individuellen und nicht für alle nachvollziehbaren Gründen den Freitod zu wählen? S. B.

Lieber Herr B. Mir leuchtet der Gegensatz zwischen «moralisch» und «aufgeklärt» nicht ein, von dem Sie auszugehen scheinen. Unaufgeklärt ist eine Moral dann, wenn sie sich einzig auf Autorität und Tradition beruft: Gott habe uns das Leben geschenkt, und niemand dürfe dieses Geschenk zurückweisen. Darum würden Selbstmörder ewig in der Hölle schmoren und dürften nicht in geweihter Erde begraben werden. Das alles meine ich nicht. Ich wüsste nicht, mit welchem Argument ich einem Menschen sein Recht auf Freitod absprechen könnte.

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