Zum Hauptinhalt springen

Denken Vegetarier inkonsequent?

Die Antwort auf eine Leserfrage, ob jemand, der Eier isst, auch Hühner essen muss.

Muss ein Meerschweinchenhalter seine Tiere verspeisen, um glaubwürdig zu sein? Foto: Urs Baumann
Muss ein Meerschweinchenhalter seine Tiere verspeisen, um glaubwürdig zu sein? Foto: Urs Baumann

Meine Frau ist der Meinung, Vegetarier seien inkonsequent: Wer Milchprodukte und Eier verspeist, sollte dann und wann auch Kuhfleisch und ein Suppenhuhn essen. Ich halte mit dem Argument dagegen, dass auch nicht jeder Reiter sein Pferd, ein jeder Meerschweinchenhalter am Ende sein Tier verspeist. Was sagen Sie zu der Haltung, Eier zu essen, aber Suppenhühner zu verschmähen? G. A.

Ich sage dazu, dass man mit der Moralisierung und Konsequentisierung der Essgewohnheiten und Ernährungshaltungen lieber etwas zurückhaltend sein soll. Und sich mit den Tieren freuen soll, wenn es Menschen gibt, die keine Kühe und Hühner essen, sondern nur deren Milchprodukte und Eier verspeisen.

Es mag ja durchaus sein, dass Vegetarier inkonsequent sind. Aber ich halte nichts von diesem Konsequenzfuror, der meistens nur dem Schurigeln von Leuten dient, die so unvorsichtig sind, mehr oder minder konsequent erscheinen zu wollen. Denn de facto dürfte es nicht besonders tragisch sein, wenn Vegetarier kein Suppenhuhn und keine Kühe verspeisen; es gibt immer noch genug (mich zum Beispiel), die das an ihrer Stelle tun.

«Wer A sagt, muss auch nicht immer B sagen.»

Das Argumentieren mit Konsequenz ist eine Spirale ohne Ende, die meist schon nach wenigen Schritten die Grenze zur Absurdität durchstösst. Wenn man schon Veganer ist, muss man auch auf Antibiotika verzichten. Oder finden Sie etwa, Bakterien hätten kein Recht auf Leben? Ja, ja, blablabla. Wenn das jeder täte oder nicht täte, ist kein überzeugendes Argument, weil das meiste im Leben eben nicht jeder tut oder nicht tut. Wer A sagt, muss auch nicht immer B sagen. Das meinen bloss die, die finden, man sollte erst gar nicht A sagen.

Für alle Fälle: Ein Meerschweinchen-Rezept

Nun aber für die ganz Konsequenten zum Schluss noch ein einfaches peruanisches Meerschweinchen-Rezept für vier Personen: Sie brauchen dazu zwei enthäutete und ausgenommene Meerschweinchen, die Sie zunächst salzen. Zerdrücken Sie dann zwei Knoblauchzehen und geben Sie sie in 100 ml Salsa. Bestreichen Sie die Meerschweinchen ringsherum damit.

Braten Sie die Meerschweinchen ähnlich wie Hühnerbrüste von beiden Seiten je 15 Minuten im heissen Fett. Hacken Sie 100 Gramm Erdnüsse fein und rösten Sie sie kurz in einer Pfanne an. Geben Sie 100 ml Wasser und weitere 200 ml Salsa hinzu. Zum Andicken lösen Sie 150 Gramm Cracker in der Sauce auf. Würzen Sie mit Salz und Pfeffer nach. Halbieren Sie die Meerschweinchen und servieren Sie sie zusammen mit Kartoffeln und der Sauce.

Aber wenn Sie nicht möchten, müssen Sie auch das nicht. Ein Spiegelei oder ein Tofu-Brätling tun es auch.

----------

Der Psychoanalytiker Peter Schneider beantwortet jeden Mittwoch Fragen zur Philosophie des Alltagslebens. Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch