Sie hilft Mädchen in der Disco

Die 25-jährige Erfinderin Kim Eisenmann hat ein Armband entwickelt, das K.-o.-Tropfen in Getränken erkennt.

Erfinderin und Unternehmerin: Kim Eisenmann hat viele Ideen, die sie auch umsetzt.

Erfinderin und Unternehmerin: Kim Eisenmann hat viele Ideen, die sie auch umsetzt.

Christian Zürcher@suertscher

Auf der Website von Xantus steht in grossen Buchstaben und gleich mit zwei Ausrufzeichen garniert: «Aufgrund der sehr hohen Nachfrage sind wir ausverkauft!!» Xantus ist kein Medikament, sondern ein Messgerät – ein Armband mit einer besonderen Gabe. Es kann feststellen, ob ein Getränk mit K.-o.-Tropfen versetzt wurde. Das geht dann so: Flüssigkeit aufs Testfeld, zwei Minuten warten. Schauen. Färbt sich das Feld blau, dann ist nicht gut: Es hat GHB drin. #blauistböse. GHB betäubt das Opfer und macht es wehrlos. Es ist deshalb als Date-Rape-Droge bekannt, eine Vergewaltigungsdroge.

«Verbrecherabwehr am Handgelenk» war in den Medien zu lesen, oder «Detektor für K.-o.-Tropfen.» Die Resonanz war ebenso gross wie die Ankündigung. Entwickelt hat das Armband Kim Eisenmann aus Karlsruhe, 25 Jahre alt, von Beruf Erfinderin. Fünf Monate dauerte es von der Idee bis zum Verkauf. «Ich bin mehr so der Typ: nicht quatschen, sondern machen», sagt sie.

Inspiriert hat sie der Fall eines Mädchens, das bei einem lokalen Fest K.-o.-Tropfen abbekommen hat. Eisenmann bekam die Geschichte mit und dachte: «Mensch. Da muss es doch etwas geben.» Sie merkte bald, dass es noch kein ausgehtaugliches Prüfsystem gibt. Deshalb das Armband.

Aus Versehen ein Springpferd gekauft

Eisenmann beschreibt sich als impulsiv. Kürzlich wollte sie ein kleines rothaariges Pony kaufen – und ist dann mit einem Springpferd heimgekehrt. «Aus Versehen», sagt sie den «Badischen Neuesten Nachrichten». Das Springpferd, eine grosse Schimmelstute, sei ihr als «unreitbar» beschrieben worden. Das hat sie gereizt. Nun arbeitet sie mit dem Pferd an der Reitbarkeit. Xanthus hiess übrigens das Pferd von Homers Achilles.

Eisenmann weiss um das Geschäft mit der Aufmerksamkeit. 2018 machte sie bei der Fernsehserie «Start up» auf Sat 1 mit. 2000 Jungunternehmer wollten ihr Produkt dem Unternehmer Carsten Maschmeyer vorstellen, Eisenmann schaffte es in den Halb­final. Ihre Kreation hiess Flip-Pen: Kugelschreiber, Leuchtstift, USB-Stick und Spielzeug in einem. Erfunden von ihr und ihrem Freund. Auf die Frage, weshalb sie und nicht ihr Freund in die Sendung ging, antwortet sie: «Die Wahl war zwischen lachender Blondine und grossem Glatzkopf.»

Toxikologen warnen

Eisenmann hat sich in ihrem Masterstudium auf Patentwesen spezialisiert und schreibt deshalb ihre Patente selbst. Sie ist Erfinderin, aber auch Unternehmerin – den Absatzmarkt hat sie stets im Auge. Den Flip-Pen vertreibt sie vor allem als Werbegeschenk für Firmen. Das Xantus-Armband kann man im Detailhandel kaufen, es soll aber auch an Diskotheken verkauft werden.

Ein Problem bleibt. Zwar haben zwei unabhängige Studien die Wirksamkeit des Armbands beim Test auf GHB gezeigt, die gängigste Form von K.-o.-Tropfen. Doch im Nachtleben gibt es noch Dutzende weitere Substanzen, die als K.-o.-Tropfen einsetzbar sind, wie zum Beispiel Ketamin. Eisenmanns Armband erkennt gemäss «Südwestrundfunk» zum Beispiel gerade Ketamin nicht. Toxikologen warnen daher vor zu hohen Erwartungen.

Ein Fall für Kim Eisenmann.

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