«Nonsense»

Was denkt ein Brite, der die Monarchie abschaffen will, über die königliche Hochzeit? Wir haben mit dem Chef der «Republic» gesprochen.

Graham Smith von der politischen Anti-Monarchie-Organisation «Republic».

Graham Smith von der politischen Anti-Monarchie-Organisation «Republic». Bild: Foto: BBC

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Was stört Sie als britischer Republikaner am meisten an der königlichen Hochzeit?
Dass Obdachlose aus den Strassen entfernt werden, damit die Royals ihre Show abziehen können, ist ein Skandal. Und natürlich stören mich die Kosten, die die Hochzeit für den Steuerzahler abwirft – ungefähr 40 Millionen Franken. Die königliche Familie bezahlt knapp drei Millionen an die Kosten.

Sie generiert allerdings auch Tourismus-Einnahmen.
Diese Behauptung ist unwahr und irrelevant. Selbst unser nationales Reisebüro kann keine Beweise dafür finden. Studien zeigen, dass Touristen hierher kommen, um unsere Weltklasse-Museen, wunderschönen Landschaften, das Nachtleben und die fantastischen Einkaufsmöglichkeiten zu geniessen. Aber, selbst wenn die Behauptung wahr wäre, wollen wir wirklich, dass die Launen der Touristen bestimmen, welches politische System wir haben?

Werden Sie die Hochzeit verfolgen?
Nein, ich bin dann beschäftigt. Ich leite eine internationale Tagung für Republikaner. Wir werden am Samstag diskutieren, wie man die britische Monarchie und andere Monarchien abschaffen könnte und wie sie dann ersetzt werden.

Wie?
Hier in Grossbritannien müssen wir die Queen durch ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt ersetzen. Jemand, der die politischen Prozesse leiten kann und für das Volksinteresse einsteht.

Grossbritannien ist doch bereits eine funktionierende Demokratie. Die Königin ist unpolitisch.
Die Königsfamilie ist alles andere als unpolitisch. Charles greift hinter geschlossenen Türen immer wieder in die Politik ein. Er und seine Mutter geniessen ein Vetorecht bei Gesetzen, die Queen könnte theoretisch sogar Truppen entsenden. Kurz, wir haben keine vernünftige Verfassung in unserem Land, die die Macht in die Hände der Bürger legt. Wir wollen ein Land, in dem alle gleich sind. Die irische Republik mit Präsident, Premierminister und Parlament ist da das Vorbild von uns.

Wie sieht der Zuspruch für Ihre Mission aus?
70 Prozent der Briten wollen die Monarchie. Aber eine Umfrage hat eben ergeben, dass 66 Prozent der Briten sich nicht für die kommende Hochzeit interessieren. Und 57 Prozent finden, dass die Royals die Hochzeit selber bezahlen sollen. Diese Unzufriedenheit wollen wir ausnutzen.

Hatte der Brexit-Entscheid Einfluss auf die Zustimmung zur Monarchie?
Der hatte keinen Einfluss. Die Zustimmungsraten für die Monarchie sind seit Jahren konstant.

Was würde mit den Royals in einer Republik passieren?
Die wären normale Bürger mit normalen Namen. Arbeiten müssten sie dank ihres Reichtums kaum. In einer Republik wären königliche Güter wie der Buckingham Palace das ganze Jahr über geöffnet, sodass Besucher, die unser königliches Erbe erkunden wollen, noch mehr Gelegenheit dazu hätten.

Können Sie der Monarchie gar nichts Positives abgewinnen?
Dass sie das Volk eint? Nonsense. Die drei europäischen Länder mit den stärksten Separatistenbewegungen sind Monarchien: Grossbritannien, Spanien und Belgien. Das einzig Gute an unserer Monarchie ist, dass sie zu einem Ende kommt.

Wann ist das?
Noch zu meinen Lebzeiten.

Ihre Hochzeitswünsche an Meghan und Harry?
Versucht bitte, nicht allzu viel Geld zu verprassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2018, 19:09 Uhr

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