Auf Gleis 3 wartet die Freiheit

Die Europäische Kommission verschenkt Interrail-Tickets. Wir teilen zehn Tipps für das Bahnabenteuer durch Europa.

Auf und davon: Drei Reisende mit Rucksack und Zugticket am Bahnhof.

Auf und davon: Drei Reisende mit Rucksack und Zugticket am Bahnhof. Bild: Keystone

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Für Generationen von Jugendlichen hatte die Freiheit einen Namen: Interrail. 1972 hatten die europäischen Eisenbahngesellschaften das Pauschalbillett eingeführt; Tausende Schweizerinnen und Schweizer zogen nach Lehre oder Matura los. Die Alterslimite gibt es bei Interrail heute freilich nicht mehr, doch der Geist dieses Tickets lebt. Deshalb verschenkt die Europäische Kommission dieses Jahr 15'000 Interrail-Tickets an 18-Jährige. Die Idee: Sie sollen Kulturen und Traditionen europäischer Mitbürger kennen lernen und Europaskepsis abbauen.

Aus diesem Anlass hier unsere zehn Tipps für die Interrail-Erfahrung:

Das Gepäckstück
Das erste Gesetz des Interrail lautet: Weniger ist mehr. Und das wenige, was Sie dabeihaben, sollten Sie in einen Rucksack packen. Rollkoffer sind tabu. Tabu! Wieso? Weil es eine Pein ist, hohe Zugtreppen zu erklimmen und das doofe Ding hinter sich herzulupfen. Zudem lässt es sich mit dem Rucksack einfach besser auf einen Zug spurten.

Der Proviant
Führen Sie einen Fresssack mit: Cracker, Brot, Scheibenkäse, Guetsli; aber auch Geschirr, Besteck und einen Campingkocher. Bei längeren Zwischenhalten können Sie so auch mal schnell eine Instantnudelsuppe oder einen Fertigcappuccino kochen. Unser Location-Tipp dazu: Bahnhof Maribor, mittlerer Perron, Holzbank.

Die Schuhe
Manche Bahnhöfe liegen abgelegen, kilometerweit vom Dorf- oder Stadtkern entfernt. Es gibt zwei Optionen: erstens Autostopp. Zweitens zu Fuss gehen. Und das geht besser mit anständigem Schuhwerk.

Der Schlaf
Nehmen Sie ein Kissen mit. Sie werden es brauchen, wenn Sie im Sitzen durch die Nacht fahren und nicht jedes Mal erwachen wollen, weil ihr Kopf von links nach rechts fällt. Tipp: ein aufblasbares Reisekissen oder ein herkömmliches kleines Federkissen. Die kann man ja gut zusammendrücken.

Die Unterhaltung, Teil 1
Spätestens ab Stunde fünf ist jede Landschaft langweilig. Deshalb packen Sie ein: Musik, Böxli, Ladekabel, Ersatzakku, Jasskarten, ein Uno, ein gutes Buch, ein blödes Boulevardheftli und irgendein Würfelspiel. Denn im Notfall: Würfelspiel plus Hochprozentiges gleich Trinkspiel.

Die Unterhaltung, Teil 2
Selbst Uno macht nur soundso lang Spass. Deshalb denken Sie sich kleine gemeinsame Projekte für die Fahrten aus. Das stärkt die Gemeinschaft, verleiht dem Reisen eine weitere Ebene und macht sich gut im Fotoalbum. Unsere Fototipps: die besten Mahlzeiten im Zug (natürlich in Instagram-Optik); die hässlichsten Polsterbezüge; die mannigfaltigen Grimassen der Freunde nach Kaffeekonsum in Irish Rail/SNCF/Slovenske Zeleznice.

Das Ziel
Das zweite Gesetz des Interrail: Der Weg ist das Ziel. Fahren Sie mit Bummelzügen und auf Nebenlinien. Streckentipp: von Genua nach La Spezia die ligurische Küste entlang.

Die Philosophie
Werden Sie zum Bähnler und zur Bähnlerin. Fahren Sie gerade durch den längsten Eisenbahntunnel des Landes? Wird der Zug gar auf eine Fähre verladen? Ist die Zugstrecke ein Versöhnungsprojekt zwischen zwei Ländern? Ist das eine Schmalspurbahn? Was ist überhaupt eine Schmalspurbahn? Auf Interrail darf jeder und jede ungeniert Eisenbahnfan sein.

Das Teilen
Im Zug werden Sie Menschen treffen, und Sie werden diese nicht immer verstehen. Wer teilt, schliesst Freundschaften: Schoggi, Biberli oder einen Appenzellerbrand. Das verbindet und fördert das gute Reiseklima im engen Sechserabteil. Und vielleicht packt das Gegenüber dann auch landesübliche Köstlichkeiten aus: ein Stück würzige Wurst oder den Schnaps aus Grossmutters eigenem Quittengarten. Greifen Sie zu!

Der Bonus
Seien Sie spontan. Singen Sie mit, wenn einer abends im leeren Regionalzug die Gitarre auspackt. Sagen Sie Ja, wenn der Kondukteur im überfüllten Zug ihnen anbietet, im Gepäckwagen zu reisen: Dort werden Sie zufrieden auf dem Rucksack sitzen, während die Landschaft an der offenen Schiebetür vorbeizieht. Daran werden Sie sich später immer erinnern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 15:55 Uhr

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