Den Neinsagern entflogen

Die Philippinerin Chezka Garrido war vor sieben Jahren Flight-Attendant, heute ist sie Pilotin – und inspiriert damit andere Frauen.

Kürzlich verlieh ihr die philippinische Vizepräsidentin unter dem Namen «Istorya ng Pag asa» (Geschichten der Hoffnung) einen Preis: Chezka Garrido. Foto: Instagram

Kürzlich verlieh ihr die philippinische Vizepräsidentin unter dem Namen «Istorya ng Pag asa» (Geschichten der Hoffnung) einen Preis: Chezka Garrido. Foto: Instagram

Christian Zürcher@suertscher

Vorher-nachher-Vergleiche haben den Vorteil, dass sie Geschichten ohne Worte erzählen können. Zum Beispiel jene von Chezka Garrido aus den Philippinen. Das Vorher-Bild: Garrido sitzt auf einem Pilotensitz (nachdem sie den Piloten um Erlaubnis gefragt hatte). Sie trägt Flight-Attendant-Uniform und einen ausgeliehenen Pilotenhut und setzt zum Pilotengruss an. Auf dem Nachher-Bild sitzt die heute 30-Jährige wieder im Cockpit und hat die gestreckte Hand am Kopf, doch nun trägt sie Pilotenkleidung und ihren eigenen Pilotenhut.

Sieben Jahre liegen zwischen den beiden Bildern, die Garrido in die sozialen Medien geladen hat. In diesen Jahren hat sie einen Traum verfolgt: Pilotin werden und den Neinsagern entfliegen. Diese kennt Garrido zu gut. Mit sechzehn war sie bereits Mutter, allen Einwänden zum Trotz beendete sie das College. Sie machte den Bachelor und wurde Krankenschwester. Zugleich begann sie als Flight-Attendant zu arbeiten und lernte nebenbei für die Pilotenausbildung. Nach sieben Jahren ist sie nun Pilotin für Air Asia und fliegt einen Airbus 320.

«Die Leute erwarteten von mir, dass ich einfach Mutter bin. Ich aber wollte allen beweisen – vor allem meinen Eltern –, dass ich mein Schicksal selbst bestimmen kann», sagt Garrido. Mit 30 ist sie nun Mutter, Krankenschwester und Pilotin. «Und ich kann noch so viel mehr werden.»

Trotz Duterte: Die Philippinen stehen für Gleichstellung

Ihr CEO Tony Fernandes hat die beiden Bilder gesehen und sie in den sozialen Medien geteilt – die Geschichte ging um die Welt. Garrido wurde zur kleinen Berühmtheit. Das will sie nutzen. So steht auf ihrem Instagram-Account seit kurzem: Beraterin für Frauenförderung. Unter ihr Vorher-nachher-Bild schrieb sie zudem, dass sie nun niemanden mehr um Erlaubnis fragen müsse, ob sie sich ins Cockpit setzen könne. Und: «Ist es nicht Zeit, dass jemand anderer meinen Pilotenhut ausleiht?»

Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen in den Philippinen mehr gefördert werden. Sie hält Reden, wird in Radiosendungen eingeladen, und kürzlich verlieh ihr die philippinische Vizepräsidentin unter dem Namen «Istorya ng Pag asa» (Geschichten der Hoffnung) einen Preis.

Garrido kommt aus einem Land, das von einem Machoflegel regiert wird: Rodrigo Duterte. Doch die Philippinen sind ebenfalls ein Land, das für Gleichstellung steht. Des Präsidenten kritischste Gegner sind Frauen wie Vizepräsidentin Leni Robredo. Im globalen Index zur Geschlechtergleichheit stehen die Philippinen auf Rang sieben. «Land der starken Mütter» nannte es die «Zeit» einmal. Studien zeigen, dass Buben von ihren Familien verwöhnt werden und Mädchen schon früh in Haushalt oder Geschäft Verantwortung übernehmen müssen. Heisst im Umkehrschluss auch: Ihnen wird etwas zugetraut. Zudem entscheiden in der Wirtschaft anders als in der Politik nicht Kontakte und Klüngelei, sondern Leistung und Engagement.

Wie offenbar auch bei der Gesellschaft Air Asia, die Garrido während der Ausbildung finanziell unterstützte. Heute sagt sie: «Frauen sind nicht einfach Passagiere. Wir sind Piloten. Und wir kontrollieren, wohin unsere Reise geht.»

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