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Zum Weinen gut

Frankreichs einzige Dreisternköchin pflegt einen geradezu poetischen Stil. Mit diesem will sie die Seele ihrer Gäste berühren.

«Jedes Gericht ist ein Versuch, Emotionen zu wecken»: Anne-Sophie Pic in der Küche des Beau-Rivage Palace.
«Jedes Gericht ist ein Versuch, Emotionen zu wecken»: Anne-Sophie Pic in der Küche des Beau-Rivage Palace.
Keystone

Als ich Anne-Sophie Pic in der Bar des Hotels Beau-Rivage Palace zum Interview treffe, muss ich an den Film «Le Fabuleux Déstin d’Amélie Poulain» denken. Die zierliche Dame kommt mir vor, als wäre sie jener Märchenwelt entsprungen, in der Gegenstände zum Leben erwachen und am Ende alles so kommt, wie man es sich wünscht. Bei aller Bestimmtheit, die es für die Haute Cuisine braucht, hat Madame Pic etwas auffallend Warmherziges an sich. Vielleicht wirkt sie deshalb so wohltuend aus der Zeit gefallen. Stimmt es, dass Sie in der Küche von allen Maman genannt werden? «Ja, das stimmt schon», antwortet sie und sinniert: «Kochen, das ist irgendwie eine mütterliche Aufgabe. Die Mutter versorgt die Familie mit Nahrung, einem Grundinstinkt folgend. Ich tue das auch im Beruf. Und so bin ich nicht nur die Mutter meines zehnjährigen Sohnes, sondern fühle auch eine ähnliche Verantwortung für meine Brigade.» In der Lausanner Restaurantküche lässt Anne-Sophie Pic kulinarische Kunstwerke fertigen, die so feinsinnig und elegant sind wie sie selbst. «Köche transportieren immer einen Teil ihrer Persönlichkeit auf den Teller», sagt sie. «Jedes Gericht ist ein Versuch, Emotionen zu wecken. Deshalb ist es auch so schmerzhaft, wenn jemand mit einem Gang nichts anfangen kann. Und derart schön, wenn eine Kreation die Seele der Menschen berührt.»

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