«Koch des Jahres 2016» setzt auf Swissness

Nenad Mlinarevic, Küchenchef im Park Hotel Vitznau am Vierwaldstättersee, ist «Koch des Jahres 2016». Aus Einheimischem wie Löwenzahnhonig macht er Gourmetgerichte.

Setzt auf regionale Produkte: «Koch des Jahres 2016» Nenad Mlinarevic.

Setzt auf regionale Produkte: «Koch des Jahres 2016» Nenad Mlinarevic.

(Bild: PD)

Daniel Böniger@tagesanzeiger

«Ich hole mir gern ab und zu eine Pizza im Miracle», hat er dem «Tages-Anzeiger» mal verraten. Doch wenn der junge Mann mit den dunklen Haaren und den Tattoos am Unterarm zukünftig im kleinen Quartierlokal im Zürcher Seefeld vorbeigeht, könnte es gut sein, dass er von den anderen Gästen erkannt und angesprochen wird. Denn heute Mittag wurde ihm vom Gastroführer «Gault Millau» der Titel «Koch des Jahres» verliehen.

Es ist definitiv diejenige Auszeichnung in der gastronomischen Landschaft der Schweiz, mit der man als Koch am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Zu den Preisträgern gehörten schon Tanja Grandits, Benoît Violier, oder, ein paar Jahre früher, Horst Petermann und André Jaeger. Gleichzeitig mit der Vergabe des begehrten Titels hat die Ringier-Publikation die Bewertung des Restaurants Focus im Park Hotel Vitznau, für dessen Küche Mlinarevic verantwortlich zeichnet, von 17 auf 18 Punkte erhöht.

Dass Mlinarevic, wie geschildert, eine Zürcher Pizzeria erwähnt, ist alles andere als Zufall. Zweijährig kam er aus Serbien in die Schweiz, besuchte in der Stadt Zürich Kindergarten und Schule; seine erste Schnupperlehre machte er im Dolder Waldhaus – sein Vater hatte ihm das Engagement organisiert, steuerte er doch jahrelang das rote Dolderbähnli, das den Zürichberg hinaufkriecht.

Lernte bei den Grossen

Zu den Lehrmeistern des jungen Kochs gehören ein paar der angesehensten Küchenchefs des Landes: So lernte Mlinarevic in Uitikon am See bei Hans-Peter Hussong. Und er stand auch schon mit Andreas Caminada in der Küche, und zwar in den Anfangsjahren, als sich der Bündner von 16 auf 18 Gault-Millau-Punkte hochkochte. «Wir waren nur zu viert in der Küche, es war eine anstrengende, aber unvergessliche Zeit», berichtet Mlinarevic.

Wie sein früherer Chef Caminada setzt auch er regionale Produkte ins Zentrum – allerdings noch konsequenter als dieser. Kommen beim Bündner Starkoch auch mal Hummer oder Grapefruits zu Ehren, setzt der neue Koch des Jahres nur noch auf Schweizerisches wie Felchenfilets, Löwenzahnhonig und Kohl. «Dass Nenads erstaunlich kleine Brigade nicht mehr in der Bretagne einkauft, sondern lieber am Rigi Kräuter sammelt und mit kleinen Produzenten dealt, verblüfft und imponiert», lobt ihn der Gastroguide in der aktuellen Ausgabe fürs Jahr 2016.

Geehrt werden darin unter anderem auch die «Aufsteiger des Jahres in der Deutschschweiz»: Enrico und Roberto Cerea, die im Carlton Hotel St. Moritz am Herd stehen. Und die «Entdeckung des Jahres» in der Deutschschweiz ist Sven Wassmer, der ebenfalls bei Caminada gearbeitet hat und heute im Hotel 7132 in Vals kocht.

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