Zum Hauptinhalt springen

Die fünf wichtigsten Fragen zum Egli

Der Chef der estnischen Fischfabrik Rolevar, nicht zertifiziert, verkauft laut eigenen Angaben auch an die Konkurrenz mit dem MSC-Label. Recherchen ergaben zudem, dass der grosse russische Produzent Maxfish seine Fische in Polen abpacken lässt, um so das blaue Signet zu erhalten. MSC sagt dazu: «Wenn das zutreffen sollte, bricht dieses Unternehmen eindeutig unsere Regeln.» Man werde sich dieses spezifischen Falls annehmen und unabhängige Kontrolleure einsetzen. MSC betont, dass falsche Etiketten ein kleines Problem darstellen, nur bei 9 Prozent der Unternehmen werden diesbezüglich Verfehlungen festgestellt.

Keine Antwort konnte das Labor auf die Frage geben, ob Bleichmittel eingesetzt wurden, um die Filets schön weiss zu erhalten – dafür sind die Filets schlicht zu klein. In Polen hat aber eine Fabrik eingestanden, die Filets zwölf Stunden lang zu wässern, um sie aufzuhellen.

Kann ich mich auf die Herkunfts­bezeichnung verlassen?

Nur bedingt. Estland, Russland und Polen teilen sich 83 Prozent des Markts. In welchem Land der Fisch genau gefangen wurde, ist aber laut unseren Recherchen nicht immer nachvoll­ziehbar. Zum einen teilen sich mehrere Länder das gleiche Meer, zum anderen wird bei der Veredelung vermischt. So kann ein russischer Egli in einer estnischen Fabrik zum estnischen Filet werden. Illegal ist das laut EU-Recht nicht.

Kommen die Import-Egli aus überfischten Gewässern?

Der WWF bewertet die Egli-Bestände in der Ostsee als akzeptabel, wie Catherine Vogler, Meeresfrüchtemanagerin bei WWF Schweiz, erklärt. Dies gelte auch für den Peipussee, obschon dort der Druck durch die Fischerei grösser sei. Dass es im See trotz intensiver Fischerei tonnenweise Fische hat, ist das paradoxe Ergebnis von Wasserverschmutzung: «Wenn die Phosphor- und Stickstoffkonzentration im Wasser hoch ist, ist das schlecht für den See, aber es bildet Algen und versorgt die Arten mit Nahrung», sagt Markus Vetemaa vom Estonian Marine Institute.

Kann ich mich beim Einkauf auf das MSC-Label verlassen?

Seit 20 Jahren zertifiziert der Marine Stewardship Council (MSC) Produkte aus nachhaltiger Fischerei. Während das Label in den Supermärkten sehr präsent ist, wird es in der Gastronomie laut Grosshändlern kaum verwendet. Da zählt nur der Preis und die Qualität. WWF bezeichnet MSC als das zurzeit beste Zertifikat für Wildfang. Auch wenn es nicht perfekt sei. Unsere Nachforschungen in Estland zeigen zahlreiche Verfehlungen auf. Zertifizierter Fisch lässt sich teurer ver­kaufen. Das wissen natürlich die Produzenten.

Wie steht es um die Qualität der importierten Eglifilets?

Das Labor Biolytix in Witterswil hat für uns fünf Eglifilets aus Estland, Polen und Russland untersucht. Vier davon wiesen Spuren von Quecksilber auf, die deutlich unter dem Grenzwert liegen, wie der Waadtländer Kantons­chemiker Christian Richard erläutert. Bemerkenswert findet er allerdings, dass alle Proben einen Arsengehalt zwischen 0,04 und 0,25 mg/kg aufwiesen. Laut Richard gibt es bei Fischen dafür keinen Grenzwert, beim Trinkwasser seien aber maximal 0,01 mg/kg erlaubt – also deutlich weniger. Für Biolytix-Chef Adrian Härri können diese auf­fälligen Arsen-Werte ein Indikator für die industrielle Verschmutzung der Gewässer sein.

Wer verdient am meisten an diesem Geschäft?

Eindeutig die Schweizer Grosshändler wie Bianchi oder Bell. Das Kilo frischer Egli verkaufen sie zwischen 16 und 40 Euro an kleinere Händler, diese verkaufen dann weiter an die Gastronomie. Die Ware haben die Grosshändler von zumeist estnischen Fabriken zu einem Preis zwischen 11 und 21 Euro erhalten. Am Anfang steht der Fischer (maximal 5 Euro), am Schluss der Restaurant­besucher, der im Schnitt 35 Euro für 200 Gramm bezahlt, also pro Kilo 175 Euro. Das heisst: Vom Fang bis zum Verzehr wird der Egli um das 35-Fache teurer.

Pascale Burnier

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch