Das grosse Aare-Fressen

Vom Aare-Bier über den Aare-Käse bis zur Aare-Böötler-Wurst. Es gibt so viele Aare-Produkte, dass man einen Grillabend nur mit ihnen bestreiten kann – einen durchaus feuchtfröhlichen Grillabend.

Picknick an und mit der Aare: Wir haben vom Drink bis zum Käse alles getestet. Fotos: Iris Andermatt

Picknick an und mit der Aare: Wir haben vom Drink bis zum Käse alles getestet. Fotos: Iris Andermatt

Aarewasser(Mix-Drink)

Aussehen: Der Drink sieht der Aare verblüffend ähnlich. Je nach Hintergrund wechselt die Farbe von blau zu türkis zu grün, beeindruckend.
Geschmack: Drei verschiedene Alkoholsorten, Zucker und Limetten – das ist eine gefährliche Mischung. Getrunken wird er spätabends in einschlägigen Bars (zum Beispiel der TaxiBar in der Berner Innenstadt) meist aus kleinen Shot-Gläsern. Drin sind Wodka, Triple Sec und Blue Curacao – Letzterer ist auch für die Farbe verantwortlich. Zudem gehören Zucker, Limettensaft und Limettenlimonade mit rein. Sie ahnen es: eine recht klebrige Angelegenheit, die an Sirup erinnert. Den Alkohol spürt man erst im Nachhinein. Der Drink ist mit seinem leichten Kokos-Geschmack erfrischend – fast wie ein Aarebad. Beides gilt es mit Vorsicht zu geniessen.
Aare-Faktor 4/5:Höchstzahl für das Aussehen, leichter Abzug für die Klebrigkeit

Wie Aarewasser, nur klebriger – und hochprozentiger: «Aarewasser».

Aarewelle(Trockengebäck)

Aussehen: Die Güezi sehen etwas trocken aus, aber das gehört sich so für Trockengebäck. Immerhin sorgen die Schokolade und kleine Zuckerkügelchen für ein bisschen Abwechslung. Das Spritzgebäck, einer Welle nachempfunden, gibt es bei der Bäckerei Bohnenblust im Berner Breitenrain.
Geschmack: Als Erstes fällt der sandige Geschmack auf, dann eine Prise Zimt, die Erinnerung an Weihnachten. Eine eigenartige Mischung, die weniger zu einem Grillabend an der Aare passt als vielmehr zu einem Kaffeekränzchen unter Freundinnen. Und auch das nicht unbedingt im Sommer. Aber wer sagt denn, dass Aare Sommer bedeutet?
Aare-Faktor 2/5: Nach einem winterlichen Spaziergang zwischen reifbedeckten Bäumen an der Aare ist eine Aarewelle perfekt. An einem Grillfest hat sie aber eher nichts zu suchen.

Aare-Bier

Aussehen: Aare-Bier gibt es in vier Geschmacksrichtungen: Kellerfrisch, Amber, Weizen und Swiss Pale Ale, wir haben Kellerfrisch und Amber getestet. Die Biere werden in der kleinen Seeländer Gemeinde Bargen hergestellt – in unmittelbarer Nähe zur Aare. Die Flaschen sind schlicht gehalten, dunkelbraun mit einem schwungvollen A im Logo. Die blaue Etikette vom Kellerfrisch erinnert an einen Aare-Schwumm. Und das Amber-Bier hat einen wunderbar bernsteinfarbenen Ton.
Geschmack: An einem warmen Sommerabend an der Aare wird das Bier schnell lau, zum Glück sind die beiden Biere leicht und schnell ausgetrunken. Beim Amber-Bier haben wir eine leichte Note nach Honig festgestellt. Das Kellerfrisch war würzig, mit einer zitronigen Note und vollem Charakter.
Aare-Faktor 3/5: Alleskönner ohne allzu grosse Auffälligkeiten.

Aare-Bier: Das Amber schmeckt leicht nach honig, das Kellerfrisch hat eine zitronige Note.

Aaresteine(Konfekt)

Aussehen: Perfekt glänzend polierte Kieselsteine in unterschiedlichen Farben. Wir hätten sie zwar eher als Emme-Steine charakterisiert, aber das ist ein Detail. Wenn ein Lebensmittel wie ein Stein aussehen kann, dann ist es dieses. Sehr überzeugend auch die verschiedenen Grössen und Formen. Es gibt sie bei der Bäckerei Reinhard im Berner Hauptbahnhof.
Geschmack: Süsser geht nicht. Bei den Aaresteinen handelt es sich um Mandeln und Aprikosen, die mit Schokolade und Zuckerguss überzogen sind. Der Zuckerguss knirscht schön zwischen den Zähnen. Ja, genau, die Aaresteine sind beim Reinbeissen etwa so hart wie echte Steine. Aber: Kinder lieben sie.
Aare-Faktor 3/5: Höchstzahl für das Aussehen, Abzug gibt es beim Geschmack, der uns eindeutig zu süss war.

Aarewasser(Käse)

Aussehen: Hartkäse im Aussehen zu beurteilen, ist etwas schwierig, denn sie unterscheiden sich nicht sehr. Dieser Rohmilchkäse fällt auf mit feinen Luftblasen und einer eher weichen Konsistenz. Er stammt von der umtriebigen Jumi AG in Vechigen, feilgeboten wird er unter anderem dienstags und samstags am Märit in der Berner Münstergasse. Der Gag: Er wurde während der Reifezeit mit Quellwasser der Aare gewaschen.
Geschmack: auffallend cremig, sehr intensiv und kräftig, trotzdem mit dem nötigen Biss.
Aare-Faktor 5/5: Ein Käse, der mit Aarewasser gewaschen wurde. Nur schon für diese Originalität gibt es fünf Aaretropfen.

Aare-Chäs

Aussehen: Die blaue Etikette verweist auf die Aare, ein sehr weicher Käse mit feinen Luftblasen.
Geschmack: Er erinnert geschmacklich an Tilsiter oder Schmelzkäse, auch die Konsistenz geht in Richtung Schmelzkäse. Kein Wunder, empfiehlt die Dorfchäsi Aarwangen den Halbhartkäse aus thermisierter Milch fürs Fondue. Wir denken, er würde sich auch gut als geschmolzener Käsebelag zu einem Aare-Hamburger machen.
Aare-Faktor 3/5: Es gilt, was auch beim Camembert gilt: Wer, wenn nicht die Dorfchäsi Aarwangen, könnte ihre Eigenkreationen nach der Aare benennen? Allerdings ist dieser Käse etwas weniger originell als der Camembert.

Aare-Camembert

Aussehen: rund, mit einem dezent blau gefärbten Logo. Der Kollege aus dem Oberaargau hat geschwärmt: «Geschmacklich sensationell» sei der Aare-Camembert, ein Produkt aus der Dorfchäsi Aarwangen – einst aus der Projektarbeit einer Lehrabschlussprüfung entstanden.
Geschmack: Unser Kühlschrank war zu kalt eingestellt, der Camembert demzufolge etwas zu hart. Und trotzdem: Der Weichkäse ist so mild und bekömmlich, fast wie die Aare im Juli. Und wenn der eine Testesser diesen Camembert etwas zu fad fand, dann entgegnen wir: Ein guter Camembert muss genau so sein.
Aare-Faktor 5/5: Die Dorfchäsi Aarwangen könnte jeden ihrer Käse nach der Aare benennen, wir würden es ihr verzeihen. Und den Camembert werden wir das nächste Mal in einem anderen Kühlschrank aufbewahren.

Aarebrot

Aussehen: Rund, hübsch bemehlt, eher kompakt in der Konsistenz und ziemlich dunkel. Aarebrot gibt es jeweils am Montag in der Bäckerei Fürst gleich neben dem Berner Marzilibad.
Geschmack: «Chüschtig» ist es, das Aarebrot, wie wenn da Meerwasser drin wäre. Kleine Kerne sorgen für das gewisse Etwas. Alle Brote in der Bäckerei Fürst werden nach der traditionellen Vorteigmethode hergestellt, vielleicht deshalb wirkt das Brot leicht und ist trotzdem sättigend.
Aare-Faktor: 3/5 Ausser dem Wort Aare im Namen haben wir keinen speziellen Aare-Faktor festgestellt. Ein bekömmliches, unauffälliges Brot. Und: Eine Bäckerei gleich an der Aare hat natürlich alles Recht, ein Aarebrot herzustellen.

Aare-Böötler (Wurst)

Aussehen: Etwas zwischen Wienerli und Cervelat. Auch farblich passt der Aare-Böötler perfekt zu diesem Klassikergespann. Die Wurst stammt aus Schüpfen, wo die Bratwurstmanufaktur Stettler Dutzende von ungewöhnlichen Kreationen im Angebot hat. Der Aare-Böötler sei eine der bestverkauften, haben wir uns versichern lassen. Und, nicht unwichtig: Sie schwimme im Wasser. Wobei: Welche Wurst würde nicht im Wasser schwimmen?
Geschmack: wie ein Cervelat, aber weniger rezent und weniger salzig, also sehr familientauglich. Ein Tester vermisste den Senf. Aber: Wir sind sicher, dass sich diese Wurst auch roh essen liesse, sehr praktisch, wenn die Zündhölzer in der Aare nass wurden.
Aare-Faktor 5/5: Eine Wurst, die besser ist als ein Cervelat, trotzdem roh gegessen werden kann und Aare-Böötler heisst? Das muss fünf Aaretropfen geben!

Den Aare-Böötler kann man auch kalt verzehren

Aare-Hamburger

Aussehen: Ein Aare-Hamburger sieht aus wie… ein ganz gewöhnlicher Hamburger. Es gibt ihn in Migros-Filialen in der Region. Auch die Zutaten lesen sich unspektakulär: Rindfleisch, Zucker, Gewürze, Kochsalz.
Geschmack: Beim Reinbeissen spürt man keine ekligen Fettkügelchen, dafür feine Pfefferkörnchen. Auf alle Fälle: überraschend würzig und sehr saftig. Da braucht es gar kein Ketchup.
Aare-Faktor 4/5: Der Name Aare ist hier wohl mehr Verkaufsargument als Inhalt. Trotzdem: Wenn ein Hamburger, dann gern wieder ein AareHamburger.

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