Mein Zaubertrank

Heilmittel aus der Wasserflasche? Warum das Zurzacher Mineralwasser möglicherweise Demenz und Depressionen vorbeugt.

Das Zurzacher Mineralwasser soll sogar vor Demenz  und Depressionen schützen. Marketingtrick oder be­rechtigte Hoffnung?

Das Zurzacher Mineralwasser soll sogar vor Demenz und Depressionen schützen. Marketingtrick oder be­rechtigte Hoffnung? Bild: zvg

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Bis vor kurzem habe ich sie noch belächelt. Die Leute, die liter­weise Mineralwasser, in PET-Flaschen und vakuumverpackt, auf ihrem Einkaufswagen herumkarren. Hinausgeworfenes Geld und ein unnötiger Abfallberg dazu! Schliesslich ist unser Hahnenburger fast gratis zu haben und qualitativ ebenso gut.

Heute sehe ich es ein bisschen anders. Nicht, dass ich am Hahnenwasser zu zweifeln begänne. Aber vor wenigen Wochen bin ich auf einen Fachartikel gestossen über Lithium. Das ist ein Spurenelement, das auch in der Medizin eingesetzt wird. Genau dosiert als Medikament, hilft es bei Gehirnerkrankungen wie Depressionen.

Auch entzündliche Nervenleiden wie multiple Sklerose (MS) soll es günstig beeinflussen; es unterstützt die Neubildung der Myelinschicht in den Nervenzellen, die durch die Krankheit zerstört wurde. Als MS-Patient bin ich da natürlich hellhörig geworden.

Wo also bekomme ich die heilsame Substanz? Lithium ist von Natur aus in geringen Mengen in unserem Trinkwasser enthalten. Besonders reich am Spurenelement ist – und jetzt kommts – das «Original Zurzacher Mineralwasser» (Bild oben). Mit 1,3 Milligramm pro Liter enthält es mehr als dreimal so viel wie alle anderen hierzu­lande erhältlichen Mineralwässer.

Warum das so ist, kann niemand genau sagen. Möglicherweise hat es einen Zusammenhang mit der ausserordentlichen Tiefe, aus der das Mineralwasser im aargauischen Bad Zurzach stammt. «Wir beziehen unser Wasser von der gleichen Bohrung in 500 Metern Tiefe wie das Thermalbad im Ort», erklärt Hanspeter Brunner (53), Geschäftsführer der Mineralquelle Zurzach AG.

Ihm kann der Lithium-Hype nur recht sein. Denn von Gesetzes wegen darf er sein Wasser nicht als Heilmittel bewerben, nur die Inhaltsstoffe deklarieren.

Gleichwohl scheint die Sache mit dem Lithium mehr zu sein als bloss ein Sturm im Wasserglas. «In der Tat gibt es einige experimentelle Hinweise dafür, dass Lithium bestimmte Vorgänge bei neurodegenerativen Krankheiten wie Demenzen oder neuroinflammatorischen Leiden wie MS beeinflussen könnte», sagt Professor Andrew Chan (48), Leiter des ambulanten Neurozentrums am Berner Inselspital.

Allerdings müssten weitere Studien, auch an Menschen, durchgeführt werden. Und: Lithium sei bei den erwähnten Krankheiten allenfalls aber nur ein «Baustein im Puzzle».

Was bleibt mir als gesundheitsbewusstem Konsumenten? Weiter hie und da «Zurzacher» trinken! Nützt es nichts, so schadet es nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.06.2017, 13:17 Uhr

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