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Vom Schlangenfrass weit entfernt

Als der Besseresser im Restaurant Dählhölzli bezahlt und das Lokal verlassen hatte, wusste er, dass er einen Fehler gemacht hatte. Nicht etwa, weil er hier essen ging, sondern weil er hier vorher noch nie essen gegangen war.

Es ist schön, wenn man nach einem langen Spaziergang in finsterer Nacht – der Aare entlang – von weitem hell erleuchtete Fenster einer Beiz sieht. Noch schöner ist es, wenn man so freundlich empfangen wird wie im Dählhölzli. Auf dem weiss gedeckten Tisch liegt Silberbesteck, eine Kerze, ein kleines Blumenarrangement. Das Lokal ist gross, aber die Tische sind zum überwiegenden Teil nicht besetzt. Ob wohl hier das Tierpark-Motto «Mehr Platz für weniger Tiere» adaptiert wurde? Mehr Platz für weniger Gäste?

Zum Apéro wird dem Besseresser ein Gläschen Chardonnay von Georg Schlegel aus Jenins empfohlen. Er lässt sich das gern gefallen. Mit dem Wein wird ein Amuse-Bouche aufgetragen, ein hauchdünnes Schnifeli Carpaccio mit einem Esslöffel feinstem Selleriesalat. Dann der erste Gang des Bündner Menüs: Hirsch- und Bündnerfleisch, Salsiz und Rohschinken. Der Hauptgang besteht aus Kalbfleischröllchen mit Pizochel und fünf verschiedenen Gemüsen. Es folgt ein Käseteller mit zweierlei Trauben, Spänen von Baumnüssen und einem exzellenten Birnenbrot. Und schliesslich ein Parfait mit Rotweinbirnen, Pistazien und Bündner Rahm-Röteli, einem Kirschlikör auf Rahmbasis. Im Parfait stecken Schokoladenstäbchen in Mikadoformat. «War es recht?», fragt Wirt Hans Ruedi Haller, der persönlich von Tisch zu Tisch geht. Es war mehr als recht. Es war sehr gut.

Als dem Besseresser die Rechnung vorgelegt wird, entdeckt er den ersten Fehler an diesem Abend, einen Druckfehler. Für das Menü wird 39.50 Franken verlangt, für ein Glas Pinot Noir von Schlegel 5 Franken. Da stimmt etwas nicht. Aber die Servicefachfrau erörtert dem Besseresser , dass die Rechnung absolut stimmt. Für so wenig Geld so gut essen: Das gibts nur im Tierbuch und im Tierpark.

besseresser@bernerzeitung.ch

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