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Das britische Pannen-Flugzeug

Der Dreamliner von Boeing bleibt wohl noch lange am Boden. Die Probleme erinnern an die De Havilland Comet, ein ultramodernes Passagierflugzeug aus den 1950er-Jahren.

Der erste Prototyp der Comet – hier noch mit quadratischen Fenstern.
Der erste Prototyp der Comet – hier noch mit quadratischen Fenstern.
Her Majesty’s Stationery Office
Eine Comet von Boac bei einer Zwischenlandung in Uganda.
Eine Comet von Boac bei einer Zwischenlandung in Uganda.
Her Majesty’s Stationery Office
Eine Comet 4 von Aerolineas Argentinas
Eine Comet 4 von Aerolineas Argentinas
Altair78/Wikipedia/CC
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Es ist der Albtraum jedes Flugzeugbauers. Zuerst verordneten diverse nationale Behörden ein Flugverbot für den Dreamliner. Nun stehen alle rund fünfzig Flugzeuge des Typs am Boden. Dann musste Boeing einen temporären Auslieferungsstopp verkünden.

Die B-787 werde nicht mehr fliegen, bis man sicher sei, dass sie «1000 Prozent sicher» sei, sagte der amerikanische Transportminister Ray LaHood kürzlich. Was für ein Unterschied zu den Ankündigungen bei der Lancierung des neuen Langstreckenflugzeuges aus Seattle. Boeing sprach von «revolutionären Technologien», die man zum Bau eines völlig neuen Jets verwende. Die fortschrittlichen Merkmale würden den Dreamliner viel effizienter machen.

Erinnerungen an britisches Debakel

Für viele ist das ein Déjà-vu. Die Kommentatoren übertrafen sich auch 1949 gegenseitig mit Superlativen. Die De Havilland Comet DH 106 habe eine «anmutige und unmissverständlich frauenähnliche Erscheinung», schrieb der Reporter des Fachmagazins «Flight» nach dem Erstflug. Der Pilot schwärmte danach gegenüber dem Journalisten, er habe noch nie in einem leiseren Flieger gesessen und die Handhabung des Fliegers sei sehr einfach.

Fliegen ohne Vibrationen

Der britische Hersteller versprach wie Boeing ein ganz neues Erlebnis. Sein neues Flugzeug werde nicht nur schnell sein, sondern auch so hoch fliegen, dass es unfreundlichem Wetter ausweichen könne. Zudem würden Passagiere einen vibrationsfreien Flug erleben – eine Neuheit im damaligen Flugverkehr. Der erste zivile Düsenflieger der Welt sollte aber nicht nur den Reisenden gefallen, sondern auch den Betreibern. Dank völlig neuen und leichteren Legierungen und der Verwendung von Plastikteilen im Rumpf und neuer Verbindungstechnik sollten die Treibstoffkosten tief bleiben.

Unfälle über Unfälle

Doch es kam anders. Schon zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der ersten Comet DH 106 durch die British Overseas Airways Corporation (Boac) kam es zu zwei Unfällen, einer davon mit Todesopfern. Als Ursache wurden Pilotenfehler angenommen. Auch ein drittes Unglück brachte den Behörden keine Antworten. 1953 stürzte eine Comet von Boac nach dem Start in Kalkutta in den Indischen Ozean. Augenzeugen berichteten, die Maschine habe gebrannt und keine Tragflächen mehr gehabt. 43 Menschen starben. Die Behörden glaubten aber, der Pilot habe die Maschine in stürmischem Wetter überbelastet.

1954 aber kam es gleich zu zwei Katastrophen. Boac-Flug 781 stürzte bei der Mittelmeerinsel Elba ab, South-African-Airways-Flug 201 bei Neapel. Bei ihren Untersuchungen bemerkten die Experten nun Konstruktionsfehler und als Folge massive Materialermüdung. Alle Comets wurden in der Folge gegroundet und aus dem Verkehr gezogen.

Immense Fortschritte

De Havilland lancierte aufgrund der Erkenntnisse ein verbessertes Nachfolgemodell, die Comet 2. Doch niemand wollte sie kaufen. Erst die vergrösserten und nochmals verbesserten Comet 3 und 4 wurden wieder zum kommerziellen Erfolg. Ab 1958 wurden damit dann wieder Passagierflüge aufgenommen. 1981 flogen die allerletzten Reisenden mit einer Comet.

Auch wenn es gewisse Parallelen zum Dreamliner gibt – die Unterschiede sind dennoch frappant. Heute reagieren die Behörden bei den kleinsten Zweifeln umgehend und weltweit, um Unfälle zu verhindern. Zudem wurde die Zulassung von neuen Typen seit den Fünfzigerjahren viel strenger.

at/Aerotelegraph.com

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