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Der König ist an Deck

Füssen ist allein durch das Märchenschloss Neuschwanstein untrennbar mit König Ludwig II. verbunden. Auf dem Forggensee findet das erste Musical Deutschlands auf einem Schiff mit Szenen an Deck und an Land statt.

«Blaue Stunde»: Der Forggensee bei Füssen in der Dämmerung.
«Blaue Stunde»: Der Forggensee bei Füssen in der Dämmerung.
Michael Lukaszewski
Eines der meistfotografierten Objekte Deutschlands: Das Märchenschloss  Neuschwanstein.
Eines der meistfotografierten Objekte Deutschlands: Das Märchenschloss Neuschwanstein.
Monika Hippe
Strahlende Musicaldarsteller: Die Schauspieler Marc Gremm als König Ludwig II. und Janet Chvatal als Kaiserin Sissi.
Strahlende Musicaldarsteller: Die Schauspieler Marc Gremm als König Ludwig II. und Janet Chvatal als Kaiserin Sissi.
Monika Hippe
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Der höchste Turm ragt wie ein spitzer Bleistift in den Himmel – als wolle er die Wolke über sich pieksen, damit sie den Weg freimache für ein paar Sonnenstrahlen. Vergeblich: Dunkel und auch ein wenig mystisch senkt sich an diesem Morgen der Himmel über das Märchenschloss Neuschwanstein.

Ein Blick auf die Uhr mahnt sowieso, es ist Zeit, von der Marienbrücke hinunter zum Eingang zu gehen. Dort springt gerade die grosse Digitaluhr von 9.59 auf 10 Uhr. Jetzt dürfen wieder 55 Menschen das Drehkreuz passieren. Eine halbe Stunde lang kann man eintauchen in die Welt des Märchenkönigs Ludwig II.: das dunkle Schlafgemach mit zwei Geheimtüren bestaunen, den Sängersaal mit Fichtenholzkassettendecke, den Tropfsteinflur, der an des Königs Lieblingsoper von Richard Wagner erinnern soll, oder die fantastische Sicht in die hügelige Landschaft um das Nachbarschloss Hohenschwangau.

So berühmt das Märchenschloss ist, so lang war früher die Wartezeit, um hineinzukommen. Heutzutage wird mit dem Ticket eine Uhrzeit angegeben, die zum Besuch berechtigt.

Kleines Wunder

Neuschwanstein ist eines der meistfotografierten Objekte Deutschlands und wurde seit Eröffnung 65 Millionen Mal besucht. Marc Gremm war schon über 100-mal dort. «Das Schloss ist ein kleines Wunder – allein wegen der kurzen Bauzeit von nur 17 Jahren», sagt er. Der sympathische Mann mit dunklem Bart ist Musicalstar.

Mit König Ludwig II. fühlt er sich besonders verbunden, denn er hat ihn an die 300-mal im Festspielhaus Füssen gespielt. «Ich kann seine Leidenschaft für Kunst, Musik und die Natur nachvollziehen und was es bedeutet haben muss, anders zu sein», sagt Gremm. Der Schauspieler hat anfangs auf Lehramt studiert, aber noch vor dem 1. Staatsexamen seine erste Rolle bekommen.

Seitdem besetzte er viele interessante Titelcharaktere wie in «Tanz der Vampire», «Les Misérables» oder «Figaro». Der Wunsch, sein eigener Herr zu sein, entstand, als er einmal nach Anweisungen einer Produzentin nur in Unterhose mit einem Teddy im Arm auf die Bühne sollte.

Eigenes Stück

Seit letztem Sommer produziert er zusammen mit seiner Lebens- und Bühnenpartnerin Janet Chvatal ein eigenes Stück. «Der Schwanenprinz» ist eine Musicalreise auf einem Schiff über den Forggensee mit Blick auf Neuschwanstein. Mal spielen die Szenen an Deck, mal an Land.

Der jüngste Schauspieler im Ensemble heisst Linus Langenbacher. Er ist erst 13 Jahre alt, aber schon ein kleiner Musikstar in Füssen. In Gremms Musical spielt er den jungen Prinzen, der hin- und hergerissen ist zwischen den Verpflichtungen als künftiger König und seinen Träumen. Begleitet von seinem Opa begibt er sich auf eine Schiffsreise und gerät in ein gefährliches Abenteuer auf dem geheimnisvollen See.

Als am Abend das Schiff am Ufer ankert, um die Zuschauer an Bord zu begrüssen, winkt er schon vom obersten Deck in weissen Handschuhen. Die Musicalreise startet in der Dämmerung zur «blauen Stunde». Sind alle an Bord, schippert die MS Füssen über den Forggensee. Währenddessen rauschen Könige und Sagengestalten aus der Mythenwelt König Ludwigs singend und in wallenden Gewändern zwischen den Stuhlreihen auf dem Mitteldeck. «Lebe deinen Traum» ist die Botschaft des Musicals – und auch die persönliche Einstellung des Ehepaars Marc und Janet. Er gibt natürlich auch diesmal dem König seine gewaltige Stimme. Seine Partnerin spielt Kaiserin Sissi.

Grosse Herausforderung

Die Szenen in der ungewöhnlichen Umgebung sind nicht nur Herausforderung für die Schauspieler, auch für den Kapitän. Damit das Publikum die Szenen, die am Ufer spielen, gut verfolgen kann, schwenkt er die Schiffsnase hin und her. Selten kommt man den Darstellern im Musical so nah wie hier. In der Pause trinken die Zuschauer auf der einen Hälfte des unteren Decks ihren Sekt. Auf der anderen Hälfte ziehen sich die Schauspieler hinter einer Wandverkleidung um. «Wir hören, was die Gäste sagen, das ist toll. Das Gästelob ist das schönste, dagegen kommt keine Gage an», schwärmt Marc Gremm.

Dann geht das musikalische Märchen weiter. Und genau zur rechten Zeit gehorcht die Natur dem Regisseur: Die Abendsonne bricht durch die Wolkendecke und zaubert einen Regenbogen über den See. In einem warmen Licht erstrahlt das Märchenschloss – schöner als in jedem Scheinwerfer.

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