Oase im Krisengebiet

Jordanien

«Oase des Friedens» nennen viele Jordanier ihr Land, das sich mitten im krisengeplagten arabischen Raum befindet. Eine Reise zu vergessenen Städten und durch filmreife Landschaften.

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Christian Häderli@ChriguHaederli

«Queen Alia International Airport – unser Flughafen ist nach unserer ehemaligen Königin benannt, die bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam.» So beginnt Reiseführer Nasr die erste seiner vielen interessanten, teilweise haarsträubenden Erzählungen. «Um Königin Alya zu gedenken, wurde an der Absturzstelle der Flughafen errichtet, an dem ihr eben gelandet seid.» Froh darüber, dass meine Flugreise ein glimpflicheres Ende genommen hat als damals jene der Königin, sitze ich nun in einem Kleinbus. Gemeinsam mit einigen anderen Journalisten fahre ich durch das nächtliche Amman.

Es fühlt sich seltsam an, hier zu sein. Die syrische Krisenstadt Damaskus liegt nur drei Autostunden von Amman entfernt. Und mit Irak, Israel und Saudiarabien grenzt Jordanien an drei weitere Länder, die regelmässig international für beunruhigende Schlagzeilen sorgen.

Dementsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen in Jordanien. Beim Check-in in sämtlichen teureren Hotels wird das Gepäck gescannt und der Hotelgast abgetastet. An allen Touristenattraktionen ist die «Tourism Police» vertreten. So auch bei der Zitadelle von Amman, die wir an unserem zweiten Aufenthaltstag besuchen. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht über ganz Amman.

Ein Anblick, der mir als Europäer gänzlich fremd ist: Die Stadt, die sich über mehr als zwanzig Hügel erstreckt, besteht mit ganz wenigen Ausnahmen aus Gebäuden mit wenigen Stockwerken und Flachdächern. Unverkennbar ist die 124 Meter hohe jordanische Flagge, die hoch über der Stadt im Wind flattert. Gut zu hören sind auch die Gebetsrufe der Muezzins, die die Gläubigen fünfmal täglich von den zahlreichen Minaretten der Stadt aus zum Gebet in die Moschee rufen.

Petra, die Legende

Der grösste Touristenmagnet des Landes ist die verlassene Felsenstadt Petra. «Die sagenumwobene Geisterstadt wurde einst vom Volk der Nabatäer in den Fels gehauen und war eine bedeutende Handelsstadt.» Reiseführer Nasr weiht uns während der Fahrt auf dem kargen Desert Highway in die Geheimnisse Petras ein. «106 nach Christus eroberten die Römer die Stadt, bevor diese durch zwei Erdbeben im vierten und sechsten Jahrhundert weitgehend zerstört wurde», fährt er fort. Petra geriet in Vergessenheit, ihre Existenz wurde zur Legende.

Erst 1812 wurde die Stadt wiederentdeckt – von einem jungen Schweizer Forscher, der als muslimischer Pilger verkleidet in die verlassene Stadt gelangte. Exakt 203 Jahre später befindet sich wieder ein junger Schweizer im sogenannten Siq – jenem Felsspalt, der den Zugang zu Petra ermöglicht.

Zwar bin ich an diesem Tag nicht wie ein muslimischer Pilger verkleidet – im Gegenteil: mit meiner Jeans und der umgehängten Spiegelreflexkamera gebe ich mich auf den ersten Blick als Tourist zu erkennen. Trotzdem fühle ich mich an diesem sonnigen Morgen ein wenig wie ein Beduine. Zumindest bis ich auf dem Weg zum berühmten «Schatzhaus» den Versuch wage, ein Pferd zu reiten – und kläglich scheitere.

#IndianaJones

Der wohl magischste Moment eines jeden Petra-Besuchs offenbart sich, wenn die Felswände des Siqs allmählich den Blick auf das Schatzhaus freigeben. Der Anblick der 43 Meter hohen Fassade, deren Innenräume ursprünglich als Grab dienten, ist atemberaubend. Das in den Fels gemeisselte Kunstwerk erlangte 1989 eine noch grössere Popularität, als es ohnehin schon genoss.

Das Schatzhaus diente damals im Spielberg-Klassiker «Indiana Jones und der letzte Kreuzzug» als Kulisse. Mit nachhaltiger touristischer Wirkung: Auf dem sozialen Netzwerk Instagram sind unter dem Hashtag #IndianaJones Tausende Abbildungen und Selfies zu finden von Touristen, die sich beim spektakulären Anblick in den Filmhelden hineinversetzt fühlen.

Das Schatzhaus ist nur die erste von vielen Attraktionen in Petra. Von dort aus kann sich der Unternehmungslustige entweder zu Fuss auf eigene Faust auf Entdeckungsreise begeben. Oder er gibt nach und lässt sich von einem der aufdringlich werbenden Beduinen wahlweise auf ein Kamel oder auf einen Esel hieven und entdeckt die Bilderbuchlandschaft reitend. Der Eintrittspreis zur Felsenstadt ist zwar immens hoch – ein Eintagespass kostet 50 Dinar (ca. 65 Franken). Gemäss dem Reiseführer «Lonely Planet» ist dies jedoch gerechtfertigt: «Ohne das Einkommen durch den Tourismus könnte Petra nicht erhalten werden», schreiben die Reporter.

Fliegen und schweben

Weitere Highlights, die Jordanien zu einem touristisch interessanten Land machen, sind etwa das Wadi Rum, dessen spektakuläre Wüstenlandschaft auf einem Geländewagen oder mit einem Ballonflug erkundet werden kann, sowie das Tote Meer. Das Schwebegefühl bei einem Bad im äusserst salzhaltigen Gewässer ist mit nichts zu vergleichen. Ausser vielleicht mit der Erleichterung nach einem geglückten Flugzeugstart mit derjenigen Maschine, die mich vom schicksalsträchtigen Flughafen in Amman zurück in die Heimat bringt.

Diese Reisereportage entstand mit Unterstützung des Jordan Tourism Board.

Berner Zeitung

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