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Weiterer Abgang bei SCL TigersLangnaus Sportchef geht – und bald auch der Topskorer?

Marco Bayer wechselt als U-20-Nationaltrainer zu Swiss Ice Hockey. Die Emmentaler verlassen könnte dank einer Ausstiegsklausel auch Harri Pesonen.

Hoch hinaus will Marco Bayer ab nächster Saison mit den talentiertesten Schweizer Junioren.
Hoch hinaus will Marco Bayer ab nächster Saison mit den talentiertesten Schweizer Junioren.
Foto: Raphael Moser

In Langnau bleibt gerade kein Stein auf dem anderen. Trainer Heinz Ehlers hat den Club verlassen, der einstige Publikumsliebling Chris DiDomenico ebenfalls. Auch der Goaliecoach, der Athletiktrainer sowie der Verantwortliche für die Elite-Junioren sind weg. Und mit Sportchef Marco Bayer geht ein weiterer wichtiger Angestellter: Der 47-Jährige wechselt zu Swiss Ice Hockey und wird Trainer des U-20-Nationalteams. Die Verträge sollen demnächst unterzeichnet werden.

Bei den SCL Tigers will man sich nicht gross zur Thematik äussern. Geschäftsführer Peter Müller meint, so lange nichts unter Dach und Fach sei, gebe es nichts zu sagen. Und sagt dann indirekt doch, dass «die Sache fast in trockenen Tüchern» sei. Bayer dürfte die Arbeit im Verband im Juni oder Juli aufnehmen.

Ein Win-win-Situation

Im Sommer 2018 wurde Bayer bei den Tigers vom Assistenten zum Sportchef befördert, er folgte auf Jörg Reber, der freiwillig in den Hintergrund rückte. In seiner ersten Saison herrschte dank der Playoff-Teilnahme eitel Sonnenschein, in den vergangenen Monaten aber wendete sich das Blatt.

Das Verhältnis zwischen Bayer und Trainer Ehlers war, gelinde ausgedrückt, unterkühlt. Mit DiDomenico gab es unüberbrückbare Differenzen. Der viel gescholtene Kanadier unterzeichnete nach Weihnachten vorschnell in Freiburg – wenngleich der Verwaltungsrat von Bayer gefordert hatte, den Vertrag mit dem Kanadier aus strategischen Gründen schnellstmöglich zu verlängern. Die daraus resultierende Missstimmung dürfte sich auf die Leistungen des Teams ausgewirkt haben, und Bayer im Verein nicht mehr den erhofften Rückhalt gespürt haben. Trotz teils heftiger medialer Kritik blieb der Ostschweizer gegen aussen ruhig. Nichtsdestotrotz ist der Transfer für sämtliche involvierte Parteien die beste Lösung.

Pesonen und die KHL

Womöglich ist der Job des Nachwuchstrainers besser auf Bayer zugeschnitten als jener des Sportchefs, seine Qualitäten als Ausbildner hat er nicht nur beim SC Bern (Meister mit den Elite-Junioren) bewiesen. In Langnau sollte nun jemand Regie führen, der vollstes Vertrauen geniesst. Zu tun gibt es vieles: Im Frühling 2021 werden 18 Verträge auslaufen, darunter jene von Schlüsselspielern wie Ivars Punnenovs, Andrea Glauser und Harri Pesonen. Wobei Letzterer schon in diesem Sommer weiterziehen könnte: Dem Vernehmen nach hat er ein lukratives Angebot aus der russischen KHL vorliegen. Und weil der finnische Topskorer, der in 104 Meisterschaftspielen für die Tigers 89 Punkte buchte, eine Ausstiegssklausel besitzt, ist sein Abgang alles andere als ausgeschlossen.

In der vergangenen Saison war Harri Pesonen Langnaus offensive Lebensversicherung.
In der vergangenen Saison war Harri Pesonen Langnaus offensive Lebensversicherung.
Foto: Raphael Moser

Es wäre ein herber Dämpfer für die Emmentaler, der Transfer würde in der angespannten finanziellen Lage aber zumindest etwas Geld in die Kasse spülen. Wegen dem Coronavirus sind viele Fragen offen, klar ist einzig, dass es bei den Tigers derzeit einen Einstellungsstopp gibt. Die Trainerfrage geniesst vorerst keine Priorität, auch ein Nachfolger für Sportchef Bayer wird weder heute noch morgen präsentiert. Aufgrund der knappen Mittel käme eine interne Lösung gewiss nicht ungelegen.