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Jenni deckt aufLand in Sicht

Einfach sich treiben lassen und den Tag verbummeln. Mit einer Anreise ohne Blechlawine. Geht das? Klar, im Westen immer, und zwar im Jura.

Ausflug in den Jura: Reizvolle Landschaft und viele verlockende Bergbeizen, im Bild die Ferme des Brandt bei La Chaux-de-Fonds.
Ausflug in den Jura: Reizvolle Landschaft und viele verlockende Bergbeizen, im Bild die Ferme des Brandt bei La Chaux-de-Fonds.
Foto: PD

Der Jura ist mehr als ein reizvoller Landstrich. Jura heissen gleich mehrere Gebirge und Landschaften, Jura heisst ein französisches Departement, der jüngste Schweizer Kanton, eine schottische Hebrideninsel, ein Kalkstein, ein Abschnitt des Erdmittelalters. Zahlreiche Wege führen durch den Schweizer Jura. Als nordöstlicher Ausläufer des Tafeljuras beginnt der Jura schon im Kanton Schaffhausen. Klar, mehr geologisch als emotional. Denn wer denkt schon am Rheinfall an den Jura? Eben! Den Jurapark Aargau lasse ich links liegen und starte meine Tour nach Westen im Oberbaselbiet. Land zum Entdecken!

Bitte mehr davon

Imbiss im Bergrestaurant Vogelberg.
Imbiss im Bergrestaurant Vogelberg.
Foto: PD

Verschlafene Dörfer, in denen am Morgen der krähende Hahn von der schlagenden Kirchturmglocke abgelöst wird, wechseln mit endlosen Weiden, auf denen sich die Kühe an schmackhaften Gänseblümchen delektieren, derweil sich im Bergrestaurant Vogelberg oberhalb von Lauwil (Anfahrtsplan beachten) die Stammgäste von Patron und Koch Armin Baumgartner fragen, ob sie sich vor dem Cordon bleu noch einen Ochsenmaulsalat genehmigen, während draussen auf der Holzbank der Herr Pfarrer sitzt und sich bei einem Brasato und einer Flasche Rotwein die Predigt vom Sonntag ausdenkt. Alltag auf dem Lande.

Vogelberg, Lauwil BL,

Tel. 061 941 10 84,

www.bergrestaurant-vogelberg.ch

Di bis Do und So von 9 bis 18, Fr und Sa von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Tipp: Bei der Brennerei Wirz in Reigoldswil eine Flasche Framboise ergattern.

Wie die Bäumlein draussen zittern

Plättli in der Besenbeiz Remel.
Plättli in der Besenbeiz Remel.
Foto: PD

Auf dem Chall (PW-Parkplätze vorhanden) zwischen Mariastein und Laufen können Wanderer im Frühtau mit viel Glück einen ansässigen Luchs beim Herumstreunen beobachten oder auf dem Remelturm die Alpenkette bestaunen, sofern das Wetter mitspielt. Auf 723 Meter über Meer wartet die einfache wie gemütliche Remel-Besenbeiz auf ihre Gäste. Ute und Peter Kägi bieten eine saisonale Suppe, Hummus, diverse Vesperbretter, einen Wurstsalat und ein luftig leichtes Fondue an. Wiederholungstäter verpassen auf keinen Fall den Streusel oder die Linzer, im Wissen, dass es wieder zu Fuss zurückgeht.

Besenbeiz Remel, Kleinlützel SO,

Tel. 077 465 22 40,

www.besenbeiz-remel.business.site

Sa und So von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Anrufe sind dann nicht möglich.

Tipp: Das Kloster Mariastein besichtigen.

Nur zu Fuss

Bekannt für sein Frühstück: das Restaurant Hofbergli.
Bekannt für sein Frühstück: das Restaurant Hofbergli.
PD

Hier gibts jede Menge Aussicht. Dazu einen Hackbraten mit Stampf oder eine Käseschnitte der besseren Art. Je nachdem, wonach Gabi Fischer und Andreas Deola gerade zumute ist. Alles wird liebevoll zubereitet und aufgetischt. Bekannt ist das Hofbergli für sein Frühstück mit Rösti und Speck und für die hausgemachte Züpfe. Kuchen, Zvieriteller und Suppen runden das Angebot ab. Beim Einkauf werden biologische Produkte bevorzugt, ohne dass ein grosses Tamtam darum gemacht wird. Der Betrieb umfasst 44 Hektaren Land mit Weiden, Heuwiesen, Wald, zufriedenen Viechern und Gästen.

Hofbergli, ob Günsberg SO

Tel. 032 637 15 03,

www.bergwirtschaft.hofbergli.ch

Fr 11 bis 18, Sa und So von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten können ändern.

Tipp: Solothurn erkunden und im Baseltor übernachten.

Zu Tisch

Wie eine Zeitreise: die Gaststätte Chez le Baron.
Wie eine Zeitreise: die Gaststätte Chez le Baron.
Foto: Marco Aste

Um die Ecke schläft die Katze, im Gehege stolziert der Pfau, und in der Stube begrüsst Jacqueline Guyot ihre Gäste. Die Gaststube schmücken zwanzig Standuhren und einige Pendulen. Das abgelegene Gasthaus wird von Tochter Jacqueline geführt, in der Küche steht Mutter Janine Guyot. Ein Mittagessen im Chez le Baron ist für Puristen eine Reise nach damals. Trendsetter lassen es lieber bleiben. Die Gäste sitzen an mit weissen Papiertischtüchern eingedeckten Tischen (bei der Reservation verlangen), und das Essen kann mit einem Absinth und etwas Wurst beginnen, gefolgt von einer Gemüsesuppe, einem Salat und Poulet aus dem Ofen. Dazu passen die Weine von Lokalmatador Valentin Blattner. Den Abschluss bildet eine Cremeschnitte, und die Framboise hilft, das opulente Mahl zu verdauen. Die Uhren ticken, die Glocken schlagen, ab und zu wird eine Uhr verkauft, ihre Anzahl variiert, das Ticken bleibt, die Gäste auch.

Chez le Baron 59, Epauvillers JU

Tel. 032 461 35 41,

Keine Website. Nur auf Voranmeldung geöffnet.

Tipp: Als Appetitanreger wartet das Bad im Doubs oder eine Runde St-Ursanne.

Dem Himmel so nah

Ganz in der Nähe der Stadt Biel lockt der ländliche Charme des Restaurant Aux Trois Amis.
Ganz in der Nähe der Stadt Biel lockt der ländliche Charme des Restaurant Aux Trois Amis.
Foto: PD

Einige Kilometer von Biel entfernt lockt oberhalb von Ligerz in Schernelz das Aux Trois Amis mit seiner Gunstterrasse und Blick über den See und die St. Petersinsel bis hin zur Alpenkette. Die Weinempfehlungen von Gastgeberin Cynthia Lauper sind spannend und decken lokales, regionales, nationales und internationales Winzerschaffen ab. Wer sich kulinarisch verwöhnen lässt, sitzt beim siebengängigen Menü von Marc Joshua Engel in der ersten Reihe. Seine Küche ist spielerisch leicht und doch nicht abgehoben, fordert den Gaumen, aber überfordert ihn nicht. Nur Fisch essen geht natürlich auch, wäre aber schade.

Aux Trois Amis, Schernelz BE

Tel. 032 315 11 44,

www.aux3amis.ch

Mi bis Sa ab 11.30, So von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet.

Tipp: Eine Weindegustation bei der Familie Steiner in Schernelz.

Die Leichtigkeit in der Schwere

Hier fühlen sich Fleischliebhaber zu Hause: Métairie de Dombresson.
Hier fühlen sich Fleischliebhaber zu Hause: Métairie de Dombresson.
Foto: PD

Leicht ist die Küche von Chantal Torche in ihrer Métairie de Dombresson mitten im Chasseral nicht. Muss sie auch nicht sein. Vorab einen Ballon Weissen mit einer würzigen Trockenwurst von Metzgermeister Junot aus Corgémont, bevor es zu einem saftigen Beinschinken geht und das butterzarte Rindsfilet mit einer exzellenten Morchelsauce und einer perfekten Rösti den Appetit schachmatt setzt. Dazu einen Neuenburger Roten und zur Verdauung einen Enzian, der mich auch noch nach vier Stunden daran erinnert, wie gut das Essen war.

Métairie de Dombresson, Alpage Chasseral NE

Tel. 032 751 20 10,

www.buvettes-alpage.ch/dombresson

Bis Ende Oktober täglich ab 10 Uhr geöffnet.

Tipp: Weiter ins Val-de-Travers fahren und die Mauler-Kellerei und ihre Schaumweine entdecken.

Die Stadt auf dem Land

Zu Gast im Gewölbekeller der ferme des Brandt.
Zu Gast im Gewölbekeller der ferme des Brandt.
Foto: PD

Erst wer durch die Strassen von La Chaux-de-Fonds streift und in den Beizen sitzen bleibt, lernt die Stadt kennen, verstehen und vielleicht lieben. Ein guter Einstieg wäre «La Chaux-de-Fonds à pied», ein zweistündiger Rundgang, der zu den Denkmälern und Sehenswürdigkeiten führt. Das eigenwilligste Lokal der Stadt ist die an der Peripherie gelegene Ferme des Brandt. Sie überzeugt seit Jahren mit einer guten Terroir-Küche und einer durchdachten Weinauswahl. Wer hier einmal ein Poulet mit Morcheln isst und dazu einen Vin jaune trinkt, weiss, wovon ich rede. Ob im archaischen Inneren des historischen Hauses oder im verträumten Garten Gastgeber und Koch Cyril Tribut und seine Beizenphilosophie sind den Besuch wert.

La Ferme des Brandt, La Chaux-de-Fonds NE,

Tel. 032 968 59 89,

http://www.fermedesbrandt.ch/

Di und Do bis Sa von 11 bis 15 und ab 18.30 Uhr geöffnet, So von 11 bis 17 Uhr.

Tipp: Käsefreunde kommen vor Ort am Maison du Fromage von Pierre-Alain Sterchi nicht vorbei.

Madame kocht, Monsieur serviert

Hier geht’s elegant zu und her: die Auberge Communale l’Ecusson Vaudois.
Hier geht’s elegant zu und her: die Auberge Communale l’Ecusson Vaudois.
Foto: PD

Dominique Favre schwingt in der Auberge Communale die Kochlöffel und trumpft mit Gerichten auf, bei denen Köche alles falsch oder alles richtig machen, je nach Talent, Arbeitsmoral und ihrem Verständnis für die Produkte. Zum Beispiel bei Foie gras, Croûtes aux morilles, Filets de Perche und Filet de Bœuf Rossini. Steht das Halali vor der Tür, versorgen die Jäger das Haus mit lokalem Wild und Madame ihre Kunden mit Wildklassikern, derweil Christian Favre die Gäste mit Herzlichkeit bedient und mit würzigen Bonmots unterhält. Essen in der Provinz kann so unkompliziert schön sein.

Auberge Communale l’Ecusson Vaudois, Provence VD

Place de l’Eglise 6,

Tel. 024 434 11 43

Mi bis Sa ganzer Tag, So nur mittags geöffnet

Tipp: In Provence die Käserei besuchen.

Im Frühtau zu Berge

Inmitten saftiger Wiesen: das Chalet des Croisettes.
Inmitten saftiger Wiesen: das Chalet des Croisettes.
Foto: Marco Aste

Abgelegen, ohne Weitsicht und Seeblick, dafür umgeben von Tannenbäumen und saftigen Wiesen, so weit das Auge reicht, steht die Ferme d’Alpage Les Croisettes. Muss man dorthin? Man muss! Wild, deftig, bodenständig und eigenwillig schön ist es hier. Das Fondue dampft, das Raclette läuft, die Tarte verlässt mit knusprigem Rand den Holzofen, ich sitze in der Mitte des Hauses und lasse es mir gut ergehen. Im Des Croisettes besteht akute «Sitzbleibgefahr», die durch die einfachen Spezialitäten in Spitzenqualität verursacht wird. Kompliment an Roseline und Louis-François Berney für ihre Oase und für die beschaulichen Momente in den letzten Jahrzehnten.

Chalet des Croisettes, L’Abbaye VD

Tel. 021 841 16 68,

www.lescroisettes.ch

Mi bis So ab 9 Uhr geöffnet.

Tipp: Durch das Vallée de Joux nach Romainmôtier fahren und dort die Abteikirche besichtigen.