Rotznasen-Philosophie

Das Theater an der Effingerstrasse präsentiert mit «Burn Baby Burn» ein Stück über Aussteiger. Jugendliche spielen mit dem Feuer, aber der Funke springt nicht rüber.

Die Coolness der Aussteiger langweilte rasch.

Die Coolness der Aussteiger langweilte rasch. Bild: Severin Nowacki

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An einer verlassenen Tankstelle wohnt ein hyperaktiver Gnom. Es ist Erla (Julia Sewing), ein offensichtlich obdachloses Mädchen. Mit vielen Lügengeschichten dichtet es sich ein schönes Leben zusammen.

Da taucht Violette (Eva-Maria Weingärtler) auf und sucht nach Benzin für ihr Mofa. Die beiden sind zuerst wie Feuer und Wasser, fordern einander heraus und werden zuletzt Freundinnen. Als der Pizzabote Issa (Aaron Frederik Defant) dazu stösst, kommt es zum Drama.

«Burn Baby Burn» stammt aus der Feder der 1974 in Paris geborenen Carine Lacroix. Das Theater an der Effingerstrasse präsentiert in einer Schweizer Erstaufführung die deutsche Fassung.

Auch wenn an einer Tankstelle (Bühne: Peter Aeschbacher) mit Feuer gespielt wird – bei der Inszenierung von Petra Schönwald springt der Funke nicht rüber. Pubertäres Gelaber, klischierte Figuren und überdrehte Szenen ergeben ein unstimmiges Ganzes. Es wird mit einem Revolver gefuchtelt, harte Drogen ausgepackt und Techno eingespielt.

Punkto Action geht hier so viel wie bei «Räuber Hotzenplotz» oder «Pippi Langstrumpf». Tatsächlich glaubte man sich bei so viel Rotznasenphilosophie und Rumgeturne im Kindertheater, wären da nicht die vielen Kraftausdrücke.

Tot oder im Stich gelassen

Die aufgesetzte Coolness langweilt rasch. Man ahnt, dass die Darsteller durchaus Potenzial hätten. Eva-Maria Weingärtler vermag als zynisch kalte Göre zu überzeugen. Viel zu klischiert gezeichnet ist ihre Gegenspielerin. Julia Sewing zappelt als treu­doofes Hippiekind herum, schaut in die Sterne oder sagt bedeutungsschwangere Sätze wie «Der Schmerz verlässt uns nie».

Mag sein, dass das Stück auf Französisch etwas besser funktioniert, der deutsche Text klingt zeit­weise nach Rosamunde Pilcher. «Stimmt es, dass du keine Mutter mehr hast? Ist sie tot, oder hat sie dich im Stich gelassen?» Tränen der Rührung bleiben aus. Brennen tut am Ende weder die Tankstelle noch der Zuschauer.

Vorstellungen:bis 9. 2. im Theater an der Effingerstrasse, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.01.2018, 10:50 Uhr

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