Rauch im Schlossturm

Bern

Das Laster des Rauchens mal anders beleuchtet: Unter dem Titel «Rauchzeichen» startet das dritte Festival Schloss Holligen. Uwe Schönbeck führt Regie im humoristischen Einakter.

Todd Boyce und Muriel Schwarz auf der kleinen Bühne im Schloss ganz in ihrer Rolle: Genussvoll am Rauchen.

Todd Boyce und Muriel Schwarz auf der kleinen Bühne im Schloss ganz in ihrer Rolle: Genussvoll am Rauchen.

(Bild: Christian Mattis / PD)

Es ist ruhig im Schlossgarten, der hinter den hohen Hecken im Dreieck zwischen Tramlinien und Hauptverkehrsachsen beim Loryplatz liegt. So ruhig, dass vage zu vernehmen ist, dass sich im Turm des Schlosses Holligen etwas tut. Die Klänge von Instrumenten und einer Singstimme locken einen in das Obergeschoss des Turms, wo gerade an der Kammeroper «Il Segreto di Susanna» geprobt wird.

Geheime Leidenschaft

Vorne in der linken Ecke des quadratischen Raums drapiert sich ein Kammerensemble, rechts davon steht eine kleine Bühne. Es wird eine Soloszene geprobt: Verstohlen greift Muriel Schwarz in der Rolle als Susanna in die Schublade, bringt ein Päckchen Zigaretten zum Vorschein und zündet sich genussvoll eine an. Das Laster des Rauchens, dem sich Susanna hingibt, ist das kleine Geheimnis, von dem der humoristische Einakter von Ermanno Wolf-Ferrari handelt. Susannas Ehemann, der Graf Gil (gespielt von Bariton ToddBoyce), gerät deswegen in grösste Eifersucht. Er glaubt wegen Susannas Geheimtuerei, dass sie einen Liebhaber hat. Als diese ihm schliesslich ihr Geheimnis verrät, beschliesst auch er, mit dem Rauchen anzufangen.

Unsichtbare Regie

Während zweier Wochen dreht sich im Schloss Holligen also alles ums Qualmen. Eingespannt in die Produktion ist der Tausendsassa Uwe Schönbeck – ausnahmsweise nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne. Bei der Kammeroper übernimmt er die Regie. «Die Arbeit mit Sängerinnen und Sängern macht mir grossen Spass», sagt Schönbeck. «Aus meiner 36-jährigen Erfahrung in Oper und Schauspiel geniesse ich es, Verantwortung abzugeben.» Das sei letztlich auch wichtig für die Darstellenden: «Eine Regie ist dann gut, wenn man sie nicht sieht. Ich möchte, dass die Darstellenden auf der Bühne gut aussehen und dass alles organisch geschieht.»

Das widerspiegelt sich in der Probe, in der Muriel Schwarz gerade eine Stelle mit dem Orchester wiederholt. Das Ensemble diskutiert, wie die Sängerin in ihrer Partie möglichst frei agieren kann, ohne den Kontakt zu den Musikerinnen und Musikern zu verlieren. Das sei es, was das Ensemble in der kurzen Probezeit vor allem beschäftige, so Schönbeck: «Das Publikum ist sehr nah dran. Ein falscher Blick auf der Bühne überträgt sich viel stärker als in einem Haus, wo noch der Orchestergraben dazwischen ist. Man muss sorgfältig arbeiten.»

«Mir wurde zweimal von jungen Leuten zum Vorwurf gemacht, dass ihnen durch Überkonzeption in der Regie nicht die Chance gegeben worden sei, ein Stück wirklich kennen zu lernen», sagt Schönbeck. Daher legten sie hier nun Wert auf einen klassischen Eindruck in Bühnenbild und Ausstattung.

Politisch unkorrekt

Die Arbeit als Regisseur mache ihm Spass, so Schönbeck, doch ist er sich sicher: «Ich strebe keinen Berufswechsel zum Regisseur an, denn ich freue mich immer wieder über mein farbiges Berufsbild.» Daher tritt er am Festival Schloss Holligen auch selbst vor das Publikum. Zusammen mit dem Organisten und Pianisten Wieslaw Pipczynski widmet sich Schönbeck im Programm «Hesch Füür?» der Kulturgeschichte des Rauchens. Schönbeck: «Man kann natürlich sehr ernsthaft über das Rauchen reden. Aber die Idee zu ‹Hesch Füür?› entstand aus dem Gedanken: Wenn wir so politisch unkorrekt sind und das Rauchen zum Thema machen, dann geben wir noch einen drauf.» Schönbeck lacht, lehnt sich zurück und zündet sich dabei eine Zigarette an.

Festival: 15. bis 31.8. Infos unter www.schlossholligen.ch.

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