Thuner Metal-Notar erobert Europa

Als Sänger der Power-Metal-Band Gloryhammer hat der Thuner Notar Thomas Winkler eben eine Europa­tour erfolgreich beendet: In 24 Tagen trat er in 23 Städten vor insgesamt mehr als 20'000 Fans auf.

Thomas Winkler (l.) dirigiert als Frontmann der Metal-Band Gloryhammer das Publikum.

Thomas Winkler (l.) dirigiert als Frontmann der Metal-Band Gloryhammer das Publikum. Bild: PD/Jaakko Kemppainen

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«Es war Morgen früh, vielleicht halb sechs, als uns der Tourmanager in einer Panik aufweckte mit dem Befehl, den Bus sofort zu verlassen. Wir dachten schon, der Bus brenne oder die Fähre sinke.»

Es war am Morgen vor dem letzten Konzert der ersten grossen Europatour der Band Gloryhammer. Die Band war via Calais mit der Fähre nach Dover gereist, am Abend stand zum Tourschluss ein ausverkauftes Konzert vor rund 1200 Personen in London auf dem Programm.

«Es stellte sich dann heraus, dass zwar nichts brannte – aber der Tourbus nicht mehr anspringen wollte», berichtet der Sänger der Band, der ­Thuner Thomas Winkler, weiter. «Weil die Reederei den Fährfahrplan unbedingt einhalten wollte, wurde uns erklärt, dass der Bus mit der Fähre wieder zurück nach Frankreich reise, wenn er nicht ab dem Schiff fahren könne.»

Gepäck von Hand gerettet

Also packten Winkler, seine britischen Bandkollegen, die Musiker der Vorband Civil War aus Schweden sowie Tourmanager und technisches Personal selber an und schleppten ihr persönliches Gepäck sowie den Anhänger mit rund anderthalb Tonnen Material selber vom Schiff. «So schafften wir es am Ende, am Abend das Konzert in London wie geplant zu spielen», berichtet Winkler nach der Tour zurück in Thun.

Das Konzert sei eines der spektakulärsten auf der ganzen 24 Tage dauernden Tour gewesen, sagt der 32-Jährige, der in Thun ein Notariat betreibt, wenn er nicht gerade in einem grünen Kostüm Metal-Fans in ganz Europa verzückt. «Das hat wohl damit zu tun, dass ich endlich wieder richtig fit war und den Abend in vollen Zügen geniessen konnte – aber auch damit, dass das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton voll mitgegangen ist.»

11 der 24 angesagten Konzerte in ganz Europa waren ausverkauft. Eines konnte indes nicht stattfinden: «19 Menschen im Winter wochenlang in einem Bus: Das konnte nicht gut gehen», sagt Winkler. «Zunächst erkrankte der Sänger von Civil War und musste für zwei Konzerte aussetzen – und in Burglengenfeld in Deutschland erwischte es auch mich, sodass wir unseren Auftritt dort absagen mussten.» Dank Antibiotika und einem Cocktail von Naturheilmitteln habe er dann aber die verbleibenden sieben Konzerte noch absolvieren können.

Erfolgreicher als erwartet

Dass die «Tour of the Chaos ­Wizards» so erfolgreich werden würde, wie sie es nun war, habe im Vorfeld nicht einmal das Management, geschweige denn die Band erwartet, beteuert Winkler. «Dass wir so viele Lokale füllen und zum Teil vor 1500 Fans auftreten konnten, ist schon bemerkenswert», sagt der Sänger, der unter dem Künstlernamen Angus McFife auftritt (vgl. Kasten).

Er glaubt denn auch, dass sich die ­erfolgreiche Tour zum Jahres­auftakt positiv auf die kommenden Konzerte auswirkt, beziehungsweise auf die Auftrittszeiten an den Festivals im Sommer. «Ich habe gesehen, dass wir für das Masters-of-Rock-Festival in Tschechien vor Szenegrössen wie Annihilator oder In Extremo aufgeführt werden», sagt Winkler. «Das nährt die Hoffnung, dass wir künftig attraktivere Auftrittszeiten erhalten.»

Endlich ans Greenfield?

Wer weiss: Vielleicht werden auch die Schweizer Veranstalter auf die Band aufmerksam, die drauf und dran ist, sich auch über die Metal-Szene hinaus einen ­Namen zu machen. «Als Thuner wäre es für mich natürlich schon grossartig, wenn ich einmal am Greenfield Festival spielen könnte», sagt Thomas Winkler.

Und wenn die nun beendete Europatour nicht Visitenkarte genug ist, wird es vielleicht das nächste Album, das Anfang 2019 erscheinen soll. «Wir sind motiviert und arbeiten an neuen Songs», sagt Winkler – und fügt selbstbewusst an: «So wie es zuletzt gelaufen ist, liegt vielleicht eine Klassierung in den Top 10 der deutschen Hitparade drin.» Was dann definitiv eine 1a-Bewerbung zuhanden der Schweizer Festivalveranstalter wäre.

Gloryhammer in Bild und Ton: Der Videoclip zum Song «Angus McFife». Quelle: Youtube/Napalm Records

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.02.2018, 12:28 Uhr

Die Band-Geschichte

Die Power-Metal-Band Gloryhammer veröffentlichte 2013 ihr Debütalbum «Tales from the Kingdom of Fife», 2015 folgte «Space 1992: Rise of the Chaos Wizards». «Jedes unserer Alben erzählt eine eigene Geschichte», sagt der Thuner Frontmann Thomas Winkler. Es sind offensichtlich die weltberühmten Sagen wie «Lord of the Rings» oder «Star Wars», die Pate stehen im Kreativprozess von Gloryhammer. «Viele Exponenten der Power-Metal-Szene nehmen die ganzen ­Geschichten ums Mittelalter mit Drachen und Rittern wirklich ernst», sagt Winkler. «Wir sehen unsere Musik und unser Auftreten eher als Satire auf diese Szene.»


Thomas Winkler

Während Sänger Winkler den schottischen Prinzen Angus McFife mimt, inszenieren sich seine Mitmusiker als Barbar Hootsman (James Cartwright, Bass), Ritter Ser Proletius (Paul Templing, Gitarre), mysteriöser Landstreicher Relathor (Ben Turk, Schlagzeug) und böser Zauberer Wizard Zargothrax (Bandgründer Christopher ­Bowes, Keyboard). Letzterer hat Winkler zufällig auf einem Video entdeckt und ihn an­gefragt, ob er Sänger von Gloryhammer werden wolle.

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