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Sei gefälligst (k)eine Dame

Die 24-jährige Amerikanerin Camille Rainville hat den Text zum Video «Be a Lady» verfasst, das sich zurzeit weltweit verbreitet.

Camille Rainvilles Worte sind die neue Hymne gegen den alltäglichen Sexismus. Foto: PD
Camille Rainvilles Worte sind die neue Hymne gegen den alltäglichen Sexismus. Foto: PD

Das Internet ist ein Wiederkäuer, das erlebt Camille Rainville gerade zum zweiten Mal in ihrem Leben. Die heute 24-jährige amerikanische Studentin hatte im Dezember 2017 einen Blog eröffnet, weil sie einen Ort für ihre persönlichen Texte wollte. Rainville liess sich damals an der Universität in Vermont zur Pflegerin ausbilden. Während der Lernphase in der Bibliothek schrieb sie Essays für sich selbst.

Zunächst teilte sie einen bestimmten Text nur mit engen Freunden und auf ihrer Facebook-Seite. Dann verselbstständigte sich die Verbreitung des Textes, plötzlich tauchte er auf verschiedenen Social-Media-Kanälen auf. Rainville beschloss daraufhin, so erklärt sie es auf ihrem Blog, jenen Onlineraum zu schaffen. Für sich und für ihre Essays, die vielleicht noch etwas «amateurhaft» seien, «unredigiert» und «emotional unausgegoren». Rainville nannte den Blog «Writings of a Furious Woman», verschriftlichte Gedanken einer wütenden Frau. Gleich nach der Gründung postete sie das Stück «Be a Lady».

Genau dieser Text ist es, der sich in diesen Tagen erneut verbreitet – weltweit. Das Magazin «Girls, Girls, Girls» hatte den drei Jahre alten Essay für ein Video verwendet, gesprochen wird er von der amerikanischen Schauspielerin Cynthia Nixon, die direkt in die Kamera blickt. In «Sex and the City» spielte Nixon die gradlinige, starke Anwältin Miranda. Sie ist eine feministische Autorität. Auch deshalb wirkt das Gesprochene wie eine Ansage.

Das Magazin «Girls, Girls, Girls» lässt in seinem Video die Schauspielerin Cynthia Nixon Camille Rainvilles Text sprechen. Foto: Axel Schmidt (AP)
Das Magazin «Girls, Girls, Girls» lässt in seinem Video die Schauspielerin Cynthia Nixon Camille Rainvilles Text sprechen. Foto: Axel Schmidt (AP)

«Sei eine Dame, sagten sie», beginnt Rainvilles Text, den Nixon vor der Kamera wortwörtlich wiedergibt. «Dein Rock ist zu kurz, dein Shirt hängt zu tief. Zeige nicht so viel Haut, verschleiere dich, überlasse noch etwas der Fantasie. Sei sexy, sei heiss, sei nicht so aufreizend, du forderst es heraus.»

Und in diesem Rhythmus geht es weiter, begleitet von Bildern aus der Welt der Mode, der Kunst, der Boulevardpresse: «Sei eine Dame, sagten sie. Sei nicht zu dick, sei nicht zu dünn. Iss auf, nimm ab, hör auf, so viel zu essen. Sei eine Size Zero, eine Doppelnull, ein Nichts.»

Das Video kursierte, sobald Harvey Weinstein verurteilt worden war. Über 2,6 Millionen Mal wurde der Clip allein auf dem Instagram-Account des Magazins angeklickt. Die Untertitel sind in diversen Sprachen verfügbar, Rainville ist als Urheberin genannt. Viele Frauen feiern das Video als Kampfansage an die Gesellschaft, weil sie permanent Erwartungen an Frauen formuliert und dies allzu oft sehr widersprüchlich tut. Rainvilles Worte sind die neue Hymne gegen den alltäglichen Sexismus.

Was die Autorin davon hält, dass ihr Text gerade wieder sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, ist nicht bekannt. Auf ihrem Blog gehen zu «Be a Lady» seit dem Video ständig neue Kommentare ein. Rainville hat bislang nicht reagiert.

Ihren letzten Blogeintrag hat sie im Mai 2018 verfasst. In «Meditative Monotony» steht sinngemäss in den letzten Zeilen: «Sie aber ist weit weg. Sie versucht noch, nach diesem Moment zu greifen. Aber ihre Bemühung schlägt fehl. Es entgleitet ihr.» Gefolgt vom Hinweis, den Beitrag auf Social Media zu teilen.

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