Rock im Blut

«This Is Rock» heisst die Show, die Das Zelt am Samstag und am Montag in Bern zeigt. Zum Ensemble gehören auch Mark Fox von Shakra und Marc Storace von Krokus.

Die Gitarre, phallisches Symbol traditioneller Rockmusik.

Die Gitarre, phallisches Symbol traditioneller Rockmusik.

(Bild: Getty/iStock)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

«This Is Rock» ist eine neue Show, sie erzählt die Geschichte des britischstämmigen Rock und ihrer Giganten von den 60er- bis in die 90er-Jahre. Welche Bands haben Sie persönlich geprägt?
Mark Fox: Leider habe ich in meinen 40 Jahren die Blüte des Rock nicht mehr ganz miterlebt, hatte aber das Glück, dass diese Bands trotzdem zu meiner Jugend gehörten, weil viele halt auch nie auf­hörten. Am meisten beeinflusst haben mich AC/DC und Guns N’ Roses.
Marc Storace: Nun, ich bin 1951 auf Malta geboren. Am Anfang hatte ich nur selten die Möglichkeit, Musik zu geniessen. Aber die kleine Kneipe an unserer Strassenecke hatte eine Jukebox, die ballerte die neuesten Hits in grosser Lautstärke raus. Ganz früh mochte ich Chuck Berry oder Fats Domino. Dann folgten Ray Charles und Elvis Presley, aber natürlich auch die Beatles und die Rolling Stones. Später entdeckte ich Bands wie The Kinks, The Animals, Pink Floyd, Deep Purple oder Led Zeppelin. Prägend waren Black Sabbath. Und als ich dann Yes und Genesis hörte, wurde ich ein grosser Fan der progressiven Musik.


«Zum Rockstar wird man nicht durch Castingshows,» sagt Mark Fox (40, r.), Frontmann der Hardrockband Shakra. Bild: imago

Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?
Mark Fox: Was mich am meisten prägte, war die Art zu singen. Es ist nicht etwas, das man einfach so lernen kann. Es ist Ausdruck von Emotionen. Ich nehme aus diesen Zeiten ein grosses Erbe mit und hoffe, dass ich es den jüngeren Generationen gebührend weitergeben kann.
Marc Storace: Eigentlich habe ich aus meiner Jugendzeit alles mitgenommen, was meine Musik in der Zukunft prägen sollte. Ich fühlte mich damals wie ein Schwamm, habe alles aufgesogen. Heute geniesse ich es, der Jugend zu erzählen, wie es zu jener Zeit war, weil es ja nie wieder so sein wird. Es gab eine grosse Szene. Wir waren alle durch Idealismus verbunden – nicht nur in der Musik, auch in der Mode, der Kunst und der Philosophie. Viele der Ideen von früher finden sich auch in neuen Songs wieder. Das ist doch toll.

Was macht heute den Rocker-Lifestyle aus? Was ist noch übrig von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll?
Mark Fox: Sex und Rock ’n’ Roll sind definitiv geblieben, Drugs eigentlich gar nicht, was auch gut ist so. Man kann Rebellion auch anders ausdrücken als mit Selbstzerstörung, wie das früher vielleicht rübergekommen ist. Denn es ging ja nie um Drogen, obwohl gewisse Koryphäen natürlich damit in Verbindung gebracht werden. Ich glaube aber nicht, dass diese Leute das so wollten. Es war halt eine andere Zeit, und man kannte die Auswirkungen noch nicht so ganz, wie man es heute tut.
Marc Storace: Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, das heisst heute für mich: ein paar After-Show-Bierchen und vielleicht einen Shot mit den Kumpels trinken, eine kuschelige Nacht mit meiner Braut verbringen und starken Kaffee am Morgen zu mir nehmen. Ich lebe heute viel gesünder als damals, vor allem, wenn ich am nächsten Tag auf die Bühne muss. Früher konnte ich mich nach einer langen Party schneller erholen.


«Auch Rockstars sind nur Menschen», sagt Marc Storace (67), Sänger und Songschreiber der Rockband Krokus. Bild: Christian Pfander

Gibt es heute überhaupt noch echte Rockstars?
Mark Fox: Absolut. Man muss sich nur anschauen, wer sich in dieser Szene über all die Jahre gehalten hat. Und auch neue Rockstars werden geboren, nur wissen wir noch nichts von ihnen. Denn zum Rockstar wird man nicht durch Castingshows, sondern durch Leidenschaft.
Marc Storace: Ich bin ein echter Rockstar!

Wie sieht denn ein heutiger Rockstar aus?
Mark Fox: Nun, das ist schwierig geworden. Wir leben in einer Zeit, in der die Industrie bestimmt, wie die Leute auszusehen haben, auch die Rockstars. Komischerweise fühlen sich die Jungen heutzutage als Individualisten, obwohl sie es überhaupt nicht sind. Alles in allem glaube ich aber nicht, dass das Äussere bestimmt, ob du ein Rockstar bist oder nicht. Es ist eher die Ausstrahlung, die dich umgibt, ganz zum Ärger der Multis, denn Aura kann man nicht verkaufen.
Marc Storace: Hallooo?

Wie altert man als Rocker würdig?
Mark Fox: Lustige Frage. Wie jeder andere auch. Einfach merken, was einem guttut und sich dementsprechend verhalten. Der beste Tipp ist jedoch immer, sich nicht zu verbiegen und sich selbst treu zu bleiben.
Marc Storace: Ein Rocker sollte wie jeder andere Mensch auf seine Gesundheit achten, sonst wird er seinen Job nicht machen können. Man wird älter, aber auch weiser. Wenn ein Rockstar Kinder in die Welt setzt, dann wird er zum Papa-Rockstar: Die Pflicht, ein gutes Beispiel zu sein, nimmt zu. Wir alle machen Fehler. Aus diesen lernen wir am besten selber. Auch Rockstars sind nur Menschen.

Die Teufelshörnchen, Handzeichen «satanischer» Rockfans. Bild: Getty/iStock

Berner Zeitung

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