Zum Hauptinhalt springen

Zünde mich an!

So, einmal kurz alle zurücklehnen und entspannen: Die vermeintlich neue Taylor Swift ist auf dem sechsten Album «Reputation» weitestgehend noch ganz die Alte.

Der offizielle Videoclip zu «…Ready For It?» vom neuen Album «Reputation». Quelle: Youtube/TaylorSwiftVEVO

Mit dem neuen Album schien es bei Taylor Swift, dem bis dato skandalfreien, mit 40 Millionen verkauften Alben erfolgreichsten Popstar auf Erden, nicht so recht zu klappen. Die Vorabsingle «Look What You Made Me Do», eine plakative Replik auf einen Streit um Songzeilen, den Swift mit ihrem Erzrivalen Kanye West und dessen Gattin Kim Karda­shian im Sommer 2016 ausge­fochten hatte, roch nach beleidigtem Nachtreten.

Swift schoss Singles im Wochentakt nach, gab keine Vorabinterviews zum Album und steht vor allem in den USA in der Kritik, weil sie sich nicht deutlich gegen den Rechtsextremismus im Land ausspreche, wo sie doch von Nazihetzseiten wie «Breitbart» oder «The Daily Stormer» als Gesinnungsgenossin vereinnahmt oder gar als «pure, arische Göttin» bezeichnet wird.

Weitere Attacke für Kanye

Vor diesem Hintergrund hätte also eine Menge schiefgehen können mit dem wohl am sehnlichsten erwarteten Popalbum der ­Saison. Aber Taylor Swift, Ende 1989 auf einer Weihnachtsbaumfarm in Pennsylvania zur Welt gekommen, hat ganz einfach wieder das getan, was sie seit ihrem Debüt 2006 immer tut: Sie lässt ihre Songs sprechen. Und ringt selbst den messerwetzenden Kritikern, die darauf setzen, dass die vermeintliche Miss Überperfekt endlich strauchelt, Respekt ab.

Sauer ist sie schon, das ist in dieser Galligkeit tatsächlich eine neue Facette in ihrer Musik, insbesondere den Texten. «All the ­liars are calling me one», schimpft Swift in «Call It What You Want», wohl eine weitere Attacke Richtung Camp Kanye, und in «I Did Something Bad», einer kraftvoll-elektronischen Nummer im Stil von «Bad Blood» vom vorherigen «1989»-Album, ruft sie sarkastisch zur eigenen Hexenver­brennung auf: «So light me up, light me up.» Zünde mich an!

Dann gehts in die Badewanne

Der Kern von «Reputation» ist aber nicht zwischenmenschlicher Krawall, sondern die Liebe. Taylor Swift ist seit geraumer Zeit mit dem englischen Schauspieler Joe Alwyn zusammen, und im Gegensatz zum bisherigen Schaffen, das sehr häufig um Ex-Freunde und eher unglück­selig verlaufende Romanzen rotierte, schüttet sie nun kübel­weise erfüllte Liebeslyrik über ihren Hörern aus.

Swift, bislang notorisch männerhüpfend, verspricht ewige Liebe in «Don’t ­Blame Me» («My drug is my baby / I’ll be using for the rest of my ­life»). Auf «Dress» hört man Swift tatsächlich angedeutet stöhnen. «Ich habe dieses Kleid nur gekauft, damit du es mir ausziehst», behauptet sie noch, danach geht es gemeinsam in die Wanne. 27 Jahre alt musste Taylor Swift also werden, bis sie das erste Mal über Sex singt.

Am Schluss entzückt sie, die mal als Countrysängerin angefangen hat, mit der einzigen Pianoballade des Albums, dem wunderschönen «New Year’s Day». Die Szenerie: Am Ende der Sil­vesterparty räumt sie mit ihrem Freund die leeren Flaschen weg. Nein, um Taylor Swift muss sich auch in Zukunft niemand Sorgen machen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch