Wie man als Musikant zu Milliönchen kommt

Soundcheck

«Heimatdonner!» Timmermahn und Troubas Kater spannten in der Matte-Brennerei erstmals zusammen.

Erzähler Timmermahn (rechts) mit aktueller Lieblingsband.

Erzähler Timmermahn (rechts) mit aktueller Lieblingsband.

(Bild: Samuel Mumenthaler)

Das Akkordeon spielt ein paar einsame, Musette-angehauchte Töne. Richtig los gehts im intimen Dekor der Matte-Brennerei unten an der Aare erst, als der Mann mit der silbernen Stachelfrisur und der dunklen Jeansmontur sein Tischlämpchen anknipst und die Lesebrille zurechtrückt. Eine gute Show hat einen klar definierten Anfang und ein ebensolches Ende, das weiss Timmermahn.

Schliesslich ist er seit über fünfzig Jahren im Geschäft: als Maler, Theatermann, Erzähler – als der legendäre Timmermahn eben. Seine letzten Aktivitäten drehten sich um den «Blöffer», dem er schon zwei Theaterstücke auf den Leib geschrieben hat, ausserdem tourt er mit «Love Stories» durchs Land. Jetzt hat er sich mit den Musikern von Troubas Kater zusammengetan, an denen er Gefallen gefunden hat, was bei der jungen, aufstrebenden Band auf Gegenliebe stiess.

«Wirbel Joe isch dankbar gsy für das Räschteli Ghör, wo ihm dr Heiland no het gla.»

Von guter Musik versteht Timmermahn viel. An einem seiner runden Geburtstage spielten gar die Woodstock-Legenden von Canned Heat. Ja man könnte mit gutem Grund behaupten, dass Timmermahns Geschichten rocken und rollen, auch wenn sie im behäbigen Gotthelf-Berndeutsch daherkommen und etwas «ältele». Aber Letzteres gilt ja auch für den Rock’n’Roll.

Diesmal spielt die Musik eine noch grössere Rolle als sonst, denn Timmermahn weiss eine tolle Band an seiner Seite und mit dem Sänger und Rapper Markus «QC» Sollberger einen Mann, der es ebenfalls gut mit den Worten kann. Ihm spielt der Erzähler immer wieder den Ball zu. So weit die timmermahnschen Storys ausschweifen, so schnell und präzise kommt QC zur Sache. Alp trifft auf Agglo, ohne dass das angestrengt wirkt (auch wenn sich sämtliche Beteiligten bei dieser Premiere konzentrieren müssen, um keinen Einsatz zu verpassen).

Intensiv setzt sich Timmermahn mit den so erbarmungs- wie zahllosen Berufskrankheiten der Musiker auseinander und weiss, dass rund 30 Prozent es nicht bis ins Rentenalter schaffen. Doch nicht nur den real existierenden Musikeralltag kennt er, auch längst vergessene Legenden sind ihm geläufig.

Etwa die von Vierstrang-Pole, der bei der Erfindung der «Musig Stubete» zugegen war und dem auf wundersame Weise ein Euter gewachsen ist, dessen rasantem Wachstum letztlich nur der Veterinär Einhalt gebieten konnte. Oder die von Wirbel Joe, der in Armut aufgewachsen war, dem aber ein Trommeltalent und ein gutes Musikgehör in die Wiege gelegt worden waren.

Mit seinem Hit «Buddy Alwens Trenty» brachte er es auf stattliche 100 Milliönchen, doch er blieb bescheiden, ging bis ins Alter an Konzerte von Kollegen und war stets dankbar «für das Räschteli Ghör, wo ihm dr Heiland no het gla».

Zum Schluss singen Troubas Kater Wirbel Joes verschollen geglaubten Evergreen. Die Stimmung wird sentimental, erst recht, als man zur Zugabe gemeinsam «es truurigs, härzbewegends Jodellied» anstimmt. Genug ist genug. Timmermahn knipst das Licht aus, und die Show ist vorbei. Leider bald auch schon in der Matte-Brennerei. Dort sollen nach der Sommerpause keine Konzerte mehr stattfinden.

Für die Rubrik «Soundcheck» sind wir in der regionalen Musikszene unterwegs.

Nächste Events in der Matte-Brennerei: 6.6. Poetry-Slam-Saison­finale; 7.6. The Talk!; 14.6. Bürgi’s Quest feat. Baze Bruchstück.

Berner Zeitung

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