Von der Kirche ins Kraftwerk

Unter dem Motto «Scale» findet die diesjährige Musikfestwoche Meiringen statt. Das Festivalthema sei eine Würdigung der Tonleiter, erklärt der künstlerische Leiter Patrick Demenga.

Ist fasziniert von Stufen und Skalen: Patrick Demenga, künstlerischer Leiter der Musikfestwoche.

Ist fasziniert von Stufen und Skalen: Patrick Demenga, künstlerischer Leiter der Musikfestwoche.

(Bild: PD)

«Denken Sie nur an Johann ­Sebastian Bach, der seitenweise Tonleitern und Skalen kom­poniert hat und damit berühmt geworden ist», gibt Patrick Demenga als Exempel. Auf die Frage, woraus seine Idee zum diesjährigen Thema für die Musikfestwoche Meiringen entstanden sei, führt er weiter aus: «Tonleitern gewinnen erst dann an musikalischer Aussagekraft, wenn man sie in einen Kontext setzt.» Dem solle das heurige Motto «Scale», englisch für «Stufe», Rechnung tragen.

Stufen als Entwicklung

Das Thema sei als loser roter Faden gedacht, so Demenga. Jedes Konzertprogramm deutet also den Begriff der «Stufe» anders – sei es im musikalischen oder philosophischen Sinn oder im biografischen Kontext des Komponisten. So vereint beispielsweise das Konzert unter dem Titel «Zeitstufen» das Op. 1 und das Op. 135 von Ludwig van Beethoven – also dessen erstes und allerletztes Werk. An einem anderen Abend werden unter «Scale italiane» lauter italienische Kompositionen aufgeführt; von Gioacchino Rossini über Nino Rota bis hin zu Luciano Berio.

«Tonleitern gewinnen erst dann an musikalischerAussagekraft, wenn man sie in einen Kontext setzt.»Patrick Demengakünstlerischer Leiter der Musikfestwoche Meiringen

Auch die Stufe in ihrer physischen Form erhält ihre Würdigung. Demenga: «Unser Alltag wäre ohne Treppen unmöglich. Stufen sind eine Entwicklung und erlauben uns, auch physisch eine andere Ebene zu erreichen.» Augenzwinkernd verweist er dabei auf das Konzert im Grandhotel Giessbach, das bekanntlich über einen Weg mit Stufen (oder eine Standseilbahn) zu erreichen ist.

Ausserirdische Heimat

Bereits zum elften Mal schart der Berner Cellist Musikerinnen und Musiker von Rang um sich, um Meiringen für acht sommerliche Tage in einen Hotspot für klassische Musik zu verwandeln. Die Konzerte finden mehrheitlich in der Michaelskirche Meiringen statt. Der Blick ins Festivalprogramm verrät aber nebst dem Grandhotel Giessbach noch einen anderen, besonders aussergewöhnlichen Konzertort: Am Sonntag, 7. Juli, werden die Besucherinnen und Besucher ins Kraftwerk Handeck auf der Grimsel gebracht.

Wo normalerweise Wassermassen durch die Turbinen rauschen, werden an diesem Sonntagnachmittag ganz andere Klänge zu hören sein. Im Sinne des Festivalmottos geht es im Konzert um die Obertöne, also jene Teiltöne, die auf einer bestimmten Stufe eines Grundtons mitschwingen und als Gesamtes verantwortlich für die individuelle Klangfarbe eines Instruments oder generell einer Schallquelle sind.

Den Turbinenraum des Kraftwerks Handeck wird der Stimmkünstler Christian Zehnder mit Obertongesang füllen. Demenga freut sich auf dieses aussergewöhnliche Setting: «Besonders wird an diesem Konzert die Mischung der Stimmlaute mit dem Grundrauschen, das das Wasser in den Turbinen verursacht.» Es werde ein «ausserirdischer Heimatabend», so der künstlerische Leiter vorfreudig.

Temporäre Heimat

Apropos Heimat: Der Standort Meiringen gefällt Demenga auch nach elf Jahren immer noch – «der Ort hat etwas Urtümliches, Sympathisches behalten». Auch sei die Zusammenarbeit mit dem Tourismus erfreulich, und nicht wenige der Festivalbesucherinnen und -besucher verbrächten gleich mehrere Tage vor Ort. Auf sein persönliches Highlight des bevorstehenden Festivals angesprochen, tut sich Demenga nicht schwer: «Ich wollte jeden Programmteil zu einem Höhepunkt machen – und so empfinde ich es auch.»

Musikfestwoche Meiringen, 5.–13. Juli 2019, www.musikfestwoche-meiringen.ch.

Berner Zeitung

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