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The Game: Hat er schon ausgespielt?

Ein prägnanter Name, ein klares Image. Kein anderer Rapper verkörpert so stark die kalifornische Gangkultur wie The Game. Nur dreieinhalb Jahre nach seinem Major-Debüt verabschiedet sich der Rapper mit seinem dritten und scheinbar letzten Album «LAX» von der grossen Bühne.

Mit The Game ist Ende 2004 der ultimative Gangster-Rapper auf der Bildfläche des globalen Pop erschienen. Der Legende nach wurde er zuvor bei einem Überfall in seiner Heimat Compton von rivalisierenden Dealern angeschossen und lag einige Zeit im Koma. Im Spitalbett habe er dem Gangsterdasein abgeschworen und, inspiriert von den klassischen Alben von Nas, 2Pac und NWA, mit dem Rappen angefangen.

Mit dem unter den Fittichen von Dr. Dre und 50 Cent entstandenen Major-Debüt «The Documentary» ist ihm ein millionenfach verkauftes Meisterwerk gelungen. Kurz darauf folgte der grosse Streit mit Mentor 50 Cent und im Zuge dessen ein zweites, ebenfalls sehr erfolgreiches Album.

Mal düster, mal verspielt

Nun ist das dritte und – nach The Games eigener Aussage – letzte Album des Rappers erschienen: «LAX». Die zurzeit angesagtesten Produzenten von JR Rottem über Cool&Dre bis hin zu Kanye West haben dem Mann aus Los Angeles einen mal düsteren, mal verspielten Soundteppich auf den Leib geschneidert. Basslastige Keyboardmelodien treffen auf klassische Samples von Curtis Mayfield bis Gil Scott Heron. Den Westküsten-Rap neu erfunden hat Jayceon Taylor, so The Games bürgerlicher Name, mit dem Album «LAX» definitiv nicht. Über die Hälfte der 19 Tracks handelt von den vielen Schatten- und wenigen Sonnenseiten des Daseins in den Gangterritorien Comptons. Die tiefe, rauchige Stimme des mittlerweile 29-Jährigen hat zwar nichts von ihrer Intensität verloren – und doch stehlen ihm einige seiner vielen Stargäste am Mikrofon die Show: Der Veteran Ice Cube rappt druckvoller, Ludacris sprüht einmal mehr vor Wortwitz, und Lil’ Wayne reizt den Autotune-Effekt bis zum Letzten aus und steht so bei «My Life» auf der Gewinnerseite. Das von Ex-Blink-182-Drummer und Reality-TV-Star Travis Barker live eingespielte Schlagzeug auf der zweiten Single «Dope Boys» ist wie viele weitere der Features auch nur als Gimmick anzusehen und hat kaum Einfluss auf die Qualität des Songs.

Nachdem die Wut auf 50 Cent abgeklungen ist und nicht mehr als Motor wirkt, macht sich ebenfalls der fehlende Einfluss von Dr. Dre als Supervisor auf «LAX» negativ bemerkbar. Die echten Hits fehlen. Der Grossteil des Albums ist zwar solide produziert, und es wird ansprechend gerappt. Aber die Scheibe wirkt durch die eingeschränkte Themenwahl weit gehend belanglos.

Von King bis Obama

Dass es auch anders ginge, beweist The Game auf den wenigen gehaltvolleren Songs des Albums. Mal beschreibt er aus der Sicht der Betroffenen die letzten Minuten im Leben der verstorbenen Raplegenden Eazy-E, Notorious B.I.G. und 2Pac; mal schlägt er gemeinsam mit Nas gekonnt eine Brücke von Martin Luther King Jr. zu Barack Obama. Davon würden wir gerne mehr hören. Dem Gangsta-Rapper wünschen wir nun eine stressfreie Pension. CD: The Game, «LAX», Geffen/Universal.

www.thisizgame.com

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