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Pop-Briefing: Musik für alle, die vom Durchschnitt genug haben

Die Popkolumne steht diese Woche im Zeichen von Andrew Weatherall.

Er brachte das Staunen zurück: Andrew Weatherall. Foto: Alex Zalewska
Er brachte das Staunen zurück: Andrew Weatherall. Foto: Alex Zalewska

Das muss man hören

Mit «Greetings, sisters and brothers» begrüsste Andrew Weatherall seine Gefolgschaft Ende Januar. Denn eine weitere Folge seiner Radiosendung «Music Is Not for Everyone» stand an, und der DJ und Produzent breitete während zweier Stunden einmal mehr eine Musikselektion aus, die sich am Unkonventionellen orientierte: Weatherall spielte Grauzone, spielte kosmische Discosounds, man hörte seine Liebe zum Soul durch, zum Post-Punk, zum Industrial, zum Rave. Kurz, es waren wieder einmal zwei Sternstunden in der von Durchhörbarkeits-Playlisten geplagten Musikgegenwart.

Zusammengestellt wurden sie von einem, der einst, als er jung war, in allen Gangs mittun wollte – bei den Mods, bei den Punks, bei den Soul Boys, wie er einmal dem englischen Musikmagazin «Wire» erzählt hat – weil er alles liebte, das abseits der Mitte lag.

Umso schockierender traf gestern die Nachricht seines Todes ein. Denn mit Andrew Weatherall hat die Welt einen weiteren Fixpunkt verloren. Auf den man sich stets verlassen konnte, wenn man wieder einmal genug hatte von allem Durchschnittspop und der Welt im Allgemeinen – und der rasch das Staunen zurückbrachte. In die Stuben, auf die Dancefloors. Hier, stellvertretend dafür, seine letzte NTS-Sendung:

Und wer nur zehn Minuten Zeit hat, hört halt Weatheralls Remix von Saint Etiennes unsterblicher Neil-Young-Coverversion «Only Love Can Break Your Heart».

Darüber wird gesprochen

Der britische Rapper Slowthai veröffentlichte vor gut einem Jahr sein grosses Debüt «There’s Nothing Great About Britain». Es ist ein Debüt, das den Furor eines Dizzee Rascal oder der frühen The Streets wieder aufleben liess, frisch kalibriert für die Gegenwart. «There’s Nothing Great About Britain» ist aber auch ein Album, das all jene nicht mehr mit gutem Gewissen anhören können, die im Sommer 2019 die Bad Bonn Kilbi besuchten. Denn bei seinem Auftritt legte Slowthai eine grosse Arschlochigkeit an den Tag, was beinahe in einer Schlägerei mündete.

Dass er nicht zum guten Rap-Charakter taugt, das hat nun auch die grössere Welt gesehen, als er bei den Preisverleihungen des NME erst die Moderatorin belästigte und später eine Schlägerei anzettelte. So sieht also einer aus, der an jenem Abend den «Hero of the Year»-Award entgegennehmen durfte.

Das Schweizer Fenster

Nach dem Sendestart von «The Voice of Switzerland» startet am Freitag nun auch «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert». Es sind also telegene Tage für die Schweizer Popmusik, aber so frisch scheinen diese Tage auch nicht zu sein. Doch wer weiss, vielleicht erhalten einige Karrieren ja wieder Aufwind, so, wie das in Deutschland mit Seven geschehen ist, als er beim deutschen Ableger Nenas «99 Luftballons» gesungen hat. Am Freitag jedenfalls steht Stefanie Heinzmann im Rampenlicht der Sendung, die als «emotionalste Musikshow» angepriesen wird.

Was blüht

Revival! Revival! Die Strokes sind wieder da, und sie geben sich nun politisch, was Julian Casablancas bereits auf dem denkwürdig schlechten Nebenbandausflug mit The Voidz getan hat. Was zeigt: Auch Rockstars, die noch immer gegen ihren Ruf der Rich Kids ankämpfen, portieren Bernie Sanders.

Auch politisch, auch von vorgestern, sind Rage Against the Machine. Der Coachella-Auftritt der Revoluzzer-Band um Zack de la Rocha und Tom Morello ist schon länger bestätigt, nun sind auch noch weitere Tourdaten dazugekommen. Ein guter Moment, um die Che-Guevara-Fahnen aus dem Keller zu holen. Und die Wall Street zu stürmen.

Das Fundstück

Hören Sie einfach diesen BBC-Essential-Mix von Andrew Weatherall aus dem Jahr 1996 an.

Oder diese Playlist:

Die Wochen-Tonspur

Der Tod von Andrew Weatherall hat auch wieder einmal die Beschränktheit von Streamingdiensten wie Spotify aufgezeigt. Weil was wäre die Musik ohne unaufgeräumte Plattensammlungen, die als Archive funktionieren? Dennoch hier, die aufdatierte Playlist mit zehn Tracks zur Woche.

Wer wissen will, wie diese Popkolumne 2019 geklungen hat: Hier gehts zur nun finalisierten Pop-Briefing-Playlist.

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