Pop-Briefing: Das streamt die Schweiz

Spotify hat bekannt gegeben, welche Songs und Künstler sich die Schweizer am häufigsten anhören.

Schlägt auf Spotify alle: Capital Bra. Foto: PD

Schlägt auf Spotify alle: Capital Bra. Foto: PD

Darüber wird gesprochen


Am Dienstag hat Spotify seine Jahreszahlen bekannt gegeben, und es zeigt sich Folgendes: Der meistgestreamte Musiker des Jahres heisst Capital Bra – der Deutschrapper gewinnt sowohl in der Kategorie «Meistgestreamtes Album des Jahres» wie auch in der Kategorie «Meistgestreamter Künstler des Jahres».

Diese Musikerinnen und Musiker wurden 2019 am häufigsten gestreamt.

Nur in der Kategorie der meistgestreamten Songs des Jahres muss sich Bra hinten anstellen, da im Deutschrap der Gegenwart die Content-Menge und nicht der einzelne Überhit entscheidend ist. Und da liebt die Schweiz den Sommer: «Señorita» von Camila Cabello und Shawn Mendes heisst nämlich jenes Lied, das am häufigsten konsumiert wurde – gefolgt von Lewis Capaldis «Someone You Loved» und Billie Eilishs «Bad Guy».

Die Playlist mit den meistgestreamten Songs des Jahres.

Regionale Unterschiede gibt es in der Deutschschweiz zumindest auf den Spitzenplätzen nicht: In Basel, Bern und Zürich siegen schön einhellig Capital Bra und «Señorita». Ein Ausreisser verzeichnet Bern auf dem zweiten Rang beim meistgestreamten Künstler: Dort findet sich nämlich die französische Rap-Combo PNL – die in den anderen Städten nicht aufgelistet ist. Es würde deshalb nicht überraschen, wenn PNL am nächsten Gurtenfestival auf der Bühne stehen würde.

Der meistgestreamte Musiker weltweit heisst übrigens Post Malone. Der Pop-Rapper gewann vor Billie Eilish und Ariana Grande.

Weltweit der populärste Musiker auf Spotify: Post Malone, hier bei seinem Auftritt im Hallenstadion. Foto: Reto Oeschger

Das muss man hören


Es ist die Zeit, in der man nachhören kann, was man in den vergangenen Monaten verpasst hat. Denn nun trudeln sie ein, die Jahresendlisten. 2019 hat abseits von Lana Del Reys «Norman Fucking Rockwell» keine offensichtliche Konsensplatte zu bieten, von dem her werden die Ranglisten hoffentlich vielfältiger sein als in den vergangenen Jahren.

Ein guter Start in die Jahresrevuen bietet die 100er-Liste des britischen Onlinemagazins «The Quietus». Denn sie ist jene Liste, die neben einigen Popalben wie Billie Eilishs Debüt oder eben Lana Del Rey einige musikalische Furchtlosigkeiten bündelt – und die Neugierde nach neuer Musik immer wieder weckt. Auf dem ersten Platz ist die Londonerin Loraine James zu finden, die im Herbst das vielfach driftende Album «For You and I» auf dem wegweisenden Label Hyperdub veröffentlicht hat.

Wer nun lieber Gitarren mag, findet bereits auf dem zweiten Platz Richard Dawsons meisterhafte Gegenwartsporträts wie jenes vom Menschen, der im Amazon-Lager arbeiten muss, oder vom Freelance-Grafiker, der durch ein rurales, zunehmend rassistisches England joggt.

Das Schweizer Fenster


Heute ist es tatsächlich ein Fenster bzw. ein Törli, denn Evelinn Trouble hat wie bereits in den vergangenen Jahren einen Adventskalender gestaltet – mit 24 Kurz-Songs von ihr und ihren Freundinnen und Freunden. Wer sich dahinter alles versteckt? Man wirds sehen. Wer mithilft, ist jedenfalls auch die Organisation Music Declares Emergency, die sich für mehr Nachhaltigkeit im nicht sehr nachhaltigen Musikgeschäft einsetzt.

Wie nachhaltig die Songs der Berner Hainan sind, wird wie immer im Pop die Zeit zeigen. Denn hat das Duo hier eine mögliche Zukunft in ihr Debüt eingebaut, das am Freitag erscheint? Oder ist da ein zu viel an Schielen auf die Trends der Gegenwart?

Was blüht


Ein Van-Halen-Revival. Denn Billie Eilish wusste in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel nicht, wer Van Halen sind. Was überhaupt nicht schlimm ist (weil wer – ausser den Fans – kennt im Jahr 2019 schon mehr ausser «Jump»). Dennoch versetzte diese Wissenslücke die alte Hardrock-Garde derart in Aufruhr, dass die immer noch erst 17-jährige Eilish in bester Boomer-Manier der Ignoranz bezichtigt wurde. Billie Eilish – falls sie denn so ticken würde – könnte jedenfalls sehr einfach zurückschlagen: Mit den Superhits aus der Gegenwart, die den Van-Halen-Fans nicht gefallen dürften (und deren Titel sie mit Sicherheit nicht kennen würden). Ein Playlist-Vorschlag findet sich in der Liste mit den 20 besten Songs, die ich vor einer Woche publiziert habe.

Das Fundstück


Wieder einmal Arthur Russell. Denn das eben erschienene Album «Iowa Dream» zeigt den Grenzgänger zwischen Disco und Konzertsaal von seiner poppigsten Seite. Es ist jene Seite, die über den dunklen Winter locker hinweghilft.

Die Wochen-Tonspur


Endlich wieder mal klingts hier elektronisch, mit neuen Tracks von Shanti Celeste, Shed, Robag Wruhme und Beatrice Dillon. Gitarren? Hats auch noch.

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