Pop-Briefing: Trinkt Champagner!

Diese Woche in der Pop-Kolumne: Neue fantastische Songs von Bill Callahan, ein Festival im Zwielicht und ein grosser Ausserirdischer.

Schreibt wieder Songs: Bill Callahan. Foto: PD

Schreibt wieder Songs: Bill Callahan. Foto: PD

Das muss man hören


Wo sind nur die guten Songs hin? Das fragt sich der Singer/Songwriter Bill Callahan in seinem neuen Lied «Writing». Um es vorweg zu nehmen: Die guten Songs, die sind immer auch beim Amerikaner zu finden, seit er in den Neunzigern und ersten Nullerjahren als Alias Smog zunächst sehr experimentelle, später dann sehr niederschlagende Musik geschrieben hat. Danach legte Callahan sein Alias ab, und veröffentlichte meisterliche Lieder wie «Eid Ma Clack Shaw» oder «Riding for the Feeling».

Mitte Juni veröffentlicht der 53-Jährige das neue Doppelalbum «Shepherd in a Sheepskin Vest». Die ersten beiden Plattenseiten hat Callahan bereits auf die Streamingdienste gestellt, und diese bislang elf Songs zeigen einen Musiker, der seine Mittel noch weiter verknappt hat. Aber: «Yeah, it sure feels good to be singing again», heisst es im bereits angesprochenen «Writing», und so gilt es von dieser Seite bloss zu sagen: Es ist sehr gut, seine Stimme wieder zu hören.

Wer es sonniger mag: Eine herzliche Empfehlung gilt für das Album «Run around the Sun» des schottischen Duos Sacred Paws. So gut und süss und auch melancholisch und überraschend hat Indiepop schon lange nicht mehr geklungen.

Darüber wird gesprochen


Über Jay-Z, den ersten Rap-Milliardär der Geschichte. «Forbes» hat nun sein Vermögen aufgedröselt. Die Musik ist ja quasi sein Nebeneinkommen, wichtiger sind längst seine Champagner- und Cognac-Marken, seine Kleiderfirma, Anteile an Uber und Immobilien. Darauf mindestens eine goldene Flasche Armand de Brignac alias «Ace of Spades»:

Die Stimme seiner Frau Beyoncé Knowles taucht derweil im neuen Lion King-Trailer auf. Simba!

Das Schweizer Fenster


Der Schweizer Festivalsommer ist am vergangenen Wochenende furios in Düdingen gestartet – trotz Slowthais indiskutablem Auftritt –, doch nun ziehen nicht nur wettermässig dunklere Wolken auf. In Biel soll ab dem Donnerstag das Vibez stattfinden, und weil der Vorverkauf allem Anschein nach sehr schlecht läuft, wurden erst die Preise der Tagespässe halbiert, und wer sich gestern Montag am Bieler Bahnhofplatz einfand, der erhielt Tickets gar geschenkt.

Im Fokus steht das Vibez aber vor allem wegen seines angeblichen Partners: Es handelt sich dabei um die Fluggesellschaft Emirates – doch bei der Airline wusste man von nichts, rechtliche Schritte gegen die Veranstalter seien eingeleitet worden. Dennoch: «Einer erfolgreichen Durchführung des Open Airs stehe nichts im Wege», versicherten die Vibez-Verantwortlichen im «Bieler Tagblatt».

So sah es zwei Wochen vor dem Festivalstart aus: das Vibez-Festival. Foto: Franziska Rothenbühler

Wie die Geschichte dieses Festivals, «das quakt wie eine Ente», ausgeht? Man wird es ab Donnerstag erfahren.

Was blüht


Die Zeit der Sommerhits. Momentan und hierzulande hoch im Kurs scheint tatsächlich Luca Hännis «She Got Me» zu sein, zumal er die Kombination zwischen Ed Sheeran und Justin Bieber, die zusammen das Lied «I Don't Care» geben, verhindern würde. Und falls nicht, plädiere ich an dieser Stelle für den Import der Vengaboys, die seit dem Strache-Video die Politband schlechthin sind. An Auffahrt jedenfalls trat die Truppe mit ihrem Neunziger-Schlager «We're Going to Ibiza» in Wien an einer Demo auf.

Das Fundstück


Keine Trouvaille im eigentlichen Sinn, sondern schlicht ein Klassiker ist «You're Gonna Miss Me» der 13th Floor Elevators, jener Band, die vor über 50 Jahren die Rockmusik psychedelisch ausweitete. Der Anlass, wieso man gerade jetzt wieder einmal diesen Song hören sollte, ist ein trauriger: Am vergangenen Wochenende ist Roky Erickson, Sänger der Band, der zeitlebens mit psychischen Krankheiten kämpfte und in den psychiatrischen Anstalten mit Elektroschocks traktiert wurde, und zwar so sehr, dass er sich als Alien fühlte, im Alter von 71 Jahren verstorben. «Er schuf seine eigene musikalische Galaxie», schrieb etwa ZZ-Top-Gitarrist Billy Gibbons, nachdem der Tod von Erickson bekannt wurde.

Was bleibt neben den klassischen, frühen Songs der 13th Floor Elevators? Da ist auch sein Spätwerk – und ein Song wie «True Love Cast Out All Evil». Ein schönes Motto, eigentlich.

Die Wochen-Tonspur


Noch leicht Bad-Bonn-Kilbi infiziert zeigen sich die zehn neu hinzugefügten Songs. Wer traurig sein sollte, findet hier vielleicht ja neuen Mut, beispielsweise im Song «Alles zieht vorüber» von Fatoni und Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow. Aber natürlich gibts auch potenzielle Sommerhits, die besser sind als die Erwähnten weiter oben. Einmal rund um die Sonne bitte!

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