Pop-Briefing: Gegen den Lärm

Die frische Popkolumne bringt viel Stille, Kanye Wests Gottesdienst, Space-Beats eines Verstorbenen und einen Sonnenbrand.

Alleine ans Meer: Emily A. Sprague alias Florist. Foto: PD

Alleine ans Meer: Emily A. Sprague alias Florist. Foto: PD

Das muss man hören


Musik wird immerzu veröffentlicht. Und doch wird es jeweils ruhiger und die Veröffentlichungen werden seltener, wenn sich die Menschen in die Sommerferien verabschieden oder sich vor dem Weihnachtsbaum einfinden. Und so kann man sich noch einmal all die Lieblingsalben des bisherigen Jahres anhören, die bei mir vor allem von Songwriterinnen stammen. Das ist etwa das Album «Quiet Signs» von Jessica Pratt, oder «Designer» von Aldous Harding, die die Theatralik ihres Gothic-Folk etwas runtergedimmt hat. Oder Cate Le Bon und ihr recht trauriges «Reward».

Doch eben: Neue Musik wird auch im Sommer veröffentlicht, wie beispielsweise das Album «Emily Alone» von Florist. Hinter diesem Namen steht Emily A. Sprague, die sehr solitäre Folksongs singt – und in Richtung Meer und Einsamkeit zieht. Vielleicht mag das Ihnen zu introvertiert klingen, doch vom Lärm der Aufgeregten gibts ja mehr als genug.

Darüber wird gesprochen


Diesen Lärm: Man findet ihn etwa dort, wenn derzeit über die Untersuchungshaft des geschätzten ASAP Rocky gestritten wird – was auch mit der Twitter-Intervention von US-Präsident Donald Trump und Fankampagnen, die einen Boykott von allen schwedischen Produkten fordern, zu tun hat.

Man findet den Lärm aber natürlich auch immer wieder bei Kanye West, der sich seit einiger Zeit auf seine Berufung als Prediger beruft. Welche Lieder während der Gottesdienste aber gegeben werden, davon erhält man erst jetzt eine Ahnung. Es ist beispielsweise eine Coverversion von Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» – und dem Refrain: «Let your light shine, it’s contagious!» So weit sind wir also gekommen.

Das Schweizer Fenster


Die allergrössten Schweizer Festivals sind mehrheitlich vorbei, doch Freiluftkonzerte gibts immer noch. In Zürich steht etwa das zweite Stadtsommer-Wochenende an, das uns beispielsweise den Auftritt von Taimashoe beschert. Wer nach abenteuerlichem Pop sucht: Man findet ihn bei dieser Zürcherin, die am Samstag auch am Berner Ostfest auftreten wird.

Und dann starten ja in einer Woche auch die Winterthurer Musikfestwochen, mit Konzerten von Big Zis, Black Sea Dahu, Cyril Cyril, Ikan Hyu oder der fantastischen Emilie Zoé.

Was blüht


Nur noch neunmal schlafen, und dann ist es da: Das Debüt der Büetzer-Buebe, die mit ihrer Sonnenbrandvideo-Geschichte das Sommerloch füllten. Und dann ist hoffentlich auch gut, bis am 22. August 2020, wenn Gölä und Trauffer im Letzigrund auftreten.

Das Fundstück


Mit Ras G – einem Gefährten von Flying Lotus – ist am Montag einer der grossen Beatproduzenten der Gegenwart gestorben. Seine Space-Explorationen werden weiterleben, beispielsweise in diesem Mix hier.

Die Wochen-Tonspur


Iggy Pop findet die Freiheit in einem Ambient-Stück, was bestens in die ergänzte Wochen-Playlist passt, mit Orgelmusik von Kali Malone und vielen weiteren eher stillen Songs. Lauter? Wirds dann mit Sicherheit wieder.

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