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Ohne Orchestertechniker kein Konzert

Sie sind schon lange im Einsatz, bevor das Berner Symphonieorchester eintrudelt. Und nach dem Konzert geht die Arbeit sofort weiter: Die Orchestertechniker Kaspar Helbling und Marcello Pragasa Rasan erzählen von ihrem Berufsalltag.

Orchestertechniker Kaspar Helbling diskutiert im Casino in Bern mit Pianist Peter Solomon. Foto: Beat Mathys
Orchestertechniker Kaspar Helbling diskutiert im Casino in Bern mit Pianist Peter Solomon. Foto: Beat Mathys

Es ist 12.30 Uhr, das Berner Symphonieorchester beendet gerade seine Probe im Casino in Bern. Die Musikerinnen und Musiker packen ihre Instrumente zusammen, verabschieden sich. Kaspar Helbling und Marcello Pragasa Rasan hingegen betreten erst jetzt die Bühne.

Um jedes Detail besorgt

Die beiden sind zwei der drei vollzeitangestellten Orchestertechniker des Berner Symphonieorchesters. Ihr Einsatz ist meist noch lange nicht vorbei, wenn eine Probe zu Ende geht – im Gegenteil: Sie haben nun ein offenes Ohr für Wünsche der Musikerinnen und Musiker, sie sind besorgt um die Partitur auf dem Dirigentenpult, und sie rücken Instrumente, Stühle und Notenpulte zurecht.

An diesem Mittag beschäftigt sie besonders das Ausnivellieren der Bühne im Casino Bern. Der Flügel steht schräg, weil die Elemente der Hebebühne nicht alle genau gleich hoch eingestellt sind. Während Helbling von der Bühne her anweist, welches Element wie einzustellen ist, lässt Pragasa Rasan die elektronisch gesteuerte Bühne millimeter­weise hoch- und wieder runterfahren.

Arbeitstage von 15 Stunden

Einen typischen Arbeitstag im Job eines Orchestertechnikers, den gebe es eigentlich kaum, meint Marcello Pragasa Rasan. Er beginnt aufzuzählen, was alles zu ihren Aufgaben gehört: «Wir transportieren das Material von A nach B, bauen die Bühne, die Bestuhlung und die Notenpulte unter Berücksichtigung der jeweiligen Orchesterbesetzung auf, wir betreuen die Dirigenten, Solistinnen und Solisten, wir sind erste Ansprechpartner für die Orchestermusikerinnen und -musiker.»

So unterschiedlich wie die Dienstpläne bei den verschiedenen Produktionen gestalten sich entsprechend die Arbeitstage der drei Orchestertechniker. Kaspar Helbling erzählt: «Wir sind vor, während und nach den Proben, Konzerten und Opernaufführungen im Einsatz. Unsere Arbeitszeiten können dabei wochentags und an den Wochenenden von frühmorgens bis abends spät sein, manchmal ist man 15 Stunden am Stück dran, dafür hat man danach wieder vier Tage frei.»

Von wegen warten

Und was tun die Orchestertechniker während der Stand-by-Zeiten an Proben und Konzerten? Helbling und Pragasa Rasan reagieren mit Schmunzeln auf die Frage. Helbling erklärt: «Viele denken, ein Orchesterwart muss häufig warten. Dabei ist unser Job auch mit viel Organisation und Koordination verbunden. Dies können wir insbesondere dann erledigen, wenn Proben oder Opernaufführungen im Gange sind.» Hinzu komme die Verantwortung für reibungslose Abläufe und dafür, dass alle Beteiligten zur rechten Zeit am rechten Ort seien, ergänzt Pragasa Rasan, «und nicht zuletzt ist unsere Aufgabe auch das Vermitteln zwischen den Musikern und der Leitungsebene. Die Fäden laufen bei uns zusammen.»

«Der Applaus am Schluss einesKonzerts, dergebührt eigentlich jeweils auch ein bisschen uns.»

Marcello Pragasa RasanOrchestertechniker

Dieser Beruf setzt naturgemäss enorm viel Flexibilität voraus. «Gerade was die Koordination mit der Familie und mit regelmässigen Hobbys angeht, ist dieser Job natürlich nicht jedermanns Sache», sagt Helbling. Sowohl er als auch sein Kollege Pragasa Rasan schätzen aber ebendiese Flexibilität und dass sie mit unterschiedlichsten Situationen und Menschen zu tun haben.

Eine Hauptmotivation für den Beruf als Orchestertechniker war für beide die Faszination für die Musik- und Theaterwelt. Sie sind Quereinsteiger – eine Ausbildung zum Orchestertechniker gebe es gar keine, erzählt Pragasa Rasan, «man lernt einfach mit der Erfahrung».

«Die besten Orchesterwarte»

Dass gute Arbeit der Orchestertechniker von den Musikern geschätzt und auch verdankt werde, sei für sie eine schöne und wichtige Rückmeldung. Pragasa Rasan lacht, als er sich erinnert: «Ein Gastdirigent hat uns einmal gesagt, dass wir die besten Orchesterwarte auf der ganzen Welt seien. Das ist natürlich ein besonderes Kompliment.»

Und bescheiden, fast als wäre es ein Geständnis, fügt er noch an: «Und der Applaus am Schluss eines Konzerts, der gebührt ja eigentlich jeweils auch ein bisschen uns.»

Nächste Konzerte BSO: «Tamestit/Venzago – Brahms’ Vierte»; Do, 13.2., Fr, 14. 2., je 19.30 Uhr, Grosser Saal, Casino Bern.

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