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Oh, diese Stimme

Rufus Wainwright erinnerte im Zürcher Volkshaus an den Beginn seiner Karriere.

In Zürich trug er einen Schnauz: Rufus Wainwright. Foto: PD
In Zürich trug er einen Schnauz: Rufus Wainwright. Foto: PD

Er ist der Popwelt schon fast abhandengekommen, schrieb in den vergangenen Jahren lieber Opern als Popsongs und vertonte Shakespeare-Sonette. Und so hat man beinahe vergessen, was für ein einzigartiger Songwriter und Sänger Rufus Wainwright eigentlich ist.

Vielleicht hat er das ja auch selber vergessen, und so kämpft er sich derzeit auf die Popbühnen zurück – indem sich der Kanadier auf seiner aktuellen Tour «All These Poses» auf die Anfänge seiner Karriere beruft. Vor zwanzig Jahren hat diese begonnen, mit Songs, welche die Folktraditionen, die seine Eltern Loudon Wainwright III und Kate McGarrigle noch pflegten, hinter sich lassen – und lieber mit dem grossen dekadenten Pomp flirten, dem der «Gay Messiah» auf späteren Grosswerken freien Lauf gelassen hat.

Am Donnerstag im Zürcher Volkshaus ist der Pomp zumindest angedeutet, wenn der 45-jährige Wainwright im Nadelstreifenanzug und mit Zylinder die Songs seiner ersten beiden Alben singt (später wird er im ärmellosen Glitzertop und in extravaganten Mänteln performen). Und bereits im zweiten Song des Abends, als sich die fünfköpfige Band zurücknimmt, beginnt sie zu glänzen: diese tremolierende, vibrierende und durch so viele Register schwebende Stimme, die bei aller Brillanz auch im Weltschmerz versinken kann.

Das erste «Poses»-Stück: «Cigarettes and Chocolate Milk». Video: Rufus Wainwright (Youtube)

Vorab im ersten Set des zweigeteilten Konzerts scheinen Wainwrights Entertainerqualitäten durch, etwa dann, wenn er sich in «Foolish Love» zu seinem eigenen Erstaunen am Konzertflügel verspielt. Aber er ist auch einer, der grosse Songs aus dem nordamerikanischen Songbook adaptieren kann, so wie Joni Mitchells herzzerreissendes «Both Sides Now». Jener erste Teil wirkt wesentlich freier als die Fortsetzung des Konzerts, in dem Wainwright sein zweites Album «Poses» (2001) integral aufführt und vor allem darauf bedacht ist, keine Pausen zwischen den Songs zuzulassen.

Sang er als Zugabe: «Going to a Town». Video: Rufus Wainwright (Youtube)

Aber eben: Seine Stimme trägt diesen Abend über alle musikalischen Manierismen hinweg. Und wenn Rufus Wainwright «Going to a Town» anstimmt, einen seiner letzten wirklich grossen Songs, der auch schon zwölf Jahre alt ist, dann ist man zumindest froh, dass er wieder zurückgefunden hat auf die Popbühne.

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