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Musikalische Reiseleiterin

Als«akustische Landschaftsmalerei» beschreibt Hania Rani die Musik auf ihrem Debütalbum «Esja». Am Samstag spielt die polnische Komponistin und Pianistinim Casino Bern.

Mit ihrer Musik vergisst man Ort und Zeit: Pianistin Hania Rani. Foto: PD
Mit ihrer Musik vergisst man Ort und Zeit: Pianistin Hania Rani. Foto: PD

Wer beim Hören von Hania Ranis Klaviermusik nicht früher oder später gedanklich in die weite Ferne schweift, in Erinnerungen und Tagträumereien verfällt, ist wahrscheinlich die Ausnahme.

Ranis zyklische Rhythmen, weiche Klangfarben und atmosphärische Stimmungen laden förmlich dazu ein, Zeit und Ort zu vergessen. Und doch sind Zeit und Ort gegeben, tourt die 29-jährige Polin doch aktuell mit ihrem Debütalbum «Esja» durch ganz Europa.

Eine akustische Auszeit

Ranis Musik lullt ein und etabliert ein intimes, sehr individuelles Hörerlebnis. Schliesst man die Augen, umso mehr. Das alles funktioniert auf dem eigenen Sofa in Ruhe bestens (verstehen Sie dies als Empfehlung für die kalten, grauen Wintertage!). Was aber bedeutet es, «Esja» in einem Konzertsaal live zu hören, zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie zahlreiche andere Konzertbesucherinnen und -besucher? «Darüber habe ich in letzter Zeit viel nachgedacht. Ich fragte mich, was ich dem Publikum gerne bieten würde. Und meine Antwort ist: Ich gebe den Leuten im Saal meine volle Aufmerksamkeit und mein ganzes ‹Sein›, im Hier und Jetzt.»

Eine Oase also im ständigen Trubel des Lebens. Das Konzert von «Esja» verspricht eine Dramaturgie ohne Spannungssteigerung, ohne Stimmungswechsel, ohne musikalische Ausbrüche, ohne programmierte Höhepunkte. Rani weiss: «Die einen werden dies als nichts Besonderes wahrnehmen – für andere mag das Konzert aber berührend, aufwühlend, vielleicht nachhaltig verändernd sein.» Dass ihre Auftritte nicht in jedem Saal gleich gut funktionieren, ist sich Rani bewusst.

Am liebsten spiele sie im intimen Rahmen. «Ich verlasse gerne die ernste Atmosphäre grosser Säle, um mich wohl und entspannt zu fühlen. Vor kurzem spielte ich ein akustisches Konzert in einem kleinen Jazzclub in Aarhus. Im ausverkauften Lokal konnte ich förmlich jeden Atemzug des Publikums fühlen. Das war ein unglaublicher Abend.»

Der perfekte Platz für Ideen

Ihre Musik entstehe durch Achtsamkeit im Alltag, erzählt Rani: «Ich sehe meine Aufgabe als Komponistin eigentlich darin, das Leben zu beobachten und jene Momente zu suchen, die ich gerne mit anderen Menschen teile.» Häufig seien es die unscheinbaren, kurzen Momente, die fruchtbares musikalisches Material ergäben, so die Musikerin. Wann daraus ein Werk entwächst, sei sehr unterschiedlich: «Letztlich hängt es von Ort und Zeit ab. Ich sammle alle musikalischen Ideen und bin der Überzeugung, dass jede von ihnen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihren perfekten Platz finden wird.»

Rani spricht von ihrer Musik als «akustischer Landschaftsmalerei» – Gefilde, durch die sie die Hörerschaft quasi als musikalische Reiseleiterin begleite. Letzten Endes will sie mit ihrem Konzept überraschen. «Ich hoffe, dass alle etwas glücklicher aus dem Konzertsaal gehen.» Ob ihnen Hania Ranis Art von akustischen Exkursionen zusagt, müssen alle Menschen im Publikum selber herausfinden. Klar ist, dass ihnen mit Rani eine besonders einfühlsame Reiseleiterin die Hand reicht.

Hania Rani: «Esja», Samstag, 14. Dezember, 21 Uhr, Burgerratssaal im Casino Bern. Infos und Tickets unter www.casinobern.ch.

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