Montagskonzerte im «Les Amis»

Soundcheck

Zum Wochenstart neue Musik kennen lernen: Die «Mondays les Petits» in der Berner Bar Les Amis machens möglich.

Viel zu selten solo zu sehen: Tiger Romig. Foto: Patrick Principe

Viel zu selten solo zu sehen: Tiger Romig. Foto: Patrick Principe

«Jamais le dimanche» ist kein Motto, an das sich Musike­rinnen und Musiker halten. Schliesslich sind sie meist an Wochenenden unterwegs, um das vergnügungsfreudige Publikum bei Laune zu halten. An Montagen hingegen ist das arbeitende Volk nicht wirklich in Festlaune. Davon zeugen zwar viele Songs vom «Stormy Monday Blues» über «Manic Monday» bis zu «I Don’t Like Mondays» – live gespielt werden sie aber an diesem Wochentag kaum.

In Bern gab und gibt es dennoch immer wieder Versuche, den Wochenauftakt etwas «rockiger» zu gestalten: Man erinnert sich an die legendären «Matscher’s Mondays» und freut sich auf die nächsten Konzerte des Swiss Jazz Orchestra im Bierhübeli (ab Oktober). Im «Les Amis» an der Berner Rathausgasse nutzt man den «toten» Montag für eine Serie mit niederschwelligen Kurzkonzerten unter dem schönen Titel«Mondays les Petits».

So gesehen ist es ein idealer Rahmen, den sich Tiger Romig für ein rares Solokonzert ausgewählt hat. Man kennt Tiger als Möbelmacher und DJ, vor allem aber als Bassisten von Berner Garage-, Surf- und Rockabillybands. The Monsters und die famosen, leider allzu früh verblichenen Super Supers gehören zu seinen wichtigsten Referenzen. An die Rolle als Einmannunterhalter mit Gitarre muss sich der einstige Sideman aber noch gewöhnen. Fast zu viel sei möglich gewesen, erinnert sich Tiger an die Anfänge seines Soloprojekts.

Bands wie The Super Supers gehören zu Tiger Romigs wichtigsten Referenzen. Quelle: Youtube/Dan Yardman

Eigentlich habe er ja mit einer Doppelhalsgitarre auftreten wollen, das Ganze dann aber mit Blick auf seine gitarris­tischen Fähigkeiten auf ein «einfaches» Modell reduziert. Mag sein, dass Tigers Spieltechnik sich nicht auf dem Niveau der im Publikum überdurchschnittlich vertretenen Gitarristenfraktion bewegt, doch sein mit Blues und Skiffle gestreckter Pfadfinderstil passt gut zu den Songs über die Abgründe der Liebe und andere Hindernisse, die er mit eindringlicher, sonorer Stimme vorträgt.

Tiger Romigs Auftritt erinnert in Stil und Gestus an Johnny Cashs aufs Maximum reduzierte «American Recordings». «Weniger isch meh», würde der ebenfalls im Publikum gesichtete Housi Wittlin sagen. Wie bei den «American Re­cordings» stammen die Songs nicht aus der Feder des Sängers, wurden aber mit un­bestechlicher Geschmacks­sicherheit ausgewählt. Das macht schon der Opener «I’m Gonna Sit Right Down and Cry Over You» klar, eine Nummer aus einer anderen Zeit, die sich irgendwie im kollektiven Gedächtnis eingenistet hat.

«I’m Gonna Sit Right Down and Cry Over You» hat sich ins kollektive Musikgedächtnis eingebrannt – nicht zuletzt, weil der Song von verschiedenen Musikgrössen gesungen wurde. Quelle: Youtube/MusicPresleyElvis

Kein Wunder: Vor Tiger haben sie auch Elvis, die Beatles und Chris Isaak gesungen. Es geht weiter mit etwas Country, Pop und einer Reminiszenz an Latino-Rocker Trini Lopez. Selbst der traditionelle Gospel «This Train», den einst die grosse Sister Rosetta Tharpe bekannt machte, wird unter den Berner Lauben reanimiert. Dennoch zweifelt der Sänger noch etwas an sich, will gar abstimmen lassen, ob er weiterspielen soll. Nicht nötig. Beim zweiten Set sind schon doppelt so viele Leute im «Les Amis». Play it again, Tiger! Wir würden sogar an einem Montag wiederkommen.

Nächste Mondays les Petits: 19.8., Meira Loom; 26.8., Reverend Deadeye & Nicotine Sue (20 Uhr).

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