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Junge DJs im fahrenden Tonstudio

Die Technik ist verfügbar, doch wie nutzt man sie? Neu gibt es in Bern die School of Sound. Sie bietet Kurse zum Produzieren von elektronischer Musik an. Dasselbe macht Stefan Bregy seit März mit seinem «fahrenden Tonstudio».

Stefan Bregy (im blauen Hemd) zeigt den angehenden Musiklehrerinnen und -lehrern, wie sie das Tonstudio im Unterricht einsetzen könnten.
Stefan Bregy (im blauen Hemd) zeigt den angehenden Musiklehrerinnen und -lehrern, wie sie das Tonstudio im Unterricht einsetzen könnten.
Beat Mathys

Es war noch nie so leicht, Musik zu machen. Auf jedem Handy, jedem Laptop lassen sich mit einfachen Mitteln Songs selbst komponieren. Und wer noch mehr wissen will, wird gut bedient. Zum Beispiel bei der School of Sound, die letzte Woche ihre Tore in Bern eröffnet hat. Sie bietet Kurse zum Produzieren von elektronischer Musik an. Oder bei Musiker und Gymnasiallehrer Stefan Bregy mit seinem «fahrenden Tonstudio», das vor allem auf Projekttage von Schulen und Firmen ausgerichtet ist.

Fährt Bregy vor, ist zuerst einmal alles ganz einfach. Man schleppt Material vom Auto ins Schulzimmer. Mehrere Laptops, Mikrofone, quadratische Push-Controller, mit ganz vielen Knöpfen, die je nachdem farbig leuchten, sobald man eingerichtet und verkabelt ist.

Der 36-Jährige betreibt «Das fahrende Tonstudio» seit letztem März. Es kann von Schulklassen in sechs Kantonen – darunter auch Bern – gebucht werden, die Kantone beteiligen sich an den Kosten. Nun ist Stefan Bregy aber ausnahmsweise an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Bern zu Gast, wo er angehenden Musiklehrerinnen und -lehrern zeigt, wie ein Tonstudio mit dem Unterricht verbunden werden kann.

Nette Spielereien

Es ist offensichtlich, dass auch die Studierenden Freude an den musikalischen Spielereien haben. Sie tragen Kopfhörer und klimpern auf den Tasten herum. Betätigen dort einen Regler und machen hier einen Mausklick. Mit den Push-Controllern können sie zu jedem Musikstil jedes beliebige Instrument in jeder Tonart erklingen lassen.

Doch schon bald ist klar, dass Fachdidaktikdozentin Antonia Giordano mehr erwartet: «Dieses Tüfteln macht Freude für einen Morgen, aber gibt es auch einen Mehrwert?», fragt sie. Die Dozentin, die selbst auch als Gitarristin unter anderem bei Sandee auf der Bühne steht, hat Stefan Bregy mit seinem «fahrenden Tonstudio» in ihre Klasse eingeladen, um das herauszufinden.

«Gerade in der Oberstufe kann ein Tonstudio viele Möglichkeiten eröffnen, man muss es aber so einsetzen, dass es auch langfristig einen Nutzen bringt», sagt sie. Dann ­gelinge es vielleicht, die Jugend­lichen aus der passiven Rolle der Musikkonsumierenden zu holen. «Ich will sie ankicken», bekräftigt Bregy, «es ist gesellschaftlich wichtig, dass die jungen Leute selbst Musik machen.»

Der Lehrplan 21, der ab nächstem Jahr im Kanton Bern eingeführt wird, will genau das. Er will die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler stärken, sich selbst etwas anzueignen. Und er will auch die Digitalisierung in geeigneter Weise in den Unterricht einbinden. Wie das konkret erfolgen soll, ist nicht definiert und bleibt den Lehrkräften überlassen.

«Lehrpersonen hinken oft der digitalen Entwicklung hinterher», findet Stefan Bregy. Und ausserdem, so stellt sich am Workshop in der PH heraus, sind Schulen technisch oft schlecht ausgerüstet. Oder wie es ein Student ausdrückt: «Und dann landen wir in einem Unterrichtsraum mit drei Schlaghölzchen und einem Xylofon.»

Darum kann es durchaus Sinn machen, Stefan Bregys «fahrendes Tonstudio» als Ergänzung zum normalen Musikunterricht zu buchen. Die Schülerinnen und Schüler bekommen so einen kleinen Einblick in die Welt der Musikproduzenten. Sie werden mit Technik konfrontiert. Sie können spielerisch einen «Schulhaus-Remix» machen. Und vielleicht fangen sie selber an, Musik aufzunehmen. Vielleicht stellen sie sie auf Youtube. Was andere auch problematisch finden.

Von schlecht zu technisch okay

«Es gab noch nie so viel schlechte und mittelmässige Musik», sagt nämlich Emanuel Frey. Er hat 2015 die School of Sound in Zürich gegründet. Frey findet es nicht schlecht, dass man heute schnell in der Hinterstube einen Song komponieren und per Mausklick in die Welt schicken kann, er möchte aber den tech­nischen Teil verbessern.

Darum gibt es die School of Sound, die ab Dezember einen Ableger in Bern hat. Die Idee dahinter: Man kann einzelne Kurse nach Bedarf besuchen. So gibt es etwa eine Einführung in die omnipräsente Komponiersoftware Ableton für Anfänger, aber auch den «Producer Style Deep House»-Kurs mit dem bekannten DJ Kellerkind, der sich klar an Profis richtet.

Am Eröffnungsabend ist der Raum im Berner Progr, wo die Schule eingemietet ist, voll. Hobby-DJs, Clubbetreiber und Produzentinnen stehen dicht gedrängt. «Die Jugendlichen kennen den Wert von Musik gar nicht mehr», sagt Biru Bee, Mitglied der Round Table Knights und Mitbetreiber des Clubs Bonsoir, der nächstes Frühjahr schliessen wird.

«An unsere Schule sollte man nicht kommen, um Superstar-DJ zu werden. Man lernt das Handwerk.»

Emanuel Frey, School of Sound

Beim ­Musikmachen sollte es «um die Freude, nicht ums Geldverdienen» gehen, findet er. Dies bestätigte auch Emanuel Frey von der School of Sound: «An unsere Schule sollte man nicht kommen, um Superstar-DJ zu werden. Man lernt das Handwerk. Und noch viel mehr geht es darum, herauszukommen und gleich gesinnte Leute zu treffen.» Allgemeines Nicken.

www.schoolofsound.chwww.dasfahrendetonstudio.ch

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