Zum Hauptinhalt springen

«In Bern feiere ich ein Jubiläum!»

Tenor Peter Lodahl singt mit Stars wie Anna Netrebko an den ganz grossen Häusern. Nun kommt er nach Bern – er gibt den Rodolfo in Puccinis Oper «La bohème».

Der dänische Tenor Peter Lodahl hat sich in die Stadt Bern verliebt.
Der dänische Tenor Peter Lodahl hat sich in die Stadt Bern verliebt.
Beat Mathys

Es ist der perfekte Auftritt für Peter Lodahl. Als er das Foyer im Stadttheater Bern betritt, schneit es ein paar Schneeflocken mit hinein. In Giacomo Puccinis Wurf «La bohème», 1896 in Turin uraufgeführt, rieselt ebenfalls leise der Schnee.

Die Oper spielt im Winter in einem Pariser Künstlermilieu, und die Hauptdarstellerin ist an Tuberkulose erkrankt. Die Musik ist betörend, und der gross gewachsene Däne kommt ins Schwärmen, wenn man ihn auf den Maestro aus Lucca anspricht: «Puccini ist Herzblut, die ganz grosse Emotion. Man wird von ihm mitgetragen in das grosse Drama und kann hemmungslos mitleiden. Der Italiener verstand es gerade in seiner ‹Bohème›, immer die Hoffnung mitschwingen zu lassen, obschon das bittere Ende unausweichlich ist.»

75-mal Rodolfo

Wenn der 44-Jährige über den beliebten Komponisten spricht, spürt man die pure Leidenschaft. Den Rodolfo, der sich in die todkranke Mimì verliebt, verkörpert er schon seit einiger Zeit. «In Bern werde ich die Rolle am 12. Januar 2019 zum 75. Mal singen», sagt er, «das wird eine Art Dreivierteljubiläum.»

Peter Lodahl ist an den grossen Häusern Gast, so etwa in Hamburg, Stockholm oder in seiner Heimat an der Royal Danish Opera in Kopenhagen, wo er diese Saison in Peter Heises Oper «König und Marshall» sein Debüt als Erik gibt. Auf die Opernbühne kam der Sänger durch Zufall. «Ich spielte an Rockkonzerten Trompete und war gar nicht der Klassiktyp. Ich sang aber auch in einem Chor, und dort suchte das Opernhaus einen jungen Solisten.»

Beim Vorsingen fiel Peter Lodahl prompt durch. Dafür klappte es im Alter von 20 Jahren. Und das gleich in einer Paraderolle in Kopenhagen, wo er heute lebt. «Ich wurde für Georges Bizets Don José aus der Oper ‹Carmen› verpflichtet», erinnert sich Lodahl mit sichtlicher Freude und holt etwas aus.

«Ich hätte wohl nicht zugesagt, wenn ich mir der Anforderungen bewusst gewesen wäre.» Geschadet hat der steile Einstieg seiner Stimme nicht. Peter Lodahl ist ein Tenor mit luzider Strahlkraft und einem geschmeidigen Timbre. Längst singt er in Puccinis «Bohème» oder Verdis «Traviata» die Partien, die für einen lyrischen Tenor mit der nötigen Reife bestimmt sind.

Verliebt in Bern

Was macht ein Opernsänger von seinem Kaliber im beschaulichen Bern? Lodahl antwortet ohne Umschweife: «Ich will endlich in der Schweiz singen, und meine Wahl fiel dafür bewusst auf die Hauptstadt.» Der Däne bezeichnet sich als Naturburschen, der die Alpen liebt und reifen Käse mag. Auf seinem Handy zeigt er Fotos von einem stahlblauen Oeschinensee, in dem sich die Berge spiegeln.

Von Bern ist der Vater zweier Töchter derart begeistert, dass er seiner Frau im Überschwang einen Wohnortswechsel vorschlug. Mit Katrin ist Peter Lodahl seit 2003 zusammen. Sie ist eine Schauspielerin aus Celle, und das erklärt, warum der Mann aus Jütland fliessend Deutsch spricht.

«Als wir uns kennen lernten, konnte ich ein Bier bestellen und Robert Schumanns ‹Dichterliebe› vortragen», scherzt er. Dass der Rest seiner Familie nicht opernaffin ist, stört ihn nicht: «In der Freizeit höre ich selber lieber Pop aus Frankreich.»

Peter Lodahls offenes Wesen ist beeindruckend. Keine Frage, dass der gut aussende Skandinavier, der jeweils im August das zweiwöchige Opera Festival in Kopenhagen leitet, das Berner Publikum betören wird. Gibt es eine Traumrolle? Der Tenor muss nicht überlegen: «Ich bin noch vorsichtig mit den lyrisch-dramatischen Partien, aber es ist Graf Des Grieux aus ‹Manon› von Jules Massenet.»

Premiere: «La bohème», Samstag, 24. November, 19.30 Uhr, Stadttheater Bern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch