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«Hazy hat sein Leben gelebt»

Musikmanager Freddy Burger über den verstorbenen Hazy Osterwald, die «Hazylands» und die wilden 60er-Jahre.

Der Schweizer Musiker Hazy Osterwald, geboren als Rolf Erich Osterwalder 1922 in Bern, ist am Sonntag verstorben. (Aufnahme von September 1993)
Der Schweizer Musiker Hazy Osterwald, geboren als Rolf Erich Osterwalder 1922 in Bern, ist am Sonntag verstorben. (Aufnahme von September 1993)
Keystone
Der «Kriminaltango» oder der «Konjunktur-Cha-Cha» gehören zu seinen bekanntesten Stücken. Am 22. Mai 2002 performt Osterwald mit seinen Gästen Anna Larsen und John Ward im Zürcher Volkshaus an der Gala «Hazy kommt» anlässlich seines 80. Geburtstags.
Der «Kriminaltango» oder der «Konjunktur-Cha-Cha» gehören zu seinen bekanntesten Stücken. Am 22. Mai 2002 performt Osterwald mit seinen Gästen Anna Larsen und John Ward im Zürcher Volkshaus an der Gala «Hazy kommt» anlässlich seines 80. Geburtstags.
Keystone
Hazy Osterwald wurde 1984 mit dem Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Hazy Osterwald wurde 1984 mit dem Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Keystone
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Herr Burger, wie würden Sie die Beziehung zwischen Ihnen und Hazy Osterwald beschreiben? Als sehr intensiv. Hazy hat in meinem Leben immer wieder eine wichtige Rolle gespielt. Als ich 1965 als gelernter Hochbauzeichner ins Musikbusiness einstieg, war ich als freier Mitarbeiter in seiner Agentur angestellt. In den 80ern war ich dann sein Manager. Später, als ich Manager von Pepe Lienhard wurde, waren wir Konkurrenten.

Hatten Sie bis zuletzt Kontakt zu ihm? Den letzten Kontakt zu Hazy hatte ich an Pepes Konzert im letzten Jahr in Luzern. Da war er im Rollstuhl und bereits nicht mehr so gut beieinander.

Was machte Osterwalds Erfolg aus? Er war der Erste, der mit seinem Orchester die «Floor Show», also eine Varieténummer, von Amerika nach Europa brachte. Seine Lieder, denen oft eine gewisse Komik innewohnte, wurden Riesenhits. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber Hazy war in den frühen 60er-Jahren ein Name, der im europäischen Umfeld einen Klang hatte wie jener der Beatles ein paar Jahre später.

War sein Privatleben auch so wild wie jenes der Beatles? Als Playboy habe ich ihn nicht kennengelernt. Aber sagen wir es so: Er war ein Mann, der Chancen hatte, er war schliesslich im Showbusiness tätig. Der Aufbruch in den 60ern war für alle, die im Showbusiness tätig waren, eine aufregende Zeit, denken Sie an die Antibabypille und Flowerpower. Hazy hat sicher sein Leben gelebt und genossen.

In dieser Zeit kam auch die Rockmusik auf. Wie stand Hazy Osterwald dazu? Das war natürlich ein Einschnitt. Er hatte sich auch beim Schweizer Fernsehen beklagt, dass man seine Musik nicht mehr spiele und stattdessen auf Rock, Pop und Volksmusik setze. Wobei Hazy das gar nicht nötig hatte, er war dank der ARD-Show «Lieben Sie Show?» ein absoluter Topstar.

Hat man ihm in der Schweiz vielleicht übel genommen, dass er in einer 60-Zimmer-Villa lebte? Nein, im Volk war er auch hier stets ein grosser Star. Die Neidgesellschaft war damals nicht so ausgeprägt. Leute wie Vicco Torriani, Lilo Pulver oder Ursula Andress waren hier und jenseits der Grenzen berühmt.

Trotzdem kam der Absturz: Hazy Osterwald verlor seine Villa und seine Hazyland-Dancings. Ich denke, er hatte in diesen Bereichen die falschen Partner, er war ja nicht oft zu Hause, sondern viel auf Tour. Zudem war der Wechsel von Livemusik zu DJs im Nachtleben tödlich für die Hazylands.

Traf ihn das? Hazy Osterwald war bis zum Schluss ein glücklicher Mensch. Wieso auch nicht? Er hatte ein wunderbares, aufregendes Leben und durfte seinen 90. Geburtstag erleben. Mit Elionore, seiner dritten Frau, hatte er ausserdem ein Riesenglück – sie stand bis zum Schluss an seiner Seite, auch wenn es ihm gesundheitlich nicht mehr gut ging.

Welches ist Ihr Lieblingslied von Hazy Osterwald? Das ist «Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt» und natürlich «Kriminaltango» – beides Songs – und das ist der Unterschied zu heutigen Hits –, die auch auf der Bühne originell dargestellt wurden.

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